Mittwoch, 7. Januar 2015

Wanda, Amore, oder die Entdeckung einer Supergroup

Wie Wanda mit Tante Ceccarelli in unser Leben knallte


„Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen“ dröhnt es aus den Lautsprechern und sofort weiß man: Wow. Was für ein Lied. Was für eine neue Supergroup! Wer ist das, verdammt noch mal?
Oft passiert es nicht, dass man im Club, im Auto, im Radio einen Song hört, der einen völlig austicken lässt. Der einen zum DJ rennen lässt. Der einen im Müller Markt die Melodie vorsummen lässt. Der einen Freitag für Freitag in die Metro laufen lässt, bis man diesen einen Song endlich wiederhört. 

Das letzte Mal war dieses unfassbar neue, fantastisch melodiöse Lied, das mit einem Countdown, Kindergeschrei und der eingängigsten Synthesizermelodie aller Zeiten begann. Wie viele Leute im Club habe ich angeschrien: „Wer ist das? Wie, verdammte Scheiße, heißt dieses Lied?“ Bis jemand schulterzuckend brummte: „Kids. Von MGMG!“ „Von Ämtschibämtschi?“ „Von MGMT!“ „Ach, leck mich!“
Einige Jahre davor habe ich den DJ in einem Kellerloch auf der Reeperbahn so lange genervt, bis er mir „Favourite mistake“ von The Bravery verriet. Damals hatten gerade Franz Ferdinand, Muse und die Killers Placebo, Sublime und Pearl Jam als Supergroups abgelöst und jeder neue Song in diesem knallenden Sound ließ den Zuhörer aus der Haut flippen. In den Kleinstadtrebellen kann man diese legendäre Nacht nachlesen.
Jetzt also diese irren Typen aus Wien, die eine Attitüde wie Falco haben und alles richtig machen, was Heinz aus Wien nach ihren Anfangskrachern nicht mehr auf die Reihe gebracht haben.
„Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht!“ Was für ein Kracher! Keine Ahnung, was der Text bedeutet, aber wie die Rockstars aus Wien das vortragen, das ist sowas von phänomenal, dass man Gott wieder dankt, dass er FM4 bis nach Bayern ausstrahlen lässt.
Einen Tick lang war ich sogar sicher, dass Tante Ceccarelli in Bologna Amore mit dem eigenen Vater gemacht hat, was einen Sinn ergäbe, warum man quasi nicht mit seiner Cousine schlafen kann, aber das wäre der Genialität dieser Band dann doch einen Schuss zu viel Vorschusslorbeeren. Oder?


http://www.im-gruenen-festival.de/
Wer diese im besten Sinne größenwahnsinnige Supergroup demnächst in der Gegend live sehen will: Dem Im Grünen Team ist es gelungen, Wanda am 13.6.15 Kirchanschöring zu holen! Heiliger Scheißdreck, wird das geil werden!

Samstag, 3. Januar 2015

Arbeit und Struktur oder Glaube: Wege, mit einem Glioblastom umzugehen

Diagnose Glioblastom: Wie gehe ich damit um?


