Montag, 6. August 2018

Von Schriftstellern und Yogalehrern

Lesung Ulla Lenze
Sie Yogalehrerin, er Schriftsteller. Wir sind kein Klischee, wir sind einfach nur glücklich, dass wir seit diesem Wochenende uns höchst offiziell so bezeichnen dürfen. Sie, weil sie die Spanda-Yogalehrerausbildung erfolgreich in München abgeschlossen hat. Ich, weil ich parallel in München Arwed Vogel vom FDA, dem Schriftstellerverband, seine Definition, wer sich Schriftsteller schimpfen darf, entlockt habe. 
Aber ganz von vorne: Damit sich meine Frau ungestört auf ihre Yogalehrer-Abschlussprüfung in München konzentrieren konnte, quartierte ich mich mit den Kindern in Schrobenhausen zu einem Kurzurlaub im Spargel-Kulturland ein. 
Wie es der Zufall so will, war Schrobenhausen just in dieser Woche das Mekka der bayerischen Literaturschaffenden: Die jährlich stattfindende literarische Sommerakademie "Lisa" fand ein 10. Mal statt und mehrere Dutzend Schreiber, Literaturaficionados und Großliteraten kamen in der Stadt zusammen. Kennt man Schrobenhausen sowie verschrobene Schriftsteller so gut wie ich, kann man diese auf einen Blick sehr gut im Stadtbild der Spargelstadt identifizieren. 
Höhepunkt der Literaturwoche war die Dozentenlesung, die dieses Jahr standesgemäß im Schrobenhausener Jugendzentrum stattfand. Mit "Jugendzentrum" konnte ich auch meine Gastgeberin erneut in die Falle einer Literaturlesung locken. 
Sie wurde auch diesmal Zeuge einer Sternstunde der Literatur, als Friederike Kretzen ihren intellektuellen Diskurs über Katzendialoge im Iran, ihr Anschlussprojekt zu "Die Schule der Indienfahrer" mit dem denkwürdigen Satz endete: "Katze, wo auch immer Du bist: Der Friede sei mit Dir!" 
Während sich die Lisa-Teilnehmer ergriffen von der Brillanz der Autorin in Ehrfurcht erstarrten, holte sich meine Begleitung überhastet eine zweite Weinschorle. 
Dabei hatte alles so harmonisch begonnen. Arwed Vogel stellte uns als die "Alt-Schrobenhausener" vor und mich als Vertreter des literarischen Chiemgaus und Lisa-Veteran. Norbert Niemann erinnerte sich, dass ich damals bei Ursula Krechel gewesen war. Und auch ich schwelgte in nostalgischen Erinnerungen. Ich schüttelte einer Autorin die Hand, die aussah wie Vea Kaiser, aber Ulla Lenze war. Die Hand werde ich trotzdem nicht mehr waschen. 
Den Lesereigen begann Thomas Kastura mit einem schenkelklopfend witzigen Kurz-Krimi der im - uns Autoren wohlbekannten Milieu schlecht besuchter Kleinstadtlesungen spielte. Ich und meine Begleiterin nickten uns noch zu, dass es dieses Mal doch ganz passabel laufe. 
Nach der Schock-Starre in der wir uns nach den intellektuellen Abgründen der - wie uns ihre Schreibschüler mehrmals versicherten - absolut brillanten Friederike Kretzen versetzte, kam ausgerechnet Norbert Niemann dran. Doch diesmal experimentierte er mit etwas ungewöhnlichem: Mit Humor. Nach den bekannten hochliterarischen Beschreibungen eines Bahnhofs, folgte eine groteske und - man muss sie so nennen - lustige Beschreibung einer Taxifahrt. Das Publikum lachte immer herzlicher und kurz - nur ganz kurz hatte ich das Gefühl, dass in Norbert Niemann etwas aufloderte: Ein noch winzig kleiner Same, ein Gedanke der einst aufkeimen könnte, ob er nicht auch ein großartiger Komödiant, aberwitzig fortgesponnen, sogar ein Stand-Up Comedian, ein Poetry Slammer sein könnte. Norbert Niemann - was auch immer Du vorhast - Der Friede sei mit Dir!
