Montag, 17. August 2015

Das Geheimnis im Grab des Tutanchamun


Das Tal der Könige in den frühen Morgenstunden. Es sind erst wenige Touristen hier. Die Sicherheitsauflagen sind hoch. Keine Fotoapparate. Absolutes Fotografierverbot. 
Der Zugang zu den Gräbern ist streng reglementiert. Viele Grabkammern sind gesperrt. Unsere ägyptische Reiseführerin zeigt unserer Reisegruppe zwei Grabkammern. Eine weitere können wir optional besuchen. Wir klettern in Indiana Jones - Manier über Leitern die Felsen hoch und tief in den Fels des Gebirges hinein. Drinnen flackernde Funzen, modrige Luft aus dreitausend Jahren und die Reste der Sarkopharge.
Draußen im Wadi, wird noch immer im Wüstensand gegraben. Ob sie auf der Spur eines noch unentdeckten Grabmahles sind? 
Im Tal der Könige dürfen keine Fotos gemacht werden
Ich spreche die Reiseleiterin an. Ich will das Grab von Tutanchamun sehen. Sie zögert. Sagt, das kostet extra Eintritt. Ich sage, den zahle ich gerne. Sie sagt, im Grab sei nichts mehr zu sehen. Ich entgegne, das sei mir egal. Es ist immerhin das berühmteste Grab der Welt. Die restliche Reisegruppe verfolgt meine Diskussion, geht schließlich weiter und besichtigt ein anderes Grabmal. Wir zahlen den Eintritt für das erst 1922 von Howard Carter entdeckte Grab KV 62 und die Aufregung steigt.
Die Stufen, die hinab führen, lassen an die legendäre Geschichte der Entdeckung, der größten archäologischen Sensation bis heute, denken. 
Im Grab die Überraschung. Anders als von der Ägypterin behauptet, finden wir im Grab Spektakuläres vor: Nicht nur die wunderschönen Wandmalereien. Mehr noch. Der Steinsarkophag steht nach wie vor hier im Grab. Und darin einer der drei weltberühmten, unfassbar schönen vergoldeten Sarkophage. 
Völlig überrascht sind wir allerdings, als wir neben uns in einem Kühlkasten eine Decke entdecken, unter der zwei schwarze Beine hervorragen. Die Mumie des Pharao. 
Das Grab de Tutanchamun bleibt unsere eindrucksvollste Erinnerung aus dem Tal der Könige.
Warum wollte unsere Reiseleiterin verhindern, dass wir es uns anschauen?

Rekonstruktion des Königsgrabes
Heute weiß ich, dass jeder einzelne Besucher durch seine Anwesenheit dem Grab Schaden zufügt. Jeder Atemzug trägt dazu bei, dass die Wandbilder verblassen.
Die Antikenverwaltung handelt inzwischen und hat das berühmte Grab hochauflösend abfotografiert, um es den Besuchern virtuell zur Verfügung zu stellen und die Zahl der tatsächlichen Besucher des Grabes gering zu halten. 
Dabei ist einem dem Ägyptologen Nicholas Reeves aufgefallen, dass sich hinter den Wandmalereien weitere Durchgänge befinden könnten. (Hier ein sehr guter Artikel dazu)
Nofretete
Seitdem wird spekuliert, dass das untypisch aufgebaute und für einen Pharao viel zu kleine Grab nur die Vorkammern zum Grab der Nofretete ist.
Sollte sich dies bewahrheiten, stünde die nächste Sensation im KV62 bevor. 
Ich durfte mir damals einen Kindheitstraum erfüllen, das Grab des Tut Anch Amun zu besichtigen. Sollte ein weitere unberührtes Pharaonengrab entdeckt werden, würde es dem Land, dem Tourismus Ägyptens sicher gut tun. Noch steht es in den Sternen, ob ich meinen eigenen Kindern einmal ebenfalls das Tal der Könige zeigen kann. Und dann vielleicht auch KV63, das Grab der Nofretete.

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