Samstag, 11. August 2018

Auf der Suche nach den Geschichten der Vorfahren

Ahnenforschung 4.0

Das Wappen der Strasser
Auf der Suche nach interessanten Geschichten habe ich vor über 15 Jahren den Onkel Leo gefragt, ob er mir nicht etwas über einen Anschöringer Spukort erzählen könne. 
Der Onkel Leo hat mich ausgelacht und kopfschüttelnd geschimpft, es gäbe so viele mitreißende Geschichten aus unserer Familienvergangenheit und ich wolle etwas über Spukorte wissen... 
Er warf mir an den Kopf, dass mein Opa Hitler töten wollte, dass meine Uroma einen Heiratsantrag vom König-Ludwig-Schlossbauer erhalten hatte und erzählte etwas von einem "Franzosen" unter unseren Ahnen. 
All die Anekdoten waren faszinierend, aber sie gaben für mich Laien keinen richtigen Sinn. 
In den Folgejahren begab ich mich auf die Spurensuche nach den Geschichten die mir der Onkel Leo erzählt hat. Und ohne es zu wollen bin ich tief hineingeschlittert in die Ahnenforschung und Geschichtsschreibung.
Einen kleinen Stammbaum hatte bereits der Onkel Hans zusammengestellt. Er bezog sich auf die engste Familie und beinhaltete kaum die Geschichte hinter den Daten. Als der Onkel Hans und später der Onkel Leo starben, wurde mir bewusst, dass die Geschichten verloren gehen würden, wenn sie nicht jemand einsammelte. 
Ich begann, die "Alten" zu interviewen. Den Mangsbauer, den alten Niedergünzl, der sich mit den Weltkriegsgeschichten auskannte und seine Schwester, die gerne Geschichten erzählte.
Ich tauschte mich mit Heidrun und Karl vom Heimatverein aus und wir begannen, unsere Ergebnisse abzugleichen. Jedes Jahr an Allerheiligen befragte ich die Tante Hedwig, die von allen am meisten wusste und am wenigsten preisgeben wollte. So lange bis mich meine Frau wegzog, weil ich wieder übersehen hatte, wie sehr die alten Geschichten meine Tante noch schmerzen, weil es ihre Geschichten sind, ihr Schicksal.
Ich spazierte hinaus nach Voglaich, nach Güßhübel, nach Watzing, zu den Bauernhöfen aus denen meine Vorfahren stammten. Stieß in einer Sebastians-Kapelle auf eine unglaubliche Pest-Geschichte. Nach und nach fügten sich die Puzzlesteine zu einer Familiengeschichte zusammen.
Es stellte sich heraus, dass die Frau, die den Heiratsantrag des Schlossbauers ablehnte, auch noch das Schiffsunglück am Waginger See überlebte (Siehe: Das faszinierende Leben der Maria Bruckmüller). Ich erfuhr, dass mein Opa nicht erst Weihnachten 1944 zum Widerständler wurde, sondern bereits 1940. Es stellte sich heraus, dass sich sogar die Wege meines Opas mit denen von Luise Rinser kreuzten. Und wieder entstand eine Geschichte: Die Schriftstellerin und der sture Zimmerer
Auf der Suche nach dem "Franzosen" stolperten wir im  Stammbaum über einen Korporal Martin Scheid, dessen uneheliche Tochter nicht nur den Jellenbauernhof, sondern auch den Mangsbauernhof erbte und somit Dynastiegründerin von gleich zwei bedeutenden Anschöringer Familien war. 
Ein k.u.k. Korporal der in den Napoleonischen Kriegen kämpfte - konnte das der Franzose sein?
Ein erstes Mal half  das Internet weiter. Dank der Digitalisierung hatte ich Zugang zu militärischen Listen der k.u.k. Armee. War der Martin Scheid, der in der 11. Infanterie Division - stationiert in Prag - Dienst tat, unser "Franzose"? 
Je weiter wir in der Vergangenheit zurückreisten, desto einfacher wurde es seltsamerweise, von zu Hause aus Daten einzusehen. 
Wie das möglich ist? Die großen Archive wie die des Erzstiftes Salzburg haben ihre Urkunden längst digitalisiert. So kann ein Hobby-Ahnenforscher wie ich von zu Hause aus stundenlang durch die Salzburger Geschichte des 15. Jahrhunderts surfen. 
Man muss es einmal ausprobiert haben und außerdem ein absoluter Nerd sein um nachzuempfinden, dass man sich völlig in diesen digitalen Archiven verlieren kann.
Was wird erst möglich sein, so frage ich mich, wenn erst einmal auch die kleinen Kirchenarchive ihre Schätze digitalisiert haben?
Die Geschichte der Straßer in Anschöring endet 1644. 
Aber nicht ganz. Bereits im Jahr 1533 wird ein Jakob Strasser erwähnt, der ein "Gut in Antschering" gekauft hat. 
Mit Hilfe von www.monasterium.net habe ich in monatelanger Recherchearbeit von zu Hause aus die spannende Familiengeschichte des Salzburger Adelsgeschlechts der Strasser rekonstruiert. 
Leider ist es mir die Königsdisziplin nicht gelungen: Eine Verbindung zwischen dem Salzburger Adel und den Anschöringer Bauern herzustellen.
Eine Weile sah es so aus, dass jenes Baumanngut, das der erste verbürgte Straßer Vorfahre besessen hat, womöglich dem Tittmoninger Stadtrichter Wolfgang Paumann gehört hatte.
Der war 1527 als Wiedertäufer in Salzburg enthauptet worden - was für eine spektakuläre Geschichte! Wer will nicht seinen Stammbaum mit einer derartigen Story aufpeppen?
Wenn nämlich Jakob Strasser damals das Baumann-Gut gekauft hätte - in dem 100 Jahre später sein Namensvetter auftaucht - alle Indizien hätten dafür gesprochen, dass eine Verwandtschaft besteht.
Und alles sah zunächst danach aus: 1533 - also keine fünf Jahre nach Paumanns Tod hatte Jakob Strasser ein Gut von Wilhalm Schoenpucher gekauft.
Einer der Tittmoninger Stadtrichter der Paumann ins Amt folgte, hieß ebenfalls Schoenpucher! Alle Puzzlestücke schienen so gut zusammenzupassen.
Dann stellte sich heraus, dass der Tittmoninger Schoenpucher Sigmund hieß. 
Und Manfred Liebl vom Tittmoninger Archiv, der für mich recherchierte, ob die Paumanns ein Gut in Anschöring besaßen, schickte eine Fehlanzeige.
Auch so kann es Ahnenforscher gehen, dass ein vermeintlicher missing link sich als Sackgasse herausstellt und der schöne erweiterte Stammbaum in sich zusammenkracht.
Also keine adeligen Vorfahren.
Oder doch?
Die Suche geht jedenfalls weiter!

