Freitag, 9. März 2018

Der Osterwolf - Tradition und Brauchtum in Traunstein

Jährlich zum Ostermontag findet einer von Bayerns berühmtesten
Osterwolf-Ritten in Ettendorf statt
Der Osterwolf und die jährlichen Feiern zum Osterwolf haben auch im Chiemgau eine jahrhundertealte Tradition. Beim Treffen der Chiemgaublogger wurde an die tiefe Verwurzelung der Traunsteiner Bevölkerung mit der Legende des Osterwolfs erinnert. Referent und Heimatforscher Bernd Götterpflug-Dehler skizzierte humorvoll und informativ die Osterwolf-Traditionen im Chiemgau der letzten beiden Jahrtausende.
Am bekanntesten ist natürlich die Legende, dass im Jahre '39 am Ostersonntag den im Hufschlager Forst spielenden Brüdern Joseph und Georg Ratzinger der Osterwolf erschienen sei. Die beiden Kindern zeigten keinerlei Furcht vor dem Wolf und der Legende nach wertete der ältere der beiden Brüder die Begegnung mit dem Osterwolf als Omen,
Naturschutzbund, Süßwarenindustrie und Tourismusverband
nutzen den Osterwolf-Glauben für ihre Zwecke
dass es seine Bestimmung sei, eines Tages Papst zu sein. Auch die zweite Weissagung, dass er als späterer Papst sein Amt niederlegen würde, an dem Tag an dem er dem Osterwolf ein zweites Mal begegnete, hat sich, wie man heute weiß, bewahrheitet: Kurz vor Zelebrieren seiner letzten Ostermesse begegnete der Papst beim Spaziergang in den vatikanischen Gärten einem Wolf.

Die Osterwolf-Verehrung hat in Traunstein eine jahrhundertelange Tradition. Jährlich zum Ostermontag wird der Osterwolf-Ritt gefeiert bei dem hunderte Reiter zu Ehren des Osterwolfes zum Ettendorfer Kircherl reiten, wo sie den Osterwolf-Segen empfangen. Bereits aus keltischer Zeit konnte dort oben auf dem Ettendorfer Hügel eine kultische Wolfs-Verehrung nachgewiesen werden.

Auch wenn in heutiger Zeit die Osterwolfs-Verehrung den Ruf hat, sie sei eine reine Image-Kampagne der Naturschutz-Lobby, die dem Wolf ein besseres Image verschaffen will, so liegt die Verehrung des Osterwolfs deutlich tiefer im regionalen Volksglauben verankert. Natürlich weiß man heute, dass der Wolf nur ein aus heidnischer Zeit stammendes Symbol für das Osterwunder ist, dennoch ist der Glaube an den Osterwolf ein fester Bestandteil des Chiemgauer Volksglaubens und die Segnung der gebackenen Osterwölfe eine beliebte Tradition.
In seinem Vortrag sparte Bernd Götterpflug-Dehler, der Autor von Sachbüchern wie "Wandern mit Hund auf Chiemgauer Osterwolf-Pfaden"  natürlich auch die Schattenseiten der Osterwolf-Verehrung nicht aus. Heute erinnert nur noch wenig an das historische Symbol des Osterwolfs. Vor allem die Süßwarenindustrie  hat sich die Osterwolf Tradition profan zu eigen gemacht und übertrifft sich Jahr für Jahr mehr in der Kommerzialisierung des Osterwolfes. Da kann sich auch die Stadt Traunstein nicht ausnehmen, die das Osterwolf-Bier und die Osterwolf-Fastenbrezen bereits seit Jahren zu einer erfolgreichen Marke beworben hat. Auch die viermal im Jahr stattfindenden Osterwolf-Spaziergänge nach Ettendorf sind ein fester Bestandteil der Traunsteiner Osterwolf-Vermarktung. Bernd Götterplfug-Dehlers Appell, die Bevölkerung wieder mehr für die wahren Wurzeln der Osterwolf-Tradition zu sensibilisieren, stieß bei den anwesenden Chiemgabloggern deshalb auf fruchtbaren Boden. Man einigte sich, dass man sich möglichst bald die Domain www.osterwolf.de oder zumindest www.osterwolf-shop.de sichern wolle und man dafür sorgen werde, dass der Hashtag #osterwolf auf Twitter und Instagram trenden wird. Notfalls wolle man dazu eine völlig frei erfundene Traunsteiner Osterwolf-Legende im Internet platzieren. Irgendjemand wird den Schmarrn schon glauben.

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