Munter ging es weiter mit Ulla Lenze, die sich in einen Dönerbudenbesitzer in Istanbul verliebt hatte. Besser gesagt, ihre Protagonistin, eine Kunst-Stipendiatin. Urteil der strengen Literaturkritikerin neben mir, die sich seit einer Stunde fragte, ob es ihrer Katze gut ging: "Sehr gut!"
Letztes Highlight waren die Zeichnungen des Graphic-Novel Autoren Vitali Konstantinov. Er sah aufgrund seines Hipster-Vollbartes dem Leiter des Jugendzentrums etwas ähnlich und ich bin nicht sicher, ob ich die dritte Weinschorle nicht etwa bei ihm bestellt habe. Jedenfalls waren seine Bilder und Anekdoten über das Leben in Beirut und im Libanon so herrlich wie erschreckend.
Ich und Grönemeyer in München
Während es mir im Anschluss der Lesung bei noch mehr Weinschorle und Geplauder nicht gelang in den VIP-Bereich zu Ulla Lenze vorzudringen, lernten wir eine andere hoffnungsvolle Autorin kennen: Ines Bayer, die seit fünf Jahren an der Lisa teilnimmt und ihre Kurzgeschichten immer wieder erfolgreich in Wettbewerben platziert. Zu fortgeschrittener Stunde brach der Tross der üblichen Verdächtigen der Lisa in die Lokale der Stadt im Tross Richtung Stadt aufbrach.
Im Cafe Lenbach entspann sich die Diskussion, ab wann man ein Schriftsteller sei. Weder Ines Bayer, noch die restlichen Lisa-Teilnehmer wagten es, sich als "Schriftsteller" zu bezeichnen. Ihrer Definition nach müsse man einen Roman in einem Verlag veröffentlichen. Bis dahin sei man nur "Autor". Meine Gegenfrage, ob man als Autor eines schrecklich geschriebenen Schundromanes, der bei Knaur verlegt wurde, eher ein Schriftsteller sei wie Kafka, der zeitlebens nicht verlegt wurde, entgegnete Norbert Niemann kühl: "Kafka wurde verlegt, als er noch lebte." Verdammt.
Arwed Vogel schlichtete das Streitgespräch schließlich mit seinem Thesenpapier das er für den FDA erarbeitet hatte. Nach vier Weinschorlen kann ich die vielen Punkte, die einen Schriftsteller charakterisieren, nicht mehr wiedergeben, aber ich erinnere mich an mein persönliches Schlussfazit: "Geil, dann bin ich ein Schriftsteller!"
Die frischgebackene Yogalehrerin
Ines Bayer coachte mich noch, wie ich als Ehemann einer baldigen Yogalehrerin gleichzeitig ein erfülltes Eheleben als Schriftsteller führen könne: Yoga und Schreiben ließen sich doch wundervoll verbinden. Erst war ich skeptisch. Doch dann fiel mir ein, dass ich, nachdem ich meine Frau für die Yoga-Theorieprüfung ausgefragt hatte, eine Kurzgeschichte mit dem Thema "Dharma" in dem jede Menge abschauende Hunde vorkamen, geschrieben habe. Ja, es funktioniert!
Als ich nicht mehr wusste, ob ich meine fünfte Weinschorle nun im Ecker - wo meine Begleitung saß - abgestellt hatte, oder im Lenbach - wo die Schriftsteller saßen, schrieb ich in Gedanken einen Yoga-Krimi in dem es um die Katzen eines Dönerbudenbesitzers in Istanbul ging. 
So begann das Wochenende. Mit Schriftstellern. Und sie endete mit erleichtert und ausgelassen feiernden zukünftigen Yogalehrerinnen (und Artur). Ja, meine Frau hatte es auch geschafft. Noch am Abend erarbeiteten wir ein Konzept für die vhs: Yoga für Schriftsteller. Oder Schreiben und Yoga oder so. Katzen kamen keine vor. Schade eigentlich.

1 Kommentar:

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