Sonntag, 23. August 2015

Bayern – Heimat zwischen Genie und Wahnsinn

Sind die Bayern bierzeltborniert oder bunt und weltoffen –  eine Reflexion

Die Bayern, das sind diese latent rechtsideologisierten Leberkäsamigos, wohlhabend, traditionsorientiert und kampfeslustig, wenn jemand das bayerische in Bayern zu verwässern droht. Gleichzeitig gibt es in Bayern eine bunte Begrüßungskultur für Flüchtlinge, eine selbstbewusste Schwulenszene, eine teils bis in die Populärkultur vorgedrungene Musik- und Literaturavantgarde. Bayern ist erfolgreich, nicht nur in Sport und Wirtschaft. Was ist Bayern eigentlich? Der Spiegel hat sich in seiner aktuellen Titelgeschichte der bayerischen Zerrissenheit angenommen. Liest man den Artikel, hat man allerdings das Gefühl, er wurde von zwei „Preussn“ geschrieben. Hier also eine bayerische Selbstreflexion:
Den Zwiespalt kennen wir echten Bayern selbst. Während mir die Bierzelttrachtler ebenso wie die monarchistisch veranlagte Regierungspartei stets fremd geblieben sind, war ich im Ausland und im außerbayerischen Deutschland stets mit einem unergründlichen bajuwaren Heimatstolz glücklich über die Rolle, als „der Bayer“ zu gelten.
Zu Hause allerdings fühlte ich mich nie bayerisch, hatte 25 Jahre lang keine Lederhose im Schrank stehen, nur einmal, ein Anfängerfehler, beim Wahlgang der Regierungspartei ein Kreuzchen gemacht und war im Fußballverein der, dem das Bier nicht schmeckt. Wie zu Hause habe ich mich dennoch immer gefühlt. Vielleicht, weil ich in einem außergewöhnlichen Dorf aufwachsen durfte. Oder auch, weil Bayern tatsächlich beides ist: Traditionell borniert und weltoffen.
Das erfolgreichste Beispiel, wie man die bayerische Zerrissenheit in ein funktionierendes Konzept umwandeln kann, ist die Arbeit von Stefan Dettl. Der fast postkartenhafte Klischee-Oberbayer, sozialisiert im Trachtenverein, Blasmusiker und heimatverbunden, hat etwas geschaffen, das das neue Bayern perfekt repräsentiert: Zunächst mit seine Band LaBrassBanda, die Einflüsse von Balkanklängen und elektronischer Musik in ihre Blasmusik einfließen ließen und zu einem Pophänomen wurden. Mehr noch aber mit der Zeitschrift „Muh“, die äußerst lesenswert den schmalen bayerischen Grat zwischen selbstbeweihräuchernder Bayern-Nostalgie und aufrüttelnder Systemkritik bewältigt.
Denn auch das gehört zur bayerischen Kultur: Die Subkultur. Schwabinger Krawalle bis zurück zum Simplicissimus, der beißenden Münchner Satirezeitung für die Ludwig Thoma und Frank Wedekind gifteten.
Das Bayern in dem ich aufgewachsen war, war noch ein Land, in dem Frauen anonyme Telefondrohungen bekamen, wenn sie am Sonntag zur Kirche ein buntes Kleid trugen und 30-jährige Söhne von ihren Müttern verboten bekamen, sich mit anderen Frauen zu treffen. Schwarz und katholisch. Gleichzeitig begann eine Entwicklung, dass CSU-Bürgermeister grüne Politik betrieben, auf nachhaltigen Umweltschutz setzten und einen Grundstein legten, dass Jahre später die ersten syrischen Flüchtlinge mit Blasmusik und offenen Armen empfangen wurden.

Das alte und das neue Bayern hat sich längst vermengt. Wenn der beste Plattler am Ort ursprünglich aus der DDR stammt, keiner so bayerisch frotzeln kann wie ein Türke, ist das Land auf einem guten Weg, weiterhin Tradition und Moderne zu vereinigen.

Donnerstag, 20. August 2015

Wo bleibt das nächste große Ding der jungen wilden Literatur?