Dem Schriftsteller Wolfgang Herrndorf wurde 2010 ein Gehirntumor diagnostiziert. Ein Glioblastom, der häufigste bösartige Gehirntumor. Oder der bösartiste der häufigen Tumore. Eine der niederschmetternsten Diagnosen, die ein Mensch überhaupt bekommen kann. Wie der inzwischen verstorbene Autor damit umging, beschrieb er ausführlich in seinem bewegenden Blog "Arbeit und Struktur".
Kerzen in Altötting
Herrndorf zeichnet sich dort selbst als rationalen, atheistischen Erkrankten, einen Patienten, der seine Hoffnung auf Statistiken, Forschungsergebnisse und die Möglichkeiten der Schulmedizin setzt. Gebete, Glaube sind ihm ein Graus, ebenso wie übertriebene Empathie seiner Freunde. Er beschreibt, wie er den Kontakt zu einer Freundin abbricht, weil er ihre Trauer nicht aushalten kann. Konsequent stürzt er sich in "Arbeit und Struktur" und schreibt oder vollendet als Todgeweihter drei großartige Romane. Nicht einmal seinen Tod will er dem Schicksal überlassen. Akribisch plant er, in seinem Blog für jedermann nachlesbar, seinen Freitod. Mehrmals betont er, dass ihn das Wissen um die Pistole und die Möglichkeit, über seinen Tod selbst bestimmen zu können, paradoxerweise Kraft zum Weiterleben gibt.
Herrndorf hat die tödliche Erkrankung 3 Jahre lang besiegen können.
Knapp ein Jahr nach seinem Tod bin ich selbst Angehöriger eines am selben Tumor erkrankten Menschen geworden. Vieles aus Arbeit und Struktur hilft mir, Krankheit und Erkrankten zu verstehen.
In diesem Fall geht der Erkrankte, nennen wir ihn D., aber so ganz anders mit seinem Schicksal um, als Herrndorf. D. ist, was mich wieder und wieder erstaunt, sogar das krasse Gegenteil.
D. ist ein gläubiger Mensch. Er hat eine Familie, zwei Kinder, hat acht Wochen vor der Diagnose kirchlich geheiratet. Er hat auf der Hochzeit eine bewegende Rede gehalten, wie viele Schicksalsschläge seine kleine Familie bereits durchstehen musste. Da ahnte niemand, dass der schlimmste erst bevorstand. Niemand hätte mehr Grund, mit dem Schicksal, mit Gott zu hadern. Er hadert wohl auch. Aber sein Glaube scheint stärker. Er sucht die Gottesdienste im Klinikum Großhadern auf, er pilgert nach Altötting, um in der Gnadenkapelle zu beten, er dankt Gott laut bei jeder Gelegenheit für seine Familie und die Hilfe, die er erhält. Er lädt das ganze Dorf ein, mit ihm gemeinsam während einer Andacht zu beten. Die Kapelle der Dorfkirche ist zum Bersten gefüllt. Der Pfarrer ist erstaunt über die vielen Menschen, die an einem gewöhnlichen Mittwochabend in die Kirche strömen. Sie beten für die Kranken der Gemeinde, vor allem aber für D. Und als während der Andacht die Tür aufgeht und D. selbst, auf Krücken und seine Frau gestützt, eintritt, ist das Erstaunen noch größer. Gemeinsam betet er für sich, aber auch für die anderen Kranken, für die Helfer, die Pflegenden. Herrndorf hatte es nicht ertragen, wenn wegen ihm geweint wurde. In dieser Kapelle weinen die Betenden und die Kranken gemeinsam.
Und dennoch wird nach der Andacht viel gelacht. Es geht im Glauben um Hoffnung, Zuversicht und Liebe. Die einzigen Heilmittel gegen die Angst. Und die Angst, die Depression ist es meistens, so der Pfarrer, die den Tod herbeiführen, nicht der Tumor.

Das wusste letztendlich auch Wolfgang Herrndorf. Was er in der letzten Sekunde vor seinem Tod gefühlt hat, ob selbst er, wie er es immer ausgeschlossen hatte, an etwas göttliches glaubte, konnte er nicht mehr aufschreiben.


Mehr über Wolfgang Herrndorf:

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Wie ich meine Wohnung verkaufen wollte und (als Autor) reich und berühmt wurde

