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Freitag, 1. Mai 2015

Wir warten auf Wanda in Kirchanschöring!

Um das Warten zu verkürzen, Eindrücke vom Konzert im Rockhouse Salzburg


Wanda ist die Superband dieses Jahres, nicht nur in Österreich. Was für ein Knaller, dass diese Band rechtzeitig vor dem Hype noch für das Im Grünen Festival in Kirchanschöring gebucht wurde. Noch sechs Wochen!

Bis dahin werden die Fans weiter rätseln, ob Tante Ceccarellis Tochter eventuell Lucia heißt,  und wer in Bologna alles Amore gemacht hat. Noch spannender wird sein, ob die Band, die seit Monaten nonstop auf Tour ist, seine Frische erhalten kann. Denn auch das Salzburger Konzert im Rockhouse musste wegen Krankheit abgesagt werden. Zum Nachholtermin zeigten sich Marco Michael Wanda und seine Jungs mit verschnupft exaltierter Attitüde, aber dafür werden sie ja so heiß und innig geliebt.
Auffällig war, dass es im Jahr 2015 inzwischen sogar provokativ wirkt, auf der Bühne rauchen. Vor allem, unter einem „Rauchen verboten“ Hinweissschild. Erkenntnis 2: Das Wanda-Publikum hat einen angenehm gehobenen Altersdurchschnitt. Erkennbar daran, dass während des Konzertes, anders als bei manchem Hip Hop – Act, kaum Smartphonebildschirme im schummrigen Rockhouse glimmten. Kurzzeitig sogar gar keine, so dass man sich peinlich berührt umschauen musste, wenn man selbst seinen Fotoapparat, genau, kein Handy, einen FOTOAPPARAT hob, um ein Bild zu schießen.
Erkenntnis 3: Dass Bologna live ein Kracher ist, war zu erwarten. Dass Lucia als Starter und schließlich als Zugabe noch einmal gespielt wurde, war schlau. Dass die Salzburger bei „Auseinandergehn“ am meisten abgegangen sind, überraschend.
Die paar Seitenhiebe vom Wanda-Frontmann hatte das ruhige Publikum gut weggesteckt und obwohl man ahnte, warum die ständig Vollgas gebenden Wiener das eine oder andere Konzert absagen müssen, waren sie sich nicht zu schade, danach noch lange mit den Fans zu plaudern. 
Respekt. In sechs Wochen dann in Kirchanschöring!



Mittwoch, 7. Januar 2015

Wanda, Amore, oder die Entdeckung einer Supergroup

Wie Wanda mit Tante Ceccarelli in unser Leben knallte


„Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen“ dröhnt es aus den Lautsprechern und sofort weiß man: Wow. Was für ein Lied. Was für eine neue Supergroup! Wer ist das, verdammt noch mal?
Oft passiert es nicht, dass man im Club, im Auto, im Radio einen Song hört, der einen völlig austicken lässt. Der einen zum DJ rennen lässt. Der einen im Müller Markt die Melodie vorsummen lässt. Der einen Freitag für Freitag in die Metro laufen lässt, bis man diesen einen Song endlich wiederhört. 

Das letzte Mal war dieses unfassbar neue, fantastisch melodiöse Lied, das mit einem Countdown, Kindergeschrei und der eingängigsten Synthesizermelodie aller Zeiten begann. Wie viele Leute im Club habe ich angeschrien: „Wer ist das? Wie, verdammte Scheiße, heißt dieses Lied?“ Bis jemand schulterzuckend brummte: „Kids. Von MGMG!“ „Von Ämtschibämtschi?“ „Von MGMT!“ „Ach, leck mich!“
Einige Jahre davor habe ich den DJ in einem Kellerloch auf der Reeperbahn so lange genervt, bis er mir „Favourite mistake“ von The Bravery verriet. Damals hatten gerade Franz Ferdinand, Muse und die Killers Placebo, Sublime und Pearl Jam als Supergroups abgelöst und jeder neue Song in diesem knallenden Sound ließ den Zuhörer aus der Haut flippen. In den Kleinstadtrebellen kann man diese legendäre Nacht nachlesen.
Jetzt also diese irren Typen aus Wien, die eine Attitüde wie Falco haben und alles richtig machen, was Heinz aus Wien nach ihren Anfangskrachern nicht mehr auf die Reihe gebracht haben.
„Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht!“ Was für ein Kracher! Keine Ahnung, was der Text bedeutet, aber wie die Rockstars aus Wien das vortragen, das ist sowas von phänomenal, dass man Gott wieder dankt, dass er FM4 bis nach Bayern ausstrahlen lässt.
Einen Tick lang war ich sogar sicher, dass Tante Ceccarelli in Bologna Amore mit dem eigenen Vater gemacht hat, was einen Sinn ergäbe, warum man quasi nicht mit seiner Cousine schlafen kann, aber das wäre der Genialität dieser Band dann doch einen Schuss zu viel Vorschusslorbeeren. Oder?


http://www.im-gruenen-festival.de/
Wer diese im besten Sinne größenwahnsinnige Supergroup demnächst in der Gegend live sehen will: Dem Im Grünen Team ist es gelungen, Wanda am 13.6.15 Kirchanschöring zu holen! Heiliger Scheißdreck, wird das geil werden!

