Montag, 30. März 2015

Traunstein und seine sagenumwobenen Felsen

Der Traunsteiner Klobenstein
So einige Jahrhunderte ist es her, als, unabhängig voneinander, zwei Ritter ratlos am Ufer der Traun standen. Der eine, mit seinem Fuhrwagen auf Höhe Sparz unterwegs, war entnervt, weil er keine Furt fand, um den Fluss zur Stadt hin zu überqueren. 
Der andere, mehrere Kilometer flussabwärts, gehetzt und auf der Flucht vor berittenen Verfolgern. 
Beide Ritter sprachen in ihrer misslichen Situation Stoßgebete aus, die zum Leid des einen und zur Freude des anderen erhört wurden. 
Der Ritter auf der Flucht betete vor einem Bildnis der Mutter Gottes, wenig verwunderlich, darum, sie möge ein Wunder tun und ihm aus seiner ausweglosen Lage erretten. Er hörte bereits das wilde Wiehern der sich nähernden Verfolger, als plötzlich ein Fels vom Himmel fiel, wie aus heiterem Himmel, sozusagen, in zwei Teile zerbarst, zwischen denen der Ritter sich verstecken konnte. Er war gerettet. Der Klobenstein, in dem sich bis heute eine Marienkapelle befindet,  war entstanden und mit ihm die Sage. 
Der Traunstein bei Traunstein
Ähnlich ging es dem harrenden Ritter flussaufwärts am anderen Ufer der Traun. Der allerdings fluchte im Zorn, es solle doch gleich alles zu Stein werden. Im selben Moment läuteten in Haslach die Kirchenglocken und Reiter, Ross und Wagen verwandelten sich zu einem Felsen. Jenen Stein in der Traun, der Stadt und Landkreis seinen Namen gab und der eigentlich das Wahrzeichen Traunsteins sein könnte. 
Eigentlich. Denn der Wunsch des Ritters nach einer Furt in Stein ging im doppelten Sinne in Erfüllung. So haben sich auch Jahrhunderte Später die Traunsteiner Stadtplaner die Köpfe zerbrochen, wie man den immer stärker aufkommenden Verkehr um die Stadt herum leiten könne. Kurzerhand baute man die Umgehungsstraße dicht an den einst idyllisch im Fluss verweilenden Felsen und es ist fast ein Wunder, dass man den versteinerten Ritter nicht gleich ganz weggesprengt hat.
Der Traunstein samt Umgehungsstraße beim
Hochwasser 2013
Denn die "Blaue Wand Straße", wie sie genannt wird, ist viel befahren und benötigte mehr als zwei Spuren. Besonnene Köpfe retteten auch nach der letzten Straßenerweiterung zumindest halbwegs den ursprünglichen Charakter des verhinderten Wahrzeichens. 

Die Trauntalbrücke im Bau
Ähnlich erging es flussabwärts dem bis heute als Kraftort geltenden Klobenstein. Romantisch gelegen an einem der schönsten Flecken an der Traun, waren es erst lange Jahre Panzer, die durch die Nachbarschaft donnerten. Dann war es ein Jahrzehnt lang still, ehe auch hier die Bagger und Kräne auffuhren. Gottlob traf es den Klobenstein nicht unmittelbar. Aber wer heute oben, auf dem Plateau des Felsens steht, der kann hinüber schauen zur gewaltigen Trauntalbrücke. Auch hier haben die Straßenplaner nicht Halt gemacht. Es rauscht und brummt, wo einst nur das Plätschern der Traun und samstags das Rosenkranzgebet der Marienverehrer zu hören war.
Und so haben die beiden legendenbesungenen Felsen Traunsteins gemeinsam, dass beide, der eine mehr, der andere weniger, Opfer der Ortsumfahrungen geworden sind.


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http://www.chiemgauseiten.de/traunstein/

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