Neue Strategien für Self Publishing Autoren



http://www.chiemgauseiten.de/traunstein/immobilien/
Meine superschöne Dachgeschosswohnung im idyllischen Ettendorf steht zum Verkauf. Um zu beweisen, dass man auch ohne Makler eine Wohnung schnell verkaufen kann, bat ich meine Facebook Freunde, den Link auf das Verkaufsangebot auf meiner Homepage zu teilen. 
Erwartet habe ich mir nicht viel davon. Schon öfter rief ich dazu auf, meine hochkulturellen Beiträge und vor allem, mein Buch auf Facebook zu teilen. Aber der Roman und meine Homepage, die Chiemgauseiten, dümpeln seit Monaten unbemerkt vor sich hin und sehr, sehr selten wird auf Facebook mal was geteilt.
Hundert Klicks habe ich mir erwartet.
Aber irgendwas ist diesmal anders. Die hundert Klicks sind nach wenigen Minuten erreicht.
Das Internet dreht vollkommen durch. Über zwanzig Freunde teilen meinen Aufruf. Halb Bayern klickt auf meine Anzeige und schaut sozusagen bei mir zu Hause im Wohnzimmer vorbei. Über tausend Leute sind ganz wild darauf, meine Wohnung, zwar nicht zu kaufen, aber wenigstens mal hinein zu spähen, wie der Typ so wohnt...
Nur kurz bin ich enttäuscht, dass kein ernsthafter Interessent dabei ist. Dann begreife ich, dass ich das genialste Marketinginstrument aller Zeiten entdeckt habe: Die ersten fangen nämlich an, auch den Rest der Chiemgauseiten anzuschauen. Aha, ein Elterntagebuch. Das ist ja lustig! Die Geschichte des SV Kirchanschöring - wie interessant! Oh, einen Roman hat er auch geschrieben, die Kleinstadtrebellen. Den kauf ich mir dann mal gleich. Und vom Schreiben kann man sich so eine geile Wohnung leisten?
Ich beschließe, zukünftig immer Immobilieninserate aufzugeben, wenn ich Menschen auf meine Homepage locken will: Alle Welt stürzt sich auf Immobilie, klar, die nächste Eurokrise naht und Geld ist billig wie nie. Wenn auch nur jeder Zehnte auf den Rest meiner Homepage klickt, bin ich berühmt!
Ich werde Tausende Bücher verkaufen und allein von den Werbeeinnahmen meiner Homepage leben können! Die Menschen werden über Immoscout24 auf meine Chiemgauseiten gelockt und werden ganz verliebt in meine Texte sein! Und ein Verlag wird mir so viel Kohle anbieten, dass ich die Wohnung gar nicht mehr verkaufen brauche, sondern an reiche Sommerfrischler vermiete! 
Und während ich noch so vor mich hin träume, blinkt mein Posteingang: Die Lösung aller Probleme hat mir eine Email geschrieben! Kapitän Julius Gage ist über Immoscout auf mich aufmerksam geworden. Er schreibt mir, dass er mit den Nato-Truppen im Irak und in Kabul gegen den Terrorismus gekämpft hat. In Kabul hat er Geld im Wert von 10,2 Millionen Dollar erbeutet, das er nun irgendwie wiederzubeschaffen versucht. Dazu braucht er allerdings Hilfe. Wenn ich ihn finanziell unterstütze, bekomme ich sagenhafte 20% seiner Kriegsbeute. Wow, das sind ja über 2 Millionen Dollar! Ich schreibe Kapitän Julius Gage sofort eine Mail und schicke ihm meine Kontodaten und hoffe, dass ich die zwei Millionen bald überwiesen bekomme. Was bin ich doch für ein Glückspilz! Und alles nur, weil ich gerade meine Wohnung verkaufe…

