Mittwoch, 29. Oktober 2014

Warum Kirchanschöring ein ganz besonderes Dorf ist

Nicht erst seit heute befasse ich mit dem Thema, welche Bedeutung Kirchanschöring, neben dem, meine Heimat zu sein, für mich hat. Folgenden Aufsatz habe ich vor exakt 14 Jahren, als ich gerade in Prien lebte, geschrieben. Ob sich seit dahin viel verändert hat?


Warum ist eigentlich Kirchanschöring ein ganz besonderes Dorf?



An einem Samstagvormittag spazierte ich zum Bäcker, zum „Hiasn“. Dort standen an der Kasse mehrere Leute um eine Ausgabe der überregionalen Münchner Zeitung „tz“ herum. Auf Seite vier dieser bayerischen Version der Bild - Zeitung stand ein fast ganzseitiger Artikel mit der Überschrift „Der Bomber von Kirchanschöring.“ Daneben grinste den Leser ein altbekanntes Gesicht entgegen: Günter Wimmer.

Eigentlich kommt der Wimmer Günter ja aus Petting, jenen Ort zu dessen Gemeinde auch dieses legendäre Schönram gehört. Doch seit einigen Jahren ist der Günter ein Wahl - Kirchanschöringer mit Herz und Seele. 

Der Artikel dreht sich vor allem um Günters fußballerisches Können, da er laut einer Internet Statistik der erfolgreichste Stürmer von ganz Bayern sei. Doch zwischen den Zeilen dieses Berichts liest man vor allem eines heraus: Kirchanschöring ist etwas ganz besonderes. Der Verfasser beschreibt das Dorf als ein verschlafenes Kuhkaff, in dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, die Einwohner in Bauernhäuser leben und weder Heizung noch Türklingeln haben. Die Einwohner tragen Adiletten und Trainingsanzüge und ansonsten geht es hier urgemütlich zu. Ein Zufall, dass ausgerechnet in diesem Ort der erfolgreichste Torjäger Bayerns wohnt? Und dieser Superstürmer sagt dann auch noch ganz beiläufig: „Eigentlich spiele ich ja nur zum Spaß Fußball.“ Weil er eigentlich Musiker ist und als Sänger / Bassist der Band „Die Springer“ deutschlandweit noch bekannter ist als der Fußballstar Wimmer. Und dieses Alroundtalent, das sowohl als Musiker einen Plattenvertrag in der Tasche hat und zwischen Wien und Hamburg hin und her jettet, als auch als Fußballer Angebote bis hinauf von den Sechzigern bekommen hat, sagt ganz locker und kühl: „In einer Dorfgemeinschaft ist es viel lustiger“ Was ist also dran an diesem Dorf? Ist Günter Wimmers Entscheidung, „ja“ zu Anschöring und „nein“ zu München zu sagen ein Einzelfall? 
Nein, ganz und gar nicht. Ein Kirchanschöringer Fußballer hat bereits vor zwanzig Jahren Kirchanschöring über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht: Der Dürnberger Bernhard, wie ihn im Dorf alle nennen, oder der „Bernd Dürnberger“; wie er im Kicker, in der Bild - Zeitung und der Sportschau bekannt war. Der spielte nämlich just in der Zeit für den FC Bayern als der seine größten Tage hatte. Fünf Mal deutscher Meister wurde er, zwei Mal Pokalsieger, gewann drei Mal den Europacup der Landesmeister und sogar den Weltpokal. Dabei kehrte er zu keiner Sekunde seiner Heimat Anschöring den Rücken zu. Zahlreiche Geschichten gibt es, wie der Star nach einem Fußballspiel beispielsweise mit einem angetrunkenen Anschöringer die Autobahn Richtung Heimat düste, die Mitfahrer sahen schon die Schlagzeile in der Bild - Zeitung, falls sie einen Unfall gebaut hätten. Oder die durchzechten Nächte in Eberding mit dem Fußballstar, der sich am nächsten Tag im Training möglichst weit weg vom Trainer halten musste, damit der seine Bierfahne nicht riechen konnte.
Kirchanschöring war schon damals in aller Munde. Was auch daran lieg, dass das kleine Dorf damals in der Landesliga Fußball spielte. „Der Schreck vom Lande“, so wurde der SVK damals in der tz tituliert. Zweitausend Zuschauer waren am Sportplatz, als die Kicker gegen Teams wie Ingolstadt und den FC Augsburg spielten. Genau so viele wie Kirchanschöring damals Einwohner hatte. Zwei Mal gastierte der FC Bayern beim SVK. Kirchanschöring ist seit nunmehr dreißig Jahren eine Fußballhochburg im Landkreis.
Nun gut, dann handelt es sich bei Anschöring also um ein reines Fußballerdorf, oder? Stimmt auch nicht. Zu den sportlichen Größen, die über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt sind, zählen Namen wie Andrea Kühn, Tom Obermayer oder Matthias Reitschuh. Die eine gehört zu den Top Skifahrerinnen im Land, der andere war bayerischer Meister im Badminton, der dritte im Laufen. Alle drei leben in Anschöring.
Nun gut, reduzieren wir Kirchanschöring also auf ein Dorf aus fanatischen Sportlern.
Fast richtig. Würde da nicht ein landesweit bekannter Bildhauer namens Georg Winkler leben. Nicht zu vergessen der große Visionär der Leinwand, Joseph A. Huschka, dessen Bilder gleichwohl wie sein Auftreten überregionale Schlagzeilen gemacht hat. Und selbst eine der ganz großen wie umstrittenen Schriftstellerinnen, Luise Rinser, hat die entscheidenden Jahre Ende des zweiten Weltkriegs in Kirchanschöring, besser gesagt in Voglaich verbracht. Einige ihrer Werke handeln sogar über das Leben in Anschöring. Allerdings kommen die Anschöringer darin nicht so gut weg wie in diesem Artikel.
Aber sonst hat das Dorf nichts besonderes mehr zu bieten, oder?
Nun ja, wenn man die Firma Meindl mal außer Acht lässt. Die ist nämlich bekannt für Trachten in höchster Qualität. Von der Fußballmannschaft des TSV 1860 München über David Hasselhoff, Thomas Gottschalk bis hin zu Arnold Schwarzenegger wurden sie alle mal vom Meindl ausgestattet. Was hat es doch damals für einen Auflauf im Dorf gegeben, als der „Terminator“ Schwarzenegger Kirchanschöring besuchte...
Schlagzeilen gemacht hat ein Kirchanschöringer vor Jahren in der Abendzeitung. „Beim Liebesspiel im Waginger See versunken“
lautete die Schlagzeile damals. Ein nicht näher genannter Anschöringer war damals mit seinem Auto irgendwie vom Pano Parkplatz in den Waginger See gerollt...
Vermutlich gibt es noch zahlreiche andere Anekdoten rund um Anschöring, die zeigen, warum es ein außergewöhnliches Dorf ist. Nirgendwo sonst gibt es so lustige und verrückte Menschen. Egal ob es die „Lackner Buam“ sind, die mit Perücken bekleidet in der Bravo Girl abgedruckt werden, oder der „U - Stammtisch“, der am liebsten im Saaldofer Dorfbrunnen zum Baden geht usw. Kirchanschöring ist einfach etwas ganz Besonderes.

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