Bücher, die ein Leben verändern, es gibt sie wirklich! Meines war "Garp und wie er die Welt sah" von John Irving. Seitdem wollte ich Schriftsteller werden und solche Geschichten schreiben.
Neulich habe ich einen Literaturagenten, der vor zehn Jahren die "20 unter 30", also die damals heißesten Jungautoren von Juli Zeh bis Sasa Stanisic prophezeit hat, gefragt, wer heute die heißeste 
Inspiriert von:
Kracht, Stuckrad-Barre, Ludwig Thoma
Literatur für junge Leute schreibt. Die Antwort war zwar zutreffend, leider aber auch die langweiligste aller Antworten: "Tschick und John Green". Gähn. Das ist ja sowas von 2012!
Gibt es denn aktuell keinen heißen Schriftsteller, ein "next big thing"?
Jetzt muss man wissen, dass sich auch die beiden genannten Großmeister an Vorbildern bedient haben: Wolfgang Herrndorf für Tschick zum Beispiel bei Mark Twains Huckleberry Finn. Oder John Green in "Schicksal ist ein mieser Verräter" bei Salingers Fänger im Roggen. 
Wo ist nun also der Autor, der sich von Tschick und John Green inspirieren lässt und etwas Neues, Aufregendes erschafft?
Ich hoffe auf Ronja von Rönne und ihrem Roman in Arbeit, aus dem sie schon beim Bachmannpreis in Klagenfurt gelesen hat. Klingt zwar sehr nach Christian Krachts "Faserland", kritisierte man, aber genau das ist der Grund, warum ich dem Buch so entgegen fiebere. 
In der Musik hat es zumindest in Österreich eine Band namens Wanda geschafft: Sie haben sich an den besten Vorbildern der 70er und 80er orientiert und dennoch einen neuen, umwerfenden Sound geschaffen. 
Wem wird das "Amore" der Literatur gelingen?
Wenn sich das nächste große Ding in der jungen Literatur andeutet, meldet Euch! Bis dahin trink ich erst mal einen Schnaps!

Mehr zum Thema auf www.chiemgauseiten.de

Montag, 17. August 2015

Das Geheimnis im Grab des Tutanchamun


Das Tal der Könige in den frühen Morgenstunden. Es sind erst wenige Touristen hier. Die Sicherheitsauflagen sind hoch. Keine Fotoapparate. Absolutes Fotografierverbot. 
Der Zugang zu den Gräbern ist streng reglementiert. Viele Grabkammern sind gesperrt. Unsere ägyptische Reiseführerin zeigt unserer Reisegruppe zwei Grabkammern. Eine weitere können wir optional besuchen. Wir klettern in Indiana Jones - Manier über Leitern die Felsen hoch und tief in den Fels des Gebirges hinein. Drinnen flackernde Funzen, modrige Luft aus dreitausend Jahren und die Reste der Sarkopharge.
Draußen im Wadi, wird noch immer im Wüstensand gegraben. Ob sie auf der Spur eines noch unentdeckten Grabmahles sind? 
Im Tal der Könige dürfen keine Fotos gemacht werden
Ich spreche die Reiseleiterin an. Ich will das Grab von Tutanchamun sehen. Sie zögert. Sagt, das kostet extra Eintritt. Ich sage, den zahle ich gerne. Sie sagt, im Grab sei nichts mehr zu sehen. Ich entgegne, das sei mir egal. Es ist immerhin das berühmteste Grab der Welt. Die restliche Reisegruppe verfolgt meine Diskussion, geht schließlich weiter und besichtigt ein anderes Grabmal. Wir zahlen den Eintritt für das erst 1922 von Howard Carter entdeckte Grab KV 62 und die Aufregung steigt.
Die Stufen, die hinab führen, lassen an die legendäre Geschichte der Entdeckung, der größten archäologischen Sensation bis heute, denken. 
Im Grab die Überraschung. Anders als von der Ägypterin behauptet, finden wir im Grab Spektakuläres vor: Nicht nur die wunderschönen Wandmalereien. Mehr noch. Der Steinsarkophag steht nach wie vor hier im Grab. Und darin einer der drei weltberühmten, unfassbar schönen vergoldeten Sarkophage. 
Völlig überrascht sind wir allerdings, als wir neben uns in einem Kühlkasten eine Decke entdecken, unter der zwei schwarze Beine hervorragen. Die Mumie des Pharao. 
Das Grab de Tutanchamun bleibt unsere eindrucksvollste Erinnerung aus dem Tal der Könige.
Warum wollte unsere Reiseleiterin verhindern, dass wir es uns anschauen?