Montag, 15. Dezember 2014

Lesen ist nicht gleich Lesen: Plädoyer für Slow Food Literatur

Lesen ist nicht gleich Lesen

Shelfie eines Slow Food Literatur Liebhabers
Lesen ist nicht gleich Lesen und Bücher sind nicht gleich Bücher. Mit dem Prinzip des Lesens und der Zukunft der Bücher befasste sich letztens ein Artikel im Spiegel. 
Einige der Informationen zum Lesen sind es wert, sich weitere Gedanken zu machen. 
Junge Menschen lesen heute so viel wie nie zuvor, so eine Aussage des Artikels. Jeder Buchhändler wird sich diesbezüglich am Kopf kratzen. Des Rätsels Lösung: Die Texte, die die Jugendlichen lesen, befinden sich fast ausschließlich auf Bildschirmen. So wie auch dieser hier. Whatsapp- Mitteilungen, Mails, SMS, Facebook- Posts, Blog- Beiträge und Nachrichten. Ständig, eigentlich den ganzen Tag wird heutzutage gelesen. Aber ist dieses Lesen eigentlich lesen, oder nicht einfach ungesundes konsumieren?
Da diese zu konsumierenden Texte kurz sein müssen und nicht anstrengen dürfen, muss ich mich an dieser Stelle leider vom jungen Durchschnittsleser verabschieden. Wenn er überhaupt so weit gekommen ist. 
Wenn Du an dieser Stelle noch dabei bist, gehörst Du wohl zum "Anstrengungsleser", also zu den Lesern, die nicht nur zur Zerstreuung und zur raschen Information lesen, sondern die sich mit Texten auseinandersetzen, den Horizont erweitern wollen, die Texte in die Tiefe lesen. 
Wie langweilig!
In der Zukunft, so der Artikel, werden nur noch einfach zu konsumierende Texte mit kurzen Sätzen und schlichtem, gemeinverständlichem Inhalt gelesen. So, was ist jetzt langweiliger?
Geht man in die Leseforen, findet man dort Hunderte "Buchjunkies" und "Büchersüchtige". Sie alle lesen Bücher. Eigentlich eine positive Botschaft. 
Sieht man genauer hin, verschlingen diese Junkies Bücher wie Junkfood. Sie konsumieren Bücher, die gemeinsam haben: Sie sind spannend, unterhaltsam und man kann sie verschlingen, ohne nachdenken zu müssen. Sie haben, um beim Junkfood zu bleiben, keinen Nährwert. 

Lest mehr Slow Food Literatur!


Die Vielleserei ist für Leseanfänger ein Segen. Für fortgeschrittene, ältere Leser, die nie die Freude erlernen, sich auch in tiefe Literatur hineinzudenken, baut sich eine Barriere auf, die ihren Horizont von einer bereichernden anderen Welt abschneidet. 
Die Lesesüchtigen fühlen sich als Leser, haben aber in vielen Fällen noch nie ein Buch im eigentlichen Sinne gelesen. Ausnahme natürlich die Schullektüre, die viele  Schüler, da nehme ich mich nicht aus, prinzipiell anstrengend und sowieso doof finden. 
Dies ist ein Aufruf zum "Slow Food Lesen"!
Lest Bücher, die Euch zu Gedanken gelangen lassen, die autonom, transformativ und letztendlich unabhängig vom gelesenen Buch sind. Lest Bücher, die Euch zwingen, Fremdwörterbücher und Wikipedia aufzuschlagen!
Lest Bücher, die anstrengend sind! Wer zu viel Fastfood konsumiert, muss seinen Körper trainieren, um gesund zu bleiben. Genau so ist es mit dem Kopf!
Es muss ja nicht gleich Tolstoi oder Sartre sein. Wie wärs für den Anfang mal mit "Tschick" oder "Das Schicksal ist ein mieser Verräter": Ihr werdet überrascht sein, wie tief diese Bücher sind, wenn man sie aufmerksam liest!

Mehr zum Thema Lesen:

Welche Bücher mich am meisten beeinflusst haben: Hier klicken
Mehr Literatur auf bernhardstrasser.de

Sonntag, 7. Dezember 2014

Die Anfänge des Im Grünen Festivals Kirchanschöring

Wie das Festival "Im Grünen" in Kirchanschöring entstand


Die Plakate zur Premiere 2005
Das Im Grünen Festival in Kirchanschöring ist heute eines der größten von jungen Idealisten organisierten Festivals in Südostbayern. Einmal im Jahr fallen tausende Festivalgäste in das kleine Dorf ein und stellen das Dorfleben der Gemeinde völlig auf den Kopf. La Brass Banda spielte hier eines der ersten Konzerte und blieb lange eng mit dem Im Grünen Team verbunden. FM4 Größen von Petsch Moser über Russkaja bis hin zu den Sternen, sie haben alle in Kirchanschöring gespielt. Was heute ein routiniert durchorganisiertes Festival ist, begann als Projekt einer Jugendgruppe. Ein nostalgischer Blick zurück:


