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Sonntag, 20. Januar 2019

10 year challenge - Der Jung-Autor B. Straßer

Rückblick auf einen jungen Autor in Traunstein


Die 10 year challenge geht natürlich auch mir total auf den Sack. Warum ich trotzdem mal in meine Archive rein geschaut habe liegt wohl am hoffnungslosen Narzismus und meiner Nostalgiesucht: Wer war ich vor zehn Jahren?
Natürlich war ich damals auch schon ein Autor. Aber ein ganz anderer: Der junge indepentent-Schriftsteller, der die etablierte Kultur der bornierten Kleinstadt anpissen wollte und dachte, seine Bücher seien Groß-Werke eines supertalentierten verkannten Genies.
Hier mein Lebenslauf von damals:

Bernhard Straßer
Geboren in Traunstein wächst er in Kirchanschöring auf. Schulbesuch am Rottmayr Gymnasium Laufen wird nach der 11. Klasse abgebrochen. Es folgt ein einjähriger USA Aufenthalt in Spokane, WA. Anschließend Fachabitur an der FOS in Traunstein. Insgesamt 12 Monate Tätigkeit als Produktionshilfe werden vom Zivildienst an der Jugendherberge Prien unterbrochen. Anschließend drei Jahre Student an der Fachhochschule für Arbeitsverwaltung in Mannheim. Nach erfolgreichem Abschluss als Diplom Verwaltungswirt Umzug nach Rosenheim. Seit 2005 Arbeitsvermittler in Traunstein.
Schreiben:
Mit 16 entdeckt er die Kunst des Schreibens als Ausdrucksform. Erste Experimente mit Kurzgeschichten und Sportberichten. Später freier Mitarbeiter bei den Lokalzeitungen. Später folgen einzelne Gedichte, schreibt weiter vorwiegend Kurzgeschichten. Zuletzt erschienen: „La Bohéme“, „Die Verführung der Bathseba“.

Die aktuellen "Werke":




Dienstag, 19. April 2016

Alle meine Preisträger

Wie ich durch Zufall einigen ausgezeichneten Schriftstellern über den Weg gestolpert bin



Geht jetzt das gnadenlose Namedropping schon wieder los? Natürlich! Auch in diesem
Damals noch auf myspace!
Artikel werde ich mich wieder aufplustern wie ein Rohrspatz, denn Klöppeln gehört zum Handwerk. Und mit 26 hatte ich davon immer noch keinen blanken Schimmer. Schlimmer: Ich war einer jener bescheidenen Autoren die bemüht waren, tolle Geschichten zu schreiben, auch mutig genug, sie zu veröffentlichen, aber zu scheu, sie anzupreisen, zu unsicher, ob die Schreibe schon was taugt. Nichts wünschte ich mir mehr, als einen „echten“ Schriftsteller kennenzulernen. Einen Mentor, der mich bei der Hand nahm, allen erzählte: Dieser junge Mann ist gut! Fördert ihn! Druckt ihn! Aber nix.
Ursula Krechel in Schrobenhausen
Nichts schien schwerer, als in einen Literaturkreis aufgenommen zu werden. Tatsächlich war ich allerdings blind. Armin Konnert, wir waren immerhin in dieselbe Schule gegangen und hatten gemeinsame Freunde, gewann wie aus dem Nichts den FM4 Wortlaut Wettbewerb. Und statt ihm überschwänglich zu gratulieren und ein Netzwerk aufzubauen, war ich beleidigt, dass mir niemand erzählt hatte, dass er schreibt. Schließlich war doch ich der einzige Schriftsteller weit und breit. Stefan Dettl und Florian Kreier, ebenfalls nie weit weg von mir, hatte ich ebenso wenig als Schreiber bzw. Songwriter auf dem Schirm. Erst Jahre später war es ein Zufall, (Autoren brauchen manchmal Zufälle) der mich in einen Haufen gestandener Schriftsteller stolpern ließ. In Schrobenhausen, wo ich seit Jahren regelmäßig flanierte, wurde eine Literaturwerkstatt angeboten. Ursula Krechel, meine Dozentin, gewann einige Jahre später den Deutschen Buchpreis. Dort lernte ich einen weiteren Autor kennen, der sogar im Nachbardorf am Chiemsee lebte: Norbert Niemann hatte den Ingeborg-Bachmann-Preis und einige andere Auszeichnungen gewonnen und steckte mich mit seiner Leidenschaft für die große Literatur an. Am meisten gefiel mir aber, dass er auch nach einigen Bier noch
Matthias Tonon beim Text & Ton
wundervoll hochtrabend diskutieren konnte und irgendwie seinen inneren Jugendrebell nie verloren hatte. Dann ging alles ganz schnell. In Traunstein trafen sich die Chiemgau-Autoren und ein junger Herr namens Matthias Tonon, der gerade die Puls
-Lesereihe gewonnen hatte, tauchte unverhofft auf. Ein junger talentierter Autor aus Traunstein. Danach hatte ich über zehn gesucht. Erst dieses Jahr war schließlich Matthias‘ Lesereihen Gewinner-Nachfolger, der Regensburger Jung-Autor Fabian Bader (Hier sein Blog) in Traunstein zu Gast. Er spendierte mir einen Schnaps und seine Gin-inspirierte, quasi ginspirierte Popliteratur erinnerte mich daran, was eigentlich ich mit Mitte zwanzig einmal machen wollte. Damals fehlte mir das Netzwerk. Und heute? Heute fehlt mir die Jugend. Oder?

