Sonntag, 16. März 2014

Welche Bücher haben Ihren Werdegang am meisten beeinflusst?

Quelle: http://www.petzi-forschung.de

Bücher Nominierung

Analog zur Ice Bucket Challenge kursiert gerade die Bücher Nominierung durch das Internet. Welche Bücher haben ihren Werdegang am meisten beeinflusst, lautete die Frage. Ich wollte natürlich ganz vorne beginnen:
Die beliebte Frage, "Was war Ihr erstes Buch?", kann ich klar beantworten: es war ein Pixibuch über die Abenteuer vom Petzi Bär. Obwohl ich es noch heute, soweit ich es beurteilen kann, für ein starkes, eindrucksvolles Werk halte - das Original habe ich bereits in jungen Jahren verschlampt - ist es nicht das einzige Buch, das mich beeinflusst hat.

Ich muss wohl noch weiter ausholen: Meine Mutter war Büchereileiterin. Und obwohl ich Zugang zu Büchern hatte, so kommt es mir heute vor, wuchs ich in einem literaturarmen Haus auf.
Der Bücherschrank enthielt Dutzende Exemplare von Readers Digest, die ich heute nicht mehr beurteilen kann. Ich meine, mich dunkel an Moby Dick und den Namen Hemingway zu erinnern. Aber meine Eltern lasen Krimis, mein Vater liebte Biographien. Sie lasen zur Zerstreuung. Anderes kannte ich also nicht.
Gab es ein "life changing" Buch? Nein. Es waren immer mehrere Bücher.
Im Kindergartenalter waren es alle Preussler-Bücher. Mutter las uns die kleinen Hexe-, Wassermann- und Schlossgespenst vor. Natürlich den Hotzenplotz.
Später die unendliche Geschichte.
Ein unfassbar wertvoller Schatz waren mir im Bücherschrank die Sachbücher: Hirmers Bildband über Ägypten. Bücher über Dinosaurier und untergegangene Kulturen. Schon in der Grundschule kannte ich Tut Anch Amun und Nofretete, las selbst Sinuhe der Ägypter.
Meine ersten Bücher waren Abenteuerbücher: Fünf Freunde. Die drei Fragezeichen. Karl May langweilte mich.
Mit richtiger Literatur kam ich nicht in Berührung. Auch auf dem Gymnasium lange Zeit nicht. Hexen in der Stadt. Anne Frank.
Später Biedermann und die Brandstifter, der Richter und sein Henker, Emilia Galotti und Kabale und Liebe. Ich bezweifle, dass ich die Schullektüren ganz gelesen habe. Interessiert haben sie mich nicht.
Ich verschlang hunderte Comics. Asterix, Lucky Luke, Tim und Struppi - dafür liebte ich die Bücherei meiner Mutter. Micky Maus, Yps. Sämtliche Carlsen Comics.
Nebenbei versuchte ich mich aber auch an Seltsamkeiten wie Marlen Haushofers "Die Wand", das mir meine Mutter empfahl. Vielleicht tue ich ihr Unrecht, dass sie mich nicht zur Literatur angeregt hat. (Ich kam nicht über die ersten Seiten hinaus)
Als Teenager wurden die angesagten Unterhaltungsromane bedeutsam: Crichton, Grisham. Später Steven King. (Jurassic Park, Akte, Christine)
Bücher mussten spannend sein. Dass mehr in Büchern steckte, wusste ich zwar, aber ich verstand es nicht.
Vielleicht war es ausgerechnet mein Jahr in Amerika, das mich der Literatur näherbrachte.
Emerson und Thoreaux- ich las gerade Sofies Welt. Arthur Miller - The Crucible. Fahrenheit 451. Wer ist dieser verdammte Gatsby und was der Catcher in the rhy? Steinbeck - Of mice and man.
Zu Hause ging es weiter: Huckleberry Finn, Kill a mockingbird. Ich wollte sie alle lesen. Romeo and Juliet, Hamlet, möglichst auf Englisch. Selbst. Ulysses stand auf einmal in meinem Bücherschrank.
Und dann auf einmal das erste Buch, das mich weghaute: John Irvings Garp und wie er die Welt sah. So können also Romane sein.
Ich las noch Owen Meany und wagte mich danach an die Blechtrommel und stellte überraschende Parallelen fest.
Der Werter wird zum Lebensmanifest, Lolita packe ich bald wieder weg. Stein und Flöte und die Säulen der Erde die Bücher, die mich eine Weile begleiten.
Als Zivi den Faust und den Harry Potter (auf englisch) in der Tasche.
In Mannheim - natürlich - die Räuber. Erste Begegnung mit Thomas Mann. Soloalbum, so wie ich mich fühlte. Den Taugenichts in Heidelberg gelesen. Auf einmal tonnenweise Gedichte.
Erich Fried in Rosenheim.
Die Explosion aber erst durch Krechel und Niemann: Hülswitt, Faserland, Dostojewski, auf einmal war kein Name zu groß. Lange Zeit Hemingway, zuletzt der Zauberberg und eine Ahnung, was Literatur sein kann.

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Dienstag, 4. März 2014

Eindrucksvolle Wanderung durch das antike Termessos

Das antike Termessos nahe Antalya

Termessos ist der ideale Ort, um die Strandurlaubsträgheit an der türkischen Riviera zu vertreiben. Nur wenige Touristen finden sich dorthin, man erlebt Antike, Natur und eine wunderschöne Wanderung. Unweit von Antalya, im Termessos Nationalpark, wartet eine atemberaubende Landschaft und ein mystischer Kulturschatz mitten in den Bergen. Eine Mischung aus Herr der Ringe und Indiana Jones mit Spuren von Alexander dem Großen. Ich habe Termessos bei diesigem Nebelwetter und frühlingshaftem Sonnenschein besucht und es ist schwer zu sagen, welches Mal eindrucksvoller war.
Der Weg beginnt mit einer geringen Maut am Fuße des Berges. Die acht Kilometer lange Serpentinenstraße kann man bequem im Auto zurücklegen. Da die sogenannte "Straße des Königs" bereits von antikem Mauerwerk gesäumt ist, wäre auch eine Wanderung sicherlich reizvoll.
Richtig los geht es allerdings erst am Besucherparkplatz. Ein einsam stehender Torbogen inmitten umgestürzter Säulen kündet bereits davon, was einen erwartet: Termessos, auf über 1000 Meter Höhe gelegen, ist die Ruine einer antiken Stadt, die, aufgrund ihrer geschützten Lage, schon von Alexander dem Großen als Adlernest bezeichnet wurde.
Obwohl mehrere Erdbeben kaum einen Stein auf dem anderen stehen ließen, vermitteln die Ruinen doch einen Eindruck, wie prächtig die Stadt einst gewesen sein muss.

Wanderung zu einer historischen Stadt

Die Wanderung, beginnt mit einem steilen Anstieg zur unteren Stadtmauer hinauf. Die Grundmauern eines Gymnasiums stehen noch und laden den Hobbyabenteurer ein, die Ruinenstadt auch abseits des Weges zu erkunden. Die gut erhaltene obere Stadtmauer lässt erahnen, wie gut die Stadt vor Feinden, selbst Alexander konnte die Stadt nicht einnehmen, geschützt war.
Folgt man oben dem Weg rechts zum ausgeschilderten Theater, erreicht man bereits den Höhepunkt der Wanderung. Das perfekt in den Berg gehauene, noch gut erhaltene Theater bietet eine grandiose Aussicht und wurde von den Architekten als perfekte Symbiose zwischen Natur und Bauwerk geplant. Egal, ob geheimnisvoll aus dem Nebel auftauchend, oder vor der mächtigen Bergkulisse, das Theater ist bei jedem Wetter eindrucksvoll.
Die weitere Wanderung steht erfahrungsgemäß unter dem Eindruck des Theaters und die folgenden Tempel, Zisternen und Privathäuser begeistern wohl mehr die Archäologienerds.

Das Grab des Alketas

Nicht versäumen sollte man nun aber, einen Abstecher in die, schwer begehbare, aber gut ausgeschilderte Nekropole zum Grab des Alketas zu machen.
Alketas war ein General Alexander des Großen. Nach dessen Tod unterstützte er in den Diadochenkriegen seinen Bruder Perdikkas, der das riesige Reich Alexanders kurz regierte. In den Schlachten um die Herrschaft wurde Alketas, der das Erbe seines ermordeten Bruders antreten wollte, von Antigones vernichtend geschlagen.
Alketas gelang es, zu den befreundeten Termessern zu flüchten. Die jungen Bewohner Termessos nahmen ihn begeistert auf, die Ältesten aber wussten von der Gefahr für die Stadt. Als Antigonos Heer Termessos erreichte, gelang es den Ältesten, Alketas zu überlisten. Bevor er aber Antigonos ausgeliefert werden konnte, beging er Selbstmord.
Die jungen Termesser waren darüber so wütend, dass sie beinahe ihre eigene Stadt zerstört hätten. Die Alten konnten sie beschwichtigen, indem sie ihnen zusagten, den von Antigonos geschändeten Leichnam des Alketas feierlich zu bestatten.
Die Überreste dieses Grabes erreicht man also, wenn man den Trampelpfad die Nekropole hinein folgt. Man wandert an einer Gruft vorbei und erkennt im Berg einige eingemeißelte Gräber. Ein Wegweiser führt zum Grab des Alketas. Trotz deutlicher Verwüstungen der letzten Jahrtausende ist es immer noch das stolzeste Grab der gesamten Nekropole: Im Fels erkennt man das Relief eines Reiters. Die makedonische Rüstung und die prunkvolle Ausstattung lässt den Schluss zu, dass es sich um das Grab Alketas handelt. Der Steinsarg ist ebenso beschädigt wie die weiteren Reliefs. Die Wände, die das Grab einst abgetrennt haben, kann man nur noch erahnen. Vielleicht muss man die tragische Geschichte des Mannes kennen und ein wenig Begeisterung für die Geschichten rund um Alexander dem Großen in sich tragen, um die Außergewöhnlichkeit dieses Ortes ganz zu begreifen. Die beiden 70 jährigen Rentner aus den USA, die mich keuchend begleiteten, waren jedenfalls total aus dem Häuschen, als sie das Grab erreichten.

Wieder zurück kann man über ein unfassbar weites Schotterfeld, das einmal eine Prachtstraße war, zurück zum Parkplatz gehen.
Bei unserem ersten Besuch haben wir den schwierigeren Weg am Berghang entlang durch die Nekropole gewählt. Damals war es, wie erzählt, sehr neblig und die Wanderung war magisch wie durch ein von Tolkien erdachtes Land. Wie aus dem Nichts tauchten immer wieder gewaltige Steinsarkophage auf, die Deckel geöffnet, als hätte sie gerade eben jemand beiseitegeschoben. Jeden Moment erwartete man einen Termesser in voller Rüstung den Pfad blockieren.
Bei Sonnenschein ist ein Teil dieses Zaubers verflogen. Spannend ist es dennoch, vorbei an unzähligen Sarkophagen und Felsengräbern zurück ins Tal zu wandern.
Unten, auf der anderen Seite des allein stehenden Torbogens, kehrt man schließlich zum Parkplatz zurück.
Die eine große Frage, die sich hier jemand stellt, bleibt: Was ist geschehen, dass die Stadt aufgegeben werden musste? Forscher vermuten nämlich, dass es nicht die Erdbeben waren, sondern womöglich Wassermangel. Wie, so fragt man sich, haben die Termesser beispielsweise Getreide beschafft? Wurde es über die „Straße des Königs“ mühevoll nach oben geschafft? Dies könnte eine weitere Erklärung sein. Die unwirtliche Abgelegenheit dieser Stadt.

Für uns Nachkommen ist die Abgelegenheit dagegen ideal: Selten sieht man so eindrucksvoll „erhaltene“ Ruinen.

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