Alles begann mit dem "Carei"



Vor dem Carei war die (Kirch)Anschöringer Jugend wie im Rest von Bayern in der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) organisiert. Allerdings gab es in Anschöring noch immer jede Menge völlig unorganisierter Jugendlicher, die sich weigerten, sich organisieren zu lassen und höchstens Teil einer Jugendbewegung sein wollten. Da diese Jungs und Mädchen die meiste Zeit vorm Schulgebäude chillten, wovon der Gemeinderat nicht restlos begeistert war, stellte man ihnen einen Jugendpfleger zur Verfügung. Dieser Jugendpfleger war Günter Wimmer. Der war Im Chiemgau und Umgebung als Fußballer und als Musiker mit seinen Bands "Die Springer" und der " Guten A-Band" bekannt und der wilde Haufen ließ sich ausnahmsweise halbwegs doch noch organisieren.

Der Gruppe wurde ein leer stehendes Gebäude in Kirchanschöring zur Verfügung gestellt, in dem sie sich regelmäßig treffen konnten: Das baufällige Caritas - Haus. 
Alle, die im Caritas - Haus aus und ein gingen, gehörten fortan zum "Carei".

Das Festival Im Grünen

Das südöstliche Oberbayern war schon immer eine Hochburg, was Maschinenhüttlfestl mit Rüscherl und Bryan Adams anging. So mancher Bauer, der in seiner Scheune einen der Landdiscothek DJs auflegen ließ, lockte tausende aus der Landjugend an wie die Motten das Licht. Aber statt Bon Jovi und Scooter stand das Carei auf Tocotronic und Franz Ferdinand. Und das Carei wurden immer mehr. Also stellten sie kurzerhand eine "Alternative Party" auf die Beine und punkteten auf den Plakaten mit dem Versprechen: "Garantiert ohne Spitz Audio!" 
Die ersten Schritte in Richtung Organisation von Großveranstaltungen war getan. Wenn man eine Party veranstalten kann, warum nicht gleich ein Festival? Dachte man sich und innerhalb von sechs Wochen stampfte man im Jahr 2005 ein kleines, aber feines Festival im Anschöringer Achenpark aus dem Boden.
Die Idee zum Festivalnamen hatte der Legende nach der Maggei vom Im Grünen Team beim Dorfwirt, dem Felber. Ein Geistesblitz, da kein anderer Name das Festival besser hätte beschreiben können.
Ab dem ersten Jahr wird das Festival allein vom Jugendtreff, also von damals 15, 16 jährigen Jungs und Mädels organisiert. Zurückgreifen können sie auf das Know How von Jugendpfleger Günter Wimmer, der sich später selbst mit einer Event Agentur selbständig macht. Fast zehn Jahre später sind die meisten vom Gründungsteam noch mit dabei. Sie sind mit dem Festival erwachsen geworden. Unterstützt werden sie ihrerseits von den kirchanschöringer Jugendlichen.
Erster Headliner war 2005 Bradleys H
Bekannt wird das Festival, auch unter den Bands, aufgrund seiner einmaligen Atmosphäre.
Es geht locker und lässig zu. Die Organisatoren sind meist Teenager, dennoch funktionierte die Organisation stets reibungslos. Legendär sind heute die Geschichten, dass die Bands von den Kilians bis zum Keller Steff „backstage“ bei Yvos Oma in der Stube sitzen und für sie Gitarre spielen. Oder wie sich Petsch Moser weigern, ins Hotel gebracht zu werden und stattdessen beim Aufräumen mithelfen. 
2005 kommen bereits 1100 Besucher. Headliner ist mit Bradleys H eine lokale Band. Drei Jahre später wird bereits die 3000er Marke geknackt und das Team beschließt, die Gästezahl zu begrenzen, um das Dorf nicht zu überfordern. Man setzt auf Qualität statt auf Quantität. Bald wird das zehnjährige Jubiläum gefeiert. Man darf gespannt sein, welche Bands diesmal nach Kirchanschöring gelockt werden.