Dienstag, 12. April 2016

Wie alles begann

Oder: Ab wann ist man ein Schriftsteller?

Ist man Schriftsteller, wenn man auf der Bühne steht...?
Viele Autorenkollegen beginnen ihren Werdegang mit „Schon in der Grundschule schrieb ich meine erste Geschichte...“ Natürlich. Aber kann man den Erlebnisaufsatz aus der dritten Klasse schon als literarisches Werk einstufen?
Ab wann ist man eigentlich ein Schriftsteller? Ab den ersten Schreibversuchen? Dem Abschluss des ersten Buches? Oder erst dann, wenn man verlegt wird? 
Ist man etwa bereits ein Schriftsteller, wenn man es „in sich hat“? Oder Literatur studiert? John Irving hat mit seinem Garp
...oder auf der Titelseite...?
beispielsweise eine Figur ersonnen, die sich früh als Schriftsteller bezeichnete, ohne auch nur eine Zeile geschrieben zu haben
Und mit diesem ersten Roman, der meine gesamte damalige Welt auf den Kopf stellte, nannte ich mich auch Schriftsteller. Da war ich zwanzig. Ist irgendein Text, der damals in meinem Kopf herumspukte heute veröffentlichungswürdig? Um Gottes Willen!
Der junge Mann, den ich heute als Schriftsteller bezeichnen würde, der wurde ich erst zehn Jahre später. Und vielleicht wird mein heutiges Ich erst in zehn Jahren jemand sein, den man mit Fug und Recht als Schriftsteller bezeichnen kann. Oder vielleicht auch nie.
...oder mit coolen Kollegen auf dem
Plakat?
Das Gefühl, Schriftsteller zu sein. Wie Alles begann: 2009 stand ich ein erstes Mal auf einer Bühne. Im Publikum die 150 Autoren und Gäste der Schrobenhausener Literaturwerkstatt. Darunter Norbert Niemann und meine Dozentin Ursula Krechel. Sie hatte aus mir innerhalb weniger Tage die Erzählung "Paartanz" herausgekitzelt, die ich noch heute als einen starken Text gelten lasse. Im illuminierten Park des Schrobenhausener Pflegschlosses las ich in dieser Augustnacht ein erstes Mal öffentlich einen Prosatext. Ich stolperte danach betrunken durch die Stadt, anstatt mit den preisgekrönten Autoren zu fachsimpeln, aber verdammt, es fühlte sich nach Schriftsteller an!
Ein Jahr später stellte ich mich für das alternative Kunstfestival "Jung und Willig" auf die Bühne, diesmal mit Lyrik und in der Festung Traunstein. Ein Experiment. Einige Skinheads skandierten „Aufhören!“ Ich war stolz. Aber wieder weit weg davon, ein Schriftsteller zu sein. 
Eine zweite Teilnahme in Schrobenhausen brachte mich ebenso wenig weiter wie das „Lesen Lassen“ im Literaturhaus Salzburg. Ich wurde Zweiter, aber es fühlt sich nicht nach Schriftsteller an. 
Im Seniorenheim Aschau
Ab Herbst 2011 organisierte Michael Inneberger für die Chiemgau Autoren Lesungen im Seniorenheim Aschau. Etwas begann zu brodeln. Ich war drei Mal dabei, verdiente ein erstes Mal richtig gutes Geld als Autor und das bunte Ambiente war ein idealer Ort, um Erfahrung als Vorleser zu sammeln. Ich probiere alles aus. Die Pfalzreise. Die Kurzgeschichten. Sogar die Kleinstadtrebellen. Es sind Zuhörer unter 90 Jahren dabei. Es gibt Diskussionen und Fragen an den Autor. Es gibt einen Scheck vom Veranstalter. Fühlt es sich so an, Schriftsteller zu sein?
Der erste große Auftritt in Traunstein
Auf einmal ging es ganz schnell: Christa Fuchs lud mich ein, im Studio 16 zu lesen. Im Publikum saß eine Germanistin die mir anbot, die Kleinstadtrebellen zu lektorieren. Innerhalb weniger Monate wurde der Roman druckreif. Im selben Jahr hielt ich mein erstes Buch in der Hand. Es folgten Lesungen quer durch den Landkreis. Der erste Auftritt bei den Kulturtagen. Die Rückkehr nach Schrobenhausen, dorthin wo alles begann.

