Sonntag, 24. März 2019

Auf der Leipziger Buchmesse. Oder: Sasa Stanisic‘ Herkunft

Im Gelobten Land mit Christine Heimannsberg
Die Leipziger Buchmesse ist für einen kleinen Autoren und Literatur-Enthusiasten wie mich wie ein einziger kurzweiliger Sturm im Wasserglas des Schlaraffenlandes. Viel zu viele Angebote und ein urgewaltiges Tosen und Brausen aus Lesungen, Messeständen und Cosplayer. Wie den einen viel zu kurzen Tag sinnvoll nutzen? Jo Lendle und Takis Würger hatte ich heuer bereits genervt, also mussten neue Opfer her. Doch wo beginnen in diesem verdammten riesigen Süßigkeitenladen der Literatur? Ich startete ganz klein. Also vom Stand her. In Halle 2 hatte sich meine Chiemgau-Autoren Kollegin Chrstine Heimannsberg eingemietet. Ihr kleiner aber feiner Stand hat mich vor Neid erblassen lassen und es war eine wahre Freude zuzuschauen, wie viele Besucher sich während meines kurzen Besuchs für ihre „Gelobtes Land“-Bücher interessierten. Ihr Merchandise ist vorbildlich, meine Kinder stürzten sich begeistert auf die HOP-Tattoos. Ja, von ihr kann ein Autor viel in Sachen Marketing lernen. Und ihre Bücher sind ohnehin eine absolute Empfehlung für Dystopie-Liebhaber.
Rocko Schamoni auf dem blauen Sofa
In der Glashalle wollte ich anschließend Rocko Schamoni sehen. Dass ich etwas zu früh dran war und stattdessen Sophie Passmann zuhörte, war ein purer Zufall. Meine Frau hat sich gleich begeistert das Buch gekauft und schimpft mich wohl bald, ich sei einer der „Alten weißen Männer“. Für den heutigen Tag hatte ich nur zwei Namen auf meiner „To Do“-Liste. Blöderweise waren beide Veranstaltungen zeitgleich. Als ich hörte, dass Sasa Stanisic bereits jetzt bei „DLF Kultur“ auftreten würde, sprintete ich eiligst die Treppe hinauf nach oben. Im Rahmen des „Bücherfrühlings“ stellte er seinen Roman „Herkunft“ vor. Schon die Vorstellung wurde für beide Moderatoren zum Disaster, da sie sich vor lauter Konzentration, die vielen „Itsch“ richtig auszusprechen, wie im schönsten aller Zungenbrecher hoffnungslos verhedderten. Was
Mein Leipzig Highlight: Sasa Stanisic
Franz Müntefering
mich mit Sasa Stanisic verbindet? Leider nichts. Wir haben nie gemailt oder geredet oder uns auch nur im entferntesten irgendwo geliked. Und trotzdem sind wir derselbe Jahrgang und ich schätze seine Bücher sehr. Ihn ein erstes Mal live zu sehen, erstaunte mich. Seine positive Energie, die er mit Betreten der Bühne nur so um sich schmiss. Dann, wie der damals blutjunge Autor seit seinem Debüt gereift und gealtert ist. Als blickte ich in ein Spiegelbild. Und schließlich, wie grandios er aus seinen Büchern vorträgt. Stehend, die Hände zu Hilfe nehmend, mit begeistert leuchtenden Augen, las er aus „Herkunft“ vor. Und, Heilige Scheiße, ich saß alleine ganz hinten im DLR Studio, die Kinder tobten durch Halle 2 und ich hätte beinahe geheult wegen diesem Dr. Heimat und wegen Stanisic‘ Geschichte und gleichzeitig wurde aus ganzem Herzen gelacht. Verdammt, ist das gut. Ich wusste, dass ich meinen Buchmessen-Moment gerade hatte und ich ohne schlechtes Gewissen aufstehen und wieder heimfahren konnte.
Aber zuvor wollte ich noch Vea Kaiser sehen. Vor ihr sprach Franz Müntefering über das Altern und er erhielt mehr Zwischenapplaus als die SPD dieser Tage Prozentpunkte erreicht. Während Vea Kaiser anschließend über Rückwärtswalzer und über die Manen erzählte, fühlte ich mich plötzlich unendlich einsam. Ich war hier, im Epizentrum der literarischen Welt. Aber ich war allein. Meine Instagram-Buddies und Autorenfreunde waren bereits am Freitag dort gewesen. Der Rest hatte keine Lust, sich
Vea Kaiser 
mit mir zu treffen. In einer Branche in der es nicht nur um gutes Schreiben, sondern auch um exzellentes Netzwerken geht, hatte ich niemanden. Im selben Moment rief jemand meinen Namen. Das war mir in meiner Messe-Historie erst einmal passiert, dass ich unter Zehntausenden Besuchern einem Bekannten über dem Weg gelaufen war: Arwed Vogel vom VS Autorenverband Bayern. Und ratet mal, wer mich diesmal gefunden hatte? Richtig: Arwed Vogel. Heute wie damals war mein kurzer Austausch mit ihm der letzte Höhepunkt und Schlusstrich meines Messebesuches. Er gab mir einen Stapel Flyer der Literarischen Sommerakademie Schrobenhausen mit. Danach verabschiedete ich mich von Vea Kaiser, von Halle 3 und von Leipzig. Und wie jedes Jahr schwor ich mir, dass ich nie wieder als Gast hierher zurückkehre. Sondern nur noch als Autor, Buchblogger oder Standbetreiber.

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