Mehr über Anschöringer Popkultur gibts auf www.chiemgauseiten.de
Mehr Anschöringer Geschichten hier: https://www.chiemgauseiten.de/anschoeringer-geschichten/



Freitag, 14. November 2014

Die Männeryoga-Gruppe: Kerle auf dem Weg zur Erleuchtung

Ja sind wir denn völlig irre, werden wir von allen Seiten gefragt. Yoga? So richtiges Yoga? Nein, nein, haben wir geantwortet. Natürlich kein richtiges Yoga! Yoga ohne den Esoterikscheiß. Männeryoga halt! So hat es uns Christian versprochen. 
In der Theorie haben wir uns das so vorgestellt: Wir Jungs machen gemeinsam ein bisschen Gymnastik für den Rücken, von mir aus noch kurz ein Räucherstäbchen angezündet und danach schnell zum Wirt. Und unsere Frauen sind sowas von stolz auf uns, weil ihre gestandenen Burschen "Yoga" machen. Haha, die haben ja keine Ahnung von richtigem Männeryoga. Ja, so ungefähr haben wir uns das ausgemalt. Die alte Yogatante vom Prospekt macht den Kleinen Fisch, den Lustigen Kriecher oder den Sonnentanz, oder was auch immer vor, und wir machen es nach. Möglichst schnell, möglichst effizient, der Männeryogastammtisch wartet. 
Und jetzt sitzen wir da, 13 Männer, kleinlaut und verschüchtert wie Mäuschen, während die junge Yogalehrerin, die alte ist scheinbar verhindert, erklärt, dass Yoga kein Sport ist. Sie fragt uns, was wir uns vom Yoga erwarten. Jeder antwortet ernst, leise, richtig ehrfürchtig gegenüber der jungen Yogafrau etwas von „Rücken" oder "Ausgleich zur Büroarbeit“. Ich sage „Meditation" und meine eigentlich „Wirtshaus“. Sie faselt etwas vom „zu sich selbst kommen“ und, dass es beim Yoga nicht um Konkurrenzkampf geht. Wir grinsen. Wir wissen genau, dass trotzdem jeder von uns alles geben wird, der beste in der Männeryogagruppe zu sein. 
Noch immer geht uns die Düse. Wir waren schon vor Beginn der Stunde fix und fertig. Unsere Fahrgemeinschaft war spät dran, weil jeder quasi vom Büro weg abgeholt wurde. Dann hetzten wir Richtung Osterloh. Wo auch immer das ist. Wir kreuzten durch die Wallachau des bayerischen Voralpengebiets, wo die Orte noch Vordereck, Hintereck und Mitteleck heißen. 
Hektisch wurden die anderen Männer antelefoniert: Wo ist dieses Scheiß Osterloh? Wo sind wir? Schalt doch das Navi ein! Navi: "Bitte wenden sie!"
Völlig ausgepowert und gestresst kamen wir im Yogastadel Osterloh an. 
Nach einer Dreiviertelstunde Kennenlernrunde sind wir ansatzweise entspannt genug, dass wir fit für die Entspannungsübungen sind. 
Zuerst geht es in den Schneidersitz. Als ich vor Jahren an einem Schnupperyoga mitmachte, war ich der einzige, der den Schneidersitz nur unter Zuhilfenahme von nicht einem, sondern drei Kissen bewerkstelligen konnte. Alle schauen mich grinsend an. 
Ich resigniere. Der Schneidersitzguru werde ich auch in diesem Kurs nicht. Ich kniee mich auf ein riesiges Kissen. Das geht ganz gut. Erst nach zweieinhalb Minuten bekomme ich einen Krampf.
Endlich dürfen wir Gymnastik machen. Die Frau ruft Tiernamen und wir verrenken uns. Geil! So stellt man sich Männeryoga vor. Gerade, als wir ins Schwitzen kommen, müssen wir uns wieder in den Schneidersitz hocken: Wechselatmung üben. Sie macht eine Geste mit der Hand, die in Rapperkreisen als "East Side" und in Schreinerkreisen "Drei Bier bitte!" interpretiert werden könnte. (2 EUR in die Sparwitzkasse)
Wir müssen uns abwechselnd mit Daumen und Ringfinger die Nasenlöcher zuhalten. Wir schauen uns entsetzt an, machen aber genau das, was die Frau von uns will. 
Die fängt auf einmal an zu lachen. Kriegt sich gar nicht mehr ein. Kichert sich einen ab statt Wechselatmung. Jaja, wir wissen selber, dass das bescheuert ausschaut. Was lacht sie denn so? 
"Bitte die Finger nicht in die Nasenlöcher stecken!", sagt sie sanft. Dann machen wir die Atemübungen, unterbrochen nur vom Lachen der Yogalehrerin, deren Atem kurz in die Schnappatmung wechselt. Lachyoga, denke ich.
Zum Schluss nochmal Entspannung. Wir schließen die Augen. Sofort fängt einer an zu Schnarrchen. Scheiß Männeryoga. 
Ein Gong ertönt. Also doch Esoterikscheiß, frage ich mich, aber da ist es schon wieder vorbei. Das war's? War ja gar nicht so schwer. Wir fahren zum Wirt.