Diese Woche werden die Kleinstadtrebellen ein erstes Mal von einer Schulklasse gelesen. Die Reise ist noch nicht vorbei. Fühlt es sich nun nach Schriftsteller an? Zugegeben, ein bisschen!

Mehr zu lesen gibt es auf www.bernhardstrasser.de
Noch mehr Fotos hier: Impressionen

Freitag, 4. März 2016

Auf der Suche nach den anderen Autoren in der Stadt

Wie finde ich die Schriftsteller der Region?

Der Schriftsteller schreibt für sich allein, aber irgendwann möchte man sich dann doch mit anderen austauschen. 
Wie oft habe ich "Schriftsteller Traunstein" oder "Autoren Kirchanschöring" gegoogelt und nie zufriedenstellende Ergebnisse erhalten. Weder dieser Thomas Bernhard, noch diese Luise Rinser, damals ganz oben auf den Trefferlisten, ließen sich zwecks eines ungezwungenen Treffens kontaktieren. Klar, sie waren ja bereits tot. 
Es schien, als gäbe es im Chiemgau außer mir keine ambitionierten Autoren. Oder sie ließen sich einfach nicht finden.
Heute ist das anders. Ein junger Autor, der Anschluss an die Literaturszene in unserer schönen bayerischen Provinz sucht, muss nicht mehr nach München fahren, um dort das Glockenbachviertel zu durchsuchen. 
Inzwischen habe ich so viele Keywords quer durch das Internet gestreut, dass auch der ungeschickteste googelnde Schriftsteller aus dem Landkreis Traunstein früher oder später über die Chiemgau Autoren oder meine eigene Webseite stolpern muss. Überall im Internet streue ich Brotkrumen, damit junge Autoren aus Traunstein, Kirchanschöring und dem Chiemgau eine Anlaufstation finden, um sich mit anderen Schriftstellern zu vernetzen.
Das Netzwerk der Chiemgau Autoren beispielsweise trifft sich monatlich, bietet einen Austausch unter Schriftstellern und fördert junge Autoren. So ist auch die junge Literaturzeitung "Lizzy" entstanden, längst legendär, ein Who is Who der Chiemgauer Kulturszene. Die damals noch unbekannten Ralf Enzensberger oder Flo "Tonradoo" Falkenberg sind inzwischen fester Bestandteil der Chiemgauer Theater- und Musikszene. Matthias Tonon war vorher schon von Preisen überschüttet und bekam noch im selben Jahr den Traunsteiner Kulturpreis zugesprochen.
Sicher, der klassische Weg führt auch heute von Grassau über Hildesheim nach Berlin. Einem Nachwuchs-Autor, der es zu etwas bringen will, bleibt auch heute nichts anderes übrig, als Verlagsmenschen die Hände zu schütteln, Lektoren um den Hals zu fallen, oder auf die Buchmesse zu fahren. Aber zuvor ist es inzwischen auch in Traunstein möglich, seine literarischen Hörner abzustoßen, seinen Text vor erfahrenen Autoren zu lesen, sich kritisieren zu lassen und Tipps zu bekommen, was die nächsten Schritte Richtung Autorenkarriere sind.

Mehr hier: