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Montag, 12. Oktober 2015

Die wunderbare Welt von Wanda


Der Wanda-Zirkus zieht weiter von Stadt zu Stadt
Seit fast einem Jahr zieht der Wanda-Zirkus durch Österreich und Deutschland und ist der derzeit unbestritten heißeste Scheiß, den der sonst so vorhersehbare Musikbusiness zu bieten hat. Mit dem zweiten Album „Bussi“ sind sie einerseits dabei, sich als Mega-Hype zu etablieren. Für die etablierten Fans andererseits ist „Bussi“ schon wieder so eine Art Hoam-coming in die Wanda-Welt. Es ist alles vertreten, was Amore zu einem life-changing Kunstwerk gemacht hat: Die falconesque Attitüde einer abgefuckten (Wiener) Welt, Bologna, Schnaps und Weinflaschen – alles mit drin, wofür man Wanda liebt. Nur der Thomas heißt jetzt irgendwie Andi und wir wissen immer noch nicht, mit wem Tante Ceccarelli in Bologna Amore gemacht hat. 
Dafür hört sich schon der titelgebende Song „Bussi Baby“ so an, als packte eine talentierte Wanda-Parodie-Band alle Klischees des ersten Albums in einen Song. Will heißen (in genau der Reihenfolge): High sein, Schnaps, Mama, Rom oder Berlin, Sterben in Wien und was Weißes. Und der Rest ist ein nicht mehr enden wollendes Bussi, Baby.
Wo Wanda drauf steht, ist auch jede Menge Schnaps drin. Darauf ist auch beim zweiten Album Verlass. Den Bierzelt-Kracher „1, 2, 3, 4“ hat man den Wienern ja schon auf den Live-Konzerten verziehen. Und wenn sie auf dem Oktoberfest nächstes Jahr tatsächlich Lieder über traurige europäische Geister grölen, muss man wohl erst recht der Band Respekt zollen. Erst ab dem zweiten Titel kriegt man eine Ahnung, was das Wanda-Universum sein könnte: Es schwingt immer etwas wienerisch Morbides mit. Der Tod zu einer Melange vermischt mit jeder Menge Alkoholika und einer Prise Inzest. So einfach ist das Geheimrezept. Das kann man jetzt bescheuert finden, oder einfach nur genial. 
Michael Marco Fitzthum alias Marco Michael Wanda und seine Jungs scheinen dieses Geheimrezept entschlüsselt haben, wie man die deutschsprachige Gitarrenschrammelmusik entstauben und völlig auf den Kopf stellen kann. 
Wie bei jedem Hype gibt es inzwischen bereits Kritiker, die die ersten Haare in der Suppe entdeckt haben, und diese vom Haupt des Frontsänger zu kommen vermuten: So wie einst der große Falco, so sind sie überzeugt, versucht sich auch Wanda im Inszenieren von Skandalen. Und so kann es kein Zufall sein, dass die hübsche junge Dame im Bussi-Video niemand anderes ist als Ronja von Rönne, das, glaubt man dem Internet, deutsche Gesicht des Antifeminismus. Ein Wink mit dem Zaunpfahl also, dass Wanda mit frauenfeindlichen Texten die Jugend verderben will. Die inzestuösen Andeutungen und die Schnapshymen aus dem ersten Album, sowie das Koks aus demselben Lied, das hätte man der Band ja noch verzeihen können. Aber diese Ronja von Rönne in einem Video mitspielen lassen – da zeigen die Wiener Machos endlich ihre hässliche Fratze.
Man kann auch zum Spaß haben in den Keller gehen. Wanda sind, was sie sind. Eine Rockband mit genialem melodiösem Retrosound, Texten, die mal mehr, mal weniger Interpretationsspielraum für Skandälchen lassen, eine braune Lederjacke und einfach unfassbar viel Amore. Weiter so. 

Mehr zu Wanda:



PS:
In der Süddeutschen erschien ein kongenial geschriebener Verriss von Wanda, in dem sich die Autorin aber irgendwie ebenfalls nicht diesem schwarzen Zauber entziehen konnte:

Wem dieser Typ aber einmal nach Feuer gefragt hat und mit Zigarette im Mundwinkel genuschelt hat: "Ich bin der Marco, übrigens", der ist dieser Band einfach verfallen. So isses einfach. 

Freitag, 1. Mai 2015

Wir warten auf Wanda in Kirchanschöring!

Um das Warten zu verkürzen, Eindrücke vom Konzert im Rockhouse Salzburg


Wanda ist die Superband dieses Jahres, nicht nur in Österreich. Was für ein Knaller, dass diese Band rechtzeitig vor dem Hype noch für das Im Grünen Festival in Kirchanschöring gebucht wurde. Noch sechs Wochen!

Bis dahin werden die Fans weiter rätseln, ob Tante Ceccarellis Tochter eventuell Lucia heißt,  und wer in Bologna alles Amore gemacht hat. Noch spannender wird sein, ob die Band, die seit Monaten nonstop auf Tour ist, seine Frische erhalten kann. Denn auch das Salzburger Konzert im Rockhouse musste wegen Krankheit abgesagt werden. Zum Nachholtermin zeigten sich Marco Michael Wanda und seine Jungs mit verschnupft exaltierter Attitüde, aber dafür werden sie ja so heiß und innig geliebt.
Auffällig war, dass es im Jahr 2015 inzwischen sogar provokativ wirkt, auf der Bühne rauchen. Vor allem, unter einem „Rauchen verboten“ Hinweissschild. Erkenntnis 2: Das Wanda-Publikum hat einen angenehm gehobenen Altersdurchschnitt. Erkennbar daran, dass während des Konzertes, anders als bei manchem Hip Hop – Act, kaum Smartphonebildschirme im schummrigen Rockhouse glimmten. Kurzzeitig sogar gar keine, so dass man sich peinlich berührt umschauen musste, wenn man selbst seinen Fotoapparat, genau, kein Handy, einen FOTOAPPARAT hob, um ein Bild zu schießen.
Erkenntnis 3: Dass Bologna live ein Kracher ist, war zu erwarten. Dass Lucia als Starter und schließlich als Zugabe noch einmal gespielt wurde, war schlau. Dass die Salzburger bei „Auseinandergehn“ am meisten abgegangen sind, überraschend.
Die paar Seitenhiebe vom Wanda-Frontmann hatte das ruhige Publikum gut weggesteckt und obwohl man ahnte, warum die ständig Vollgas gebenden Wiener das eine oder andere Konzert absagen müssen, waren sie sich nicht zu schade, danach noch lange mit den Fans zu plaudern. 
Respekt. In sechs Wochen dann in Kirchanschöring!



Mittwoch, 7. Januar 2015

Wanda, Amore, oder die Entdeckung einer Supergroup

Wie Wanda mit Tante Ceccarelli in unser Leben knallte


„Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen“ dröhnt es aus den Lautsprechern und sofort weiß man: Wow. Was für ein Lied. Was für eine neue Supergroup! Wer ist das, verdammt noch mal?
Oft passiert es nicht, dass man im Club, im Auto, im Radio einen Song hört, der einen völlig austicken lässt. Der einen zum DJ rennen lässt. Der einen im Müller Markt die Melodie vorsummen lässt. Der einen Freitag für Freitag in die Metro laufen lässt, bis man diesen einen Song endlich wiederhört. 

Das letzte Mal war dieses unfassbar neue, fantastisch melodiöse Lied, das mit einem Countdown, Kindergeschrei und der eingängigsten Synthesizermelodie aller Zeiten begann. Wie viele Leute im Club habe ich angeschrien: „Wer ist das? Wie, verdammte Scheiße, heißt dieses Lied?“ Bis jemand schulterzuckend brummte: „Kids. Von MGMG!“ „Von Ämtschibämtschi?“ „Von MGMT!“ „Ach, leck mich!“
Einige Jahre davor habe ich den DJ in einem Kellerloch auf der Reeperbahn so lange genervt, bis er mir „Favourite mistake“ von The Bravery verriet. Damals hatten gerade Franz Ferdinand, Muse und die Killers Placebo, Sublime und Pearl Jam als Supergroups abgelöst und jeder neue Song in diesem knallenden Sound ließ den Zuhörer aus der Haut flippen. In den Kleinstadtrebellen kann man diese legendäre Nacht nachlesen.
Jetzt also diese irren Typen aus Wien, die eine Attitüde wie Falco haben und alles richtig machen, was Heinz aus Wien nach ihren Anfangskrachern nicht mehr auf die Reihe gebracht haben.
„Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht!“ Was für ein Kracher! Keine Ahnung, was der Text bedeutet, aber wie die Rockstars aus Wien das vortragen, das ist sowas von phänomenal, dass man Gott wieder dankt, dass er FM4 bis nach Bayern ausstrahlen lässt.
Einen Tick lang war ich sogar sicher, dass Tante Ceccarelli in Bologna Amore mit dem eigenen Vater gemacht hat, was einen Sinn ergäbe, warum man quasi nicht mit seiner Cousine schlafen kann, aber das wäre der Genialität dieser Band dann doch einen Schuss zu viel Vorschusslorbeeren. Oder?


http://www.im-gruenen-festival.de/
Wer diese im besten Sinne größenwahnsinnige Supergroup demnächst in der Gegend live sehen will: Dem Im Grünen Team ist es gelungen, Wanda am 13.6.15 Kirchanschöring zu holen! Heiliger Scheißdreck, wird das geil werden!