Sonntag, 9. November 2014

Als ich noch Computernerd war: Von C64 bis GTAV

Weihnachten '86: World Games auf dem C64
Ja, ich habe eine Computervergangenheit. Ich habe vom C64 über Amiga 500, N64 bis zur PlayStation sämtliche Systeme besessen und einen Teil meiner Jugend mit den heute als Klassiker geltenden klobigen Pixelspielen verbracht.
Dies ist die Lebensbeichte und der Lebenslauf eines ehemaligen Computernerds.

Der Commodere C64

Das Unheil begann an Heiligabend 1986. Das Christkind hat meinen älteren Cousins einen Commodore C64 gebracht. (Mir eine Pumuckl Uhr)
Anstatt Weihnachtslieder zu singen, starrten 6 Kinder mit viereckigen Augen gebannt auf Omas alten Farbfernseher und sahen zu, wie am Joystick gerüttelt wurde und ein pixeliges Männlein auf Schlittschuhen Anlauf nahm, über acht Fässer sprang und beim Landen ins Eis einbrach. Die Cousine fluchte und musste den Joystick abgeben. World Games hieß das Spiel, das uns diesen Heiligen Abend lang beschäftigte.
Meine Sommerurlaube verbrachte ich fortan nicht mehr bei meiner Tante, sondern beim C64.
Summer und Winter Games, Microprose Soccer und Spy vs. Spy hießen die Lieblingsspiele.
Als das Nachbarskind einen Amiga 500 zum "Arbeiten" bekam, musste ich nicht mehr bis nach München fahren, um spielen zu können.
Alle paar Wochen durften wir dort in Omas altem Schlafzimmer in Kirchanschöring eine Stunde spielen. Meistens Gianna Sisters oder Test Drive, Emeralds Mine, Double Dragon 4 und International Karate +. Dann wurden wir vom Hansi rausgeschmissen und stapften nach langen Protesten widerstrebend die Treppe wieder hinunter.
Irgendwann hatte meine Mama Erbarmen mit mir und kaufte mir einen völlig überteuerten Schneider CPC464. Auf einem Grünmonitor konnte ich die beliebten Spiele nun im eigenen Kinderzimmer spielen, wann immer ich wollte. Manche Spiele liefen über ein Kassettenlaufwerk und es dauerte mehrere Minuten, bis das Spiel geladen war. Andere Computernerds aus dem Dorf kamen vorbei und spielten in meinem Zimmer, egal ob ich da war, oder nicht.

