Über Ohrfeigen, Lit-It-Girls und Literaturrabauken
Endlich auf der Buchmesse und was bietet Leipzig? Tausende Teenies in Manga- und Superheldenkostümen statt Denis Scheck mit Hornbrille. Aber doch, wir waren richtig. Buchmesse Leipzig ist wortwörtlich eine Mischung aus Comic-Convention und Literaturfest.
Das Landei in Leipzig hat sich letztendlich nach nur zwei Stunden Lärm, riesiger Glaspaläste und Hunderten Avengers, Engel, Jedirittern und Spidermen rasch akklimatisiert und sitzt schließlich vor der 3-Sat Bühne
Im Auerhaus
Abbas Khider verteilt Ohrfeigen
Während wir auf Glavinic warten, liest Abbas Khider aus seiner "Ohrfeige". Obwohl es darum geht, dass eine unserer potentiellen Kolleginnen vom BAMF von einem Flüchtling geknebelt wird, damit der Iraker ihr endlich seine Geschichte erzählen kann, lachen wir herzlich. Etwas Unvorhergesehenes geschieht: Abbas Khider strahlt eine beinahe zu greifende charismatische Aura aus. Er hat die gut 150 Zuhörer sofort fest im Griff. Jede Geste untermauert seine Worte, Worte einer fremden Sprache nach denen er oft ringen muss. Nach dem einen und anderen Seitenhieb auf die Bild-Zeitung, auf das Land Bayern und die dortige Polizei und wieder und wieder gibt es viel Szenenapplaus. Schließlich erzählt er seine Fluchtgeschichte, seine Behördenodyssee und es wird ganz still. Gänsehautstimmung in Sachsen. Wären doch 24 Prozent des Landes dort gewesen und hätten sich seine Geschichte angehört.
Der Glavinic Komplex
Wer hat Angst vorm Glavinic?
Schnell weiter zum Aufbau-Stand. Dort wartet tatsächlich Ronja von Rönne, einer der Stars der diesjährigen Buchmesse, auf ihre Fanboys. Da außer mir gerade keiner da ist, hat sie tatsächlich Zeit für einen Ratsch. Wir erzählen ihr vom Glavinic und sie lacht, dass erst kürzlich ein Foto von ihr mit ihm aufgetaucht sei, dabei habe sie ihn nie getroffen. Sie will unbedingt den Jonas Komplex lesen. „Aber vor ihm hab ich Angst“ sagt sie grinsend. „Zu recht“, wissen wir inzwischen. Übrigens hat ich den Begriff „Lit-Girl“ erfunden. Auch wenn sie „Lit-It-Girl“ lustiger fand…
Ihr Romandebüt „Wir kommen“ wird derzeit ebenso kontrovers diskutiert wie ihre Feuilleton-Artikel. Aber ich bleibe dabei, es ist ein wunderbares Buch. Sie wird später von Tobi Schlegl interviewed und erzählt recht offen vom turbulenten letzten Jahr, von Shitstorms und Morddrohungen. Von Panikattacken, die sie mit in den Roman eingebaut hat. Was sie nicht erzählt, sind die kleinen Anekdoten von ihrem alten Zuhause, vom Chiemgau und vom Traunsteiner Kaufland, die sie zuvor schmunzelnd erzählt hat und die hier nicht ausgebreitet werden.
Der heimliche Star der Buchmesse: Ronja von Rönnes' Steuerberater
Ach ja, einen Buchvertrag hab ich wieder keinen bekommen. Dazu hätte ich mich nach Mitternacht auf den Partys blicken lassen und jede Menge Schnaps trinken müssen. Aber immerhin hab ich die Freundin von der Chefin vom Schöffling Verlag kennengelernt in deren Wohnzimmer „Mein Jahr ohne Udo Jürgens“ geschrieben wurde. Und den Jürgen Eglseer vom Amrun Verlag. Und ungefähr zehn Black Widow-Scarlett Johannsons…