Montag, 6. August 2018

Von Schriftstellern und Yogalehrern

Die literarische Sommerakademie Lisa in Schrobenhausen


Lesung Ulla Lenze
Sie Yogalehrerin, er Schriftsteller. Wir sind kein Klischee, wir sind einfach nur glücklich, dass wir seit diesem Wochenende uns höchst offiziell so bezeichnen dürfen. Sie, weil sie die Spanda-Yogalehrerausbildung erfolgreich in München abgeschlossen hat. Ich, weil ich parallel in München Arwed Vogel vom FDA, dem Schriftstellerverband, seine Definition, wer sich Schriftsteller schimpfen darf, entlockt habe. 
Aber ganz von vorne: Damit sich meine Frau ungestört auf ihre Yogalehrer-Abschlussprüfung in München konzentrieren konnte, quartierte ich mich mit den Kindern in Schrobenhausen zu einem Kurzurlaub im Spargel-Kulturland ein. 
Wie es der Zufall so will, war Schrobenhausen just in dieser Woche das Mekka der bayerischen Literaturschaffenden: Die jährlich stattfindende literarische Sommerakademie "Lisa" fand ein 10. Mal statt und mehrere Dutzend Schreiber, Literaturaficionados und Großliteraten kamen in der Stadt zusammen. Kennt man Schrobenhausen sowie verschrobene Schriftsteller so gut wie ich, kann man diese auf einen Blick sehr gut im Stadtbild der Spargelstadt identifizieren. 
Höhepunkt der Literaturwoche war die Dozentenlesung, die dieses Jahr standesgemäß im Schrobenhausener Jugendzentrum stattfand. Mit "Jugendzentrum" konnte ich auch meine Gastgeberin erneut in die Falle einer Literaturlesung locken. 
Sie wurde auch diesmal Zeuge einer Sternstunde der Literatur, als Friederike Kretzen ihren intellektuellen Diskurs über Katzendialoge im Iran, ihr Anschlussprojekt zu "Die Schule der Indienfahrer" mit dem denkwürdigen Satz endete: "Katze, wo auch immer Du bist: Der Friede sei mit Dir!" 
Während sich die Lisa-Teilnehmer ergriffen von der Brillanz der Autorin in Ehrfurcht erstarrten, holte sich meine Begleitung überhastet eine zweite Weinschorle. 
Dabei hatte alles so harmonisch begonnen. Arwed Vogel stellte uns als die "Alt-Schrobenhausener" vor und mich als Vertreter des literarischen Chiemgaus und Lisa-Veteran. Norbert Niemann erinnerte sich, dass ich damals bei Ursula Krechel gewesen war. Und auch ich schwelgte in nostalgischen Erinnerungen. Ich schüttelte einer Autorin die Hand, die aussah wie Vea Kaiser, aber Ulla Lenze war. Die Hand werde ich trotzdem nicht mehr waschen. 
Den Lesereigen begann Thomas Kastura mit einem schenkelklopfend witzigen Kurz-Krimi der im - uns Autoren wohlbekannten Milieu schlecht besuchter Kleinstadtlesungen spielte. Ich und meine Begleiterin nickten uns noch zu, dass es dieses Mal doch ganz passabel laufe. 
Nach der Schock-Starre in der wir uns nach den intellektuellen Abgründen der - wie uns ihre Schreibschüler mehrmals versicherten - absolut brillanten Friederike Kretzen versetzte, kam ausgerechnet Norbert Niemann dran. Doch diesmal experimentierte er mit etwas ungewöhnlichem: Mit Humor. Nach den bekannten hochliterarischen Beschreibungen eines Bahnhofs, folgte eine groteske und - man muss sie so nennen - lustige Beschreibung einer Taxifahrt. Das Publikum lachte immer herzlicher und kurz - nur ganz kurz hatte ich das Gefühl, dass in Norbert Niemann etwas aufloderte: Ein noch winzig kleiner Same, ein Gedanke der einst aufkeimen könnte, ob er nicht auch ein großartiger Komödiant, aberwitzig fortgesponnen, sogar ein Stand-Up Comedian, ein Poetry Slammer sein könnte. Norbert Niemann - was auch immer Du vorhast - Der Friede sei mit Dir!
Munter ging es weiter mit Ulla Lenze, die sich in einen Dönerbudenbesitzer in Istanbul verliebt hatte. Besser gesagt, ihre Protagonistin, eine Kunst-Stipendiatin. Urteil der strengen Literaturkritikerin neben mir, die sich seit einer Stunde fragte, ob es ihrer Katze gut ging: "Sehr gut!"
Letztes Highlight waren die Zeichnungen des Graphic-Novel Autoren Vitali Konstantinov. Er sah aufgrund seines Hipster-Vollbartes dem Leiter des Jugendzentrums etwas ähnlich und ich bin nicht sicher, ob ich die dritte Weinschorle nicht etwa bei ihm bestellt habe. Jedenfalls waren seine Bilder und Anekdoten über das Leben in Beirut und im Libanon so herrlich wie erschreckend.
Ich und Grönemeyer in München
Während es mir im Anschluss der Lesung bei noch mehr Weinschorle und Geplauder nicht gelang in den VIP-Bereich zu Ulla Lenze vorzudringen, lernten wir eine andere hoffnungsvolle Autorin kennen: Ines Bayer, die seit fünf Jahren an der Lisa teilnimmt und ihre Kurzgeschichten immer wieder erfolgreich in Wettbewerben platziert. Zu fortgeschrittener Stunde brach der Tross der üblichen Verdächtigen der Lisa in die Lokale der Stadt im Tross Richtung Stadt aufbrach.
Im Cafe Lenbach entspann sich die Diskussion, ab wann man ein Schriftsteller sei. Weder Ines Bayer, noch die restlichen Lisa-Teilnehmer wagten es, sich als "Schriftsteller" zu bezeichnen. Ihrer Definition nach müsse man einen Roman in einem Verlag veröffentlichen. Bis dahin sei man nur "Autor". Meine Gegenfrage, ob man als Autor eines schrecklich geschriebenen Schundromanes, der bei Knaur verlegt wurde, eher ein Schriftsteller sei wie Kafka, der zeitlebens nicht verlegt wurde, entgegnete Norbert Niemann kühl: "Kafka wurde verlegt, als er noch lebte." Verdammt.
Arwed Vogel schlichtete das Streitgespräch schließlich mit seinem Thesenpapier das er für den FDA erarbeitet hatte. Nach vier Weinschorlen kann ich die vielen Punkte, die einen Schriftsteller charakterisieren, nicht mehr wiedergeben, aber ich erinnere mich an mein persönliches Schlussfazit: "Geil, dann bin ich ein Schriftsteller!"
Die frischgebackene Yogalehrerin
Ines Bayer coachte mich noch, wie ich als Ehemann einer baldigen Yogalehrerin gleichzeitig ein erfülltes Eheleben als Schriftsteller führen könne: Yoga und Schreiben ließen sich doch wundervoll verbinden. Erst war ich skeptisch. Doch dann fiel mir ein, dass ich, nachdem ich meine Frau für die Yoga-Theorieprüfung ausgefragt hatte, eine Kurzgeschichte mit dem Thema "Dharma" in dem jede Menge abschauende Hunde vorkamen, geschrieben habe. Ja, es funktioniert!
Als ich nicht mehr wusste, ob ich meine fünfte Weinschorle nun im Ecker - wo meine Begleitung saß - abgestellt hatte, oder im Lenbach - wo die Schriftsteller saßen, schrieb ich in Gedanken einen Yoga-Krimi in dem es um die Katzen eines Dönerbudenbesitzers in Istanbul ging. 
So begann das Wochenende. Mit Schriftstellern. Und sie endete mit erleichtert und ausgelassen feiernden zukünftigen Yogalehrerinnen (und Artur). Ja, meine Frau hatte es auch geschafft. Noch am Abend erarbeiteten wir ein Konzept für die vhs: Yoga für Schriftsteller. Oder Schreiben und Yoga oder so. Katzen kamen keine vor. Schade eigentlich.

Samstag, 14. Juli 2018

Das Leiden des jungen Strasser B. im (Fm4) Wortlaut

Die Erzählbände des zweitbesten Schriftstellers der Stadt

Das ewige Scheitern beim FM4 Wortlaut Wettbewerb

Im August 2004 wurde im allgemeinen Gemurmel einer Grillparty berichtet, dass einer der unseren, der angehende Zahnarzt Armin K. den "Wortlaut", den Fm4 Kurzgeschichten Wettbewerb gewonnen hatte. 

Unter die allgemeine Freude mischten sich auch Bedenken. Bedenken eines beleidigten 25-jährigen Möchtegernschriftstellers, der sein halbes Leben in der sicheren Überzeugung verbracht hatte, der beste, respektive einzige Jungautor weit und breit zu sein. 
An diesem Abend schwor sich der junge Strasser B. nicht mehr zu ruhen, ehe er selbst den Fm4 Wortlaut gewonnen und die Schmach des Jahres 2004 ausgemerzt hätte. 
Seitdem verlaufen die Jahre im selben Rhythmus:
März: Verkündung des Wortlaut Themas. Bretter. Wild. Grell. Sterne. Geil. 
April: Panisches Schreiben von Kurzgeschichten, die mindestens die beste aller Zeiten sein muss. 
Mai: Auf den allerletzten Drücker den halbwegs überarbeiteten Text an die Wortlaut Redaktion verschicken. Notfalls auch zwei, eine unter Fake Namen (Bernhard P. Paulini)
Juni/Juli: Banges Hoffen, Träumen, Warten. 
August: Irgendwann stolpert man zufällig über die Fm4 Homepage und liest, dass vor zwei Wochen der diesjährige Wortlaut Sieger gekürt wurde. 
Sein Name ist weder Bernhard P. Paulini noch Strasser B.
Entsetzen. Panik. Verzweiflung. Depression. Nie wieder schreiben wollen. 

Begonnen hat es 2005 mit dem Thema "Bretter". Armin K. saß als Vorjahressieger in der Jury, was mich zu der Überzeugung gelangen ließ, dass mir der Sieg mit ihm als Fürsprecher sicher sei. Vielleicht hätte ich ihm das auch mitteilen sollen.
Kann auch sein, dass meine weltbeste Kurzgeschichte aller Zeiten bei einem der anderen Juroren landete, die ihrerseits schon von ihren Freunden und Bekannten bestochen worden waren.
Es folgten Texte zum Thema Gold (Eurokrise), Wild (Erwachsenwerden), Fallen (Krebs, Verlust), Grell (Liebe der Gegensätze) und zuletzt Sterne (Yoga) 
Ich könnte eine eigene Kurzgeschichten Anthologie mit den ignorierten Wortlaut-Texten veröffentlichen. 
Versöhnt war ich ein wenig, dass es einer meiner Autorenkumpel, den ich selber sehr gerne lese, namens Matthias T. die letzten Jahre auf die Short- bzw. Longlisten geschafft hat. Also schreibe ich weiter die besten Geschichten aller Zeiten, die immer einen Tick schlechter sein müssen als die von Matthias, bis wenigstens er den Wortlaut endlich einmal gewinnt. 
Was ist eigentlich aus Armin K. geworden? Ein Zahnarzt natürlich!
Er hat den Wortlaut Sieg einmal verflucht, weil er seitdem nicht mehr schreiben konnte. Um sich von diesem Trauma zu erholen, macht er inzwischen mit mir Männeryoga. Meine letzte Wortlaut Geschichte handelt vom Männeryoga. Wenn es diesmal nicht klappt, flippe ich aus. Oder werde auch Zahnarzt. Oder mache weiterhin Yoga und schreibe solange, bis es beim Fm4 Wortlaut 2049 hoffentlich klappt!
Die besten erfolglosen Kurzgeschichten könnt Ihr hier nachlesen:
https://www.chiemgauseiten.de/kurzgeschichten