Rekonstruktion des Königsgrabes
Heute weiß ich, dass jeder einzelne Besucher durch seine Anwesenheit dem Grab Schaden zufügt. Jeder Atemzug trägt dazu bei, dass die Wandbilder verblassen.
Die Antikenverwaltung handelt inzwischen und hat das berühmte Grab hochauflösend abfotografiert, um es den Besuchern virtuell zur Verfügung zu stellen und die Zahl der tatsächlichen Besucher des Grabes gering zu halten. 
Dabei ist einem dem Ägyptologen Nicholas Reeves aufgefallen, dass sich hinter den Wandmalereien weitere Durchgänge befinden könnten. (Hier ein sehr guter Artikel dazu)
Nofretete
Seitdem wird spekuliert, dass das untypisch aufgebaute und für einen Pharao viel zu kleine Grab nur die Vorkammern zum Grab der Nofretete ist.
Sollte sich dies bewahrheiten, stünde die nächste Sensation im KV62 bevor. 
Ich durfte mir damals einen Kindheitstraum erfüllen, das Grab des Tut Anch Amun zu besichtigen. Sollte ein weitere unberührtes Pharaonengrab entdeckt werden, würde es dem Land, dem Tourismus Ägyptens sicher gut tun. Noch steht es in den Sternen, ob ich meinen eigenen Kindern einmal ebenfalls das Tal der Könige zeigen kann. Und dann vielleicht auch KV63, das Grab der Nofretete.

Mittwoch, 12. August 2015

"Gefällt mir" - Wie ich im Internet für gute Beiträge bezahle, ohne Geld auszugeben

Im Internet scheint alles gratis zu sein. Ist es aber nicht.

Wie ich mit einem Klick für gute Beiträge dennoch bezahlen kann.

Heutzutage surft jeder durch das Internet, liest Zeitung, Blogs und Neuigkeiten der Freunde. Auf den ersten Blick kostenlos, worüber sich die meisten freuen. Andere, die kritischer mit dem Thema umgehen, werden sich bereits die Frage gestellt haben: Wie finanzieren sich die Journalisten, Blogger, Autoren eigentlich, wenn ich nichts bezahle? 
Und: gibt es guten Journalismus im Internet wirklich gratis?
Natürlich nicht.
Wir bezahlen mit zwei Währungen im Internet: Entweder, indem wir Werbeanzeigen beachten. Oder, indem wir mit unseren Daten bezahlen.

Daten als Bezahlung im Internet

Der "Gefällt mir" - Button von Facebook genießt heutzutage keinen guten Ruf mehr, was viel mit dem Gebaren des als Datenkraken verschrienen Facebook-Konzerns zu tun hat. Dennoch solltet Ihr den "Gefällt mir" Button benutzen, wenn Euch ein Artikel im Internet, den Ihr gratis gelesen habt, sehr gut gefallen hat. Mit diesem einen Klick bekommt der Autor nicht nur Euer Lob, sondern Ihr macht auch unter Euren Facebook-Freunden Werbung für den Artikel, was dem Autor wieder zugute kommt. 
Wollt Ihr für den Artikel sogar noch ein bisschen mehr "zahlen", tut Ihr dies, indem Ihr gleich auf "teilen" klickt. Davon hat der Autor den größten Vorteil.

Bezahlung im Internet über Werbung

Natürlich erhält der Autor des Artikels über Facebook-Klicks kein Geld. Aber er bekommt Aufmerksamkeit, die Vorstufe zur monetären Vergütung.
Wie Ihr natürlich gesehen habt, sind auf viele Internetseiten Werbeanzeigen geschaltet. Die Webseite verdient dann, wenn ein Interessent auf die Werbeanzeige klickt. Je mehr Aufmerksamkeit der Autor über die Sozialen Medien erhalten hat, desto wahrscheinlicher also, dass sich ein Leser darunter befindet, der sich für die Werbeanzeige interessiert, darauf klickt - und schon hat jemand für die Webseite tatsächliches Geld bezahlt.

Wie Ihr seht, ist im Internet nichts gratis. Ihr bezahlt entweder mit Euren Daten, die von Google, Facebook & Co. gesammelt werden. Oder Ihr bezahlt über Klicks auf die Werbeanzeigen.
Dies muss aber nicht negativ sein, weil es den Journalisten, Bloggern und Autoren die Möglichkeit bietet, für Ihre Arbeit einen meist winzigen, manchmal auch angemessenen Verdienst zu bekommen.