Sonntag, 7. Dezember 2014

Die Anfänge des Im Grünen Festivals Kirchanschöring

Wie das Festival "Im Grünen" in Kirchanschöring entstand


Die Plakate zur Premiere 2005
Das Im Grünen Festival in Kirchanschöring ist heute eines der größten von jungen Idealisten organisierten Festivals in Südostbayern. Einmal im Jahr fallen tausende Festivalgäste in das kleine Dorf ein und stellen das Dorfleben der Gemeinde völlig auf den Kopf. La Brass Banda spielte hier eines der ersten Konzerte und blieb lange eng mit dem Im Grünen Team verbunden. FM4 Größen von Petsch Moser über Russkaja bis hin zu den Sternen, sie haben alle in Kirchanschöring gespielt. Was heute ein routiniert durchorganisiertes Festival ist, begann als Projekt einer Jugendgruppe. Ein nostalgischer Blick zurück:


Alles begann mit dem "Carei"



Vor dem Carei war die (Kirch)Anschöringer Jugend wie im Rest von Bayern in der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) organisiert. Allerdings gab es in Anschöring noch immer jede Menge völlig unorganisierter Jugendlicher, die sich weigerten, sich organisieren zu lassen und höchstens Teil einer Jugendbewegung sein wollten. Da diese Jungs und Mädchen die meiste Zeit vorm Schulgebäude chillten, wovon der Gemeinderat nicht restlos begeistert war, stellte man ihnen einen Jugendpfleger zur Verfügung. Dieser Jugendpfleger war Günter Wimmer. Der war Im Chiemgau und Umgebung als Fußballer und als Musiker mit seinen Bands "Die Springer" und der " Guten A-Band" bekannt und der wilde Haufen ließ sich ausnahmsweise halbwegs doch noch organisieren.

Der Gruppe wurde ein leer stehendes Gebäude in Kirchanschöring zur Verfügung gestellt, in dem sie sich regelmäßig treffen konnten: Das baufällige Caritas - Haus. 
Alle, die im Caritas - Haus aus und ein gingen, gehörten fortan zum "Carei".

Das Festival Im Grünen

Das südöstliche Oberbayern war schon immer eine Hochburg, was Maschinenhüttlfestl mit Rüscherl und Bryan Adams anging. So mancher Bauer, der in seiner Scheune einen der Landdiscothek DJs auflegen ließ, lockte tausende aus der Landjugend an wie die Motten das Licht. Aber statt Bon Jovi und Scooter stand das Carei auf Tocotronic und Franz Ferdinand. Und das Carei wurden immer mehr. Also stellten sie kurzerhand eine "Alternative Party" auf die Beine und punkteten auf den Plakaten mit dem Versprechen: "Garantiert ohne Spitz Audio!" 
Die ersten Schritte in Richtung Organisation von Großveranstaltungen war getan. Wenn man eine Party veranstalten kann, warum nicht gleich ein Festival? Dachte man sich und innerhalb von sechs Wochen stampfte man im Jahr 2005 ein kleines, aber feines Festival im Anschöringer Achenpark aus dem Boden.
Die Idee zum Festivalnamen hatte der Legende nach der Maggei vom Im Grünen Team beim Dorfwirt, dem Felber. Ein Geistesblitz, da kein anderer Name das Festival besser hätte beschreiben können.
Ab dem ersten Jahr wird das Festival allein vom Jugendtreff, also von damals 15, 16 jährigen Jungs und Mädels organisiert. Zurückgreifen können sie auf das Know How von Jugendpfleger Günter Wimmer, der sich später selbst mit einer Event Agentur selbständig macht. Fast zehn Jahre später sind die meisten vom Gründungsteam noch mit dabei. Sie sind mit dem Festival erwachsen geworden. Unterstützt werden sie ihrerseits von den kirchanschöringer Jugendlichen.
Erster Headliner war 2005 Bradleys H
Bekannt wird das Festival, auch unter den Bands, aufgrund seiner einmaligen Atmosphäre.
Es geht locker und lässig zu. Die Organisatoren sind meist Teenager, dennoch funktionierte die Organisation stets reibungslos. Legendär sind heute die Geschichten, dass die Bands von den Kilians bis zum Keller Steff „backstage“ bei Yvos Oma in der Stube sitzen und für sie Gitarre spielen. Oder wie sich Petsch Moser weigern, ins Hotel gebracht zu werden und stattdessen beim Aufräumen mithelfen. 
2005 kommen bereits 1100 Besucher. Headliner ist mit Bradleys H eine lokale Band. Drei Jahre später wird bereits die 3000er Marke geknackt und das Team beschließt, die Gästezahl zu begrenzen, um das Dorf nicht zu überfordern. Man setzt auf Qualität statt auf Quantität. Bald wird das zehnjährige Jubiläum gefeiert. Man darf gespannt sein, welche Bands diesmal nach Kirchanschöring gelockt werden.

Mehr über Anschöringer Popkultur gibts auf www.chiemgauseiten.de
Mehr Anschöringer Geschichten hier: https://www.chiemgauseiten.de/anschoeringer-geschichten/