Mehr als Retro: Schneider CPC 464

Irgendwann hatte ich vom Grünmonitor und vom Pfeifen des Cassettenlaufwerks genug und ich verkaufte den Schrott dem Hubert.
Der läutete eine Woche später, mit einem Bollerwagen und traurigem Gesicht, an meiner Haustür. Die Mama erlaubte ihm den Besitz des neumodischen Geräts nicht mehr. Ich gab ihm das Geld zurück und entdeckte auf einer Diskette eine Datenbank aller Kühe des Hofes samt Mädchennamen. Ich spendete den Schneider CPC nach Polen und bekam den uralten, aber im Vergleich zum CPC modernen C64 meiner Cousins geschenkt.
Es war 1993 und die waren längst einen Schritt weiter: Sie besaßen nun einen nagelneuen 386er PC mit 25 Mhz und einer 50 MB Festplatte.
In gestochen scharfer Farbe und in sensationeller VGA Grafik spielte ich mein erstes Adventure: Monkey Island. Ich war verzaubert. Ein Spiel wie ein Film. Noch nie hatte ich etwas faszinierenderes gesehen und ich verbrachte die nächsten Urlaube dort nur noch vor dem PC.
Welch Wunderwerk der Technik. Man konnte mit Paintbrush malen und die Bilder abspeichern! Ich lernte schnell die wichtigsten Dosshell Befehle und fand eine Schatzkiste an Spielen: Wing Commander. Lemmings. Sim Life. Silent Service 2.

Endlich ein Amiga 500

Einen Teil dieser Spiele konnte ich bald auf meinem gebrauchten Amiga, den ich mir kaufte,
Das Zimmer eines Computernerds
selbst spielen. Absolutes Lieblingsspiel wurde aber wieder ein Fußballspiel: Sensible Soccer wurde tagelang mit den Freunden gezockt.
Mit Civilization erwischte mich das erste Suchtspiel. Statt Latein zu lernen, eroberte ich als Lord Berni von Ägypten bis 2 Uhr morgens die Welt. Nicht viel besser waren Die Siedler, die ich damals für das genialste Spiel aller Zeiten hielt.
Super Mario 64
1995 begann auch für mich das PC Zeitalter. Der 486er mit 100 Mhz und 500 MB Festplatte war auf dem Stand der Zeit. Bald kaufte ich mir ein CD Rom Laufwerk dazu und die Spiele kamen mir vor wie Kinofilme: Rebel Assault, Creature Shock und Rollenspiele wie Ultima 7 und Lands of Lore.
Zwei Jahre später war der PC schon wieder Out. Die Spielkonsole N64 war das Maß aller Dinge. Die Wochenenden verzockten die Freunde wieder gemeinsam in meinem Zimmer mit Super Mario Kart und dem James Bond Shooter Golden Eye. Revolutionär auch Super Mario 64, der auf einmal nicht mehr nur von links nach rechts, sondern 360 Grad in sämtliche Richtungen laufen und hüpfen konnte. Die Zukunft hat begonnen, waren wir uns sicher.
Dann wurde lange nicht mehr Computer gespielt.

Die Playstation

Bis ich mir doch noch die PS2 und 2007 die PS3 besorgte. Längst dem Computernerdalter entwachsen war es die völlige Freiheit der GTA Reihe, die mich noch einmal zum Spieler werden ließ. Mit einem Müllauto durch den Park fahren. Ampeln missachten und Briefkästen umfahren. Genial! Daneben noch FIFA, das immer realistischer werdende Fußballspiel, kein Vergleich mehr mit den Pixelköpfen von Microprose Soccer. Und natürlich Assassins Creed, das Mittelalter GTA.
GTA V war übrigens das letzte Spiel, an dem ich mich noch versucht habe.

Seitdem habe ich leider weder Zeit noch Muse zum Spielen. Inzwischen warte ich, bis ich entweder meinem Sohn das Computerspielen nicht mehr verbieten kann, oder ich im Altersheim auf der PS12 meine letzten Tage mit GTA XVI verbringe.

Was aus dem Typen geworden ist, erfahrt ihr hier: www.bernhardstrasser.de