Sonntag, 1. Juli 2018

Bücher und Romane über Krebs

Buchtipps zu Romanen für Angehörte und Erkrankte über das Thema Krebs

Das Thema Krebs und Umgang mit Krebserkrankten gleich wie den Angehörigen von Krebspatienten begleitet mich bereits seit vielen Jahren. Hilfreich waren für mich weniger Sachbücher sondern viel mehr Romane und Literatur über Menschen die an Krebs erkrankt sind. Weil diese nicht nur viele der unausgesprochenen Emotionen zwischen den Zeilen transportieren, sondern durchaus auch für (glückliche) Menschen die nicht mit dem Thema Krebs in Kontakt gekommen sind, eine lesenswerte Lektüre sein können, stelle ich die bewegendsten und lesenswertesten Bücher über Krebs hier zusammen. Die Liste ist noch nicht abschließend und kann von Euch gerne ergänzt werden:

Ein Buch über Teenager die an Krebs erkrankt sind:

Das Schicksal ist ein mieser Verräter - John Green

Der bereits verfilmte, äußerst bewegende Roman von John Green ist längst ein Klassiker der Krebsliteratur. "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" erzählt aus der Sicht von Hazel, einer an einer unheilbaren Krebsart erkrankten jungen Frau. Das Buch berichtet schonungslos, dabei aber stets humor- und gefühlvoll von Hazels Kampf gegen die Krankheit und die gleichzeitigen Widrigkeiten des Alltags. Sie verliebt sich in Gus, der seinerseits lange an Krebs erkrankt war. Der Zauber dieses Buch besteht nicht nur aus der herzzerreissenden Liebesgeschichte der beiden Teenager, sondern auch, dass es ein Buch für Buchliebhaber ist. John Green schreibt gleichzeitig spannend und literarisch. Das Buch ist durchzogen mit Literaturverweisen und Allegorien und kann es diesbezüglich mit manchem Thomas Mann Schinken aufnehmen. Wobei andersherum in Sachen Spannung und Romantik ein Thomas Mann gegen John Green chancenlos wäre.
Das Schicksal ist ein mieser Verräter ist ein Buch vor allem, aber bei weitem nicht nur für junge Menschen.
Das Buch kann man hier bestellen.

Das Tagebuch eines an Gehirntumor erkrankten Schriftstellers:

Arbeit und Struktur - Wolfgang Herrndorf

Ein Glioblastom ist nicht nur ein Gehirntumor, es ist die "Champions League" unter den Gehirntumoren. So sarkastisch kann man diese tödliche Diagnose beschreiben. 
Wolfgang Herrndorf war nicht nur irgendein Schriftsteller. Er hat mit "Tschick" eines der beliebtesten Jugendbücher der letzten Jahre geschrieben. Der späte Ruhm kam allerdings erst nach der tödlichen Diagnose. Wolfgang Herrndorf hat in seinem posthum als Buch erschienenen Blog "Arbeit und Struktur" ein bewegendes Tagebuch über das Leben mit einer unheilbaren Krebsart geführt. Arbeit und Struktur ist dabei gleichzeitig ein Zeitdokument über die Berliner Kulturszene, ein Sachbuch über das Leben mit Glioblastom, es ist ein "Making Of" der Romane Tschick und Sand. Und es ist gleichzeitig ein Roman. Denn so ernst die Lage für Herrndorf war, selbst seinen Blog hat er literarisch geschrieben. So viel sei leider gespoilert: Es gibt in diesem Buch kein Happy End.


Roman über einen jungen Mann dessen Mutter an Krebs erkrankt

Sterne sieht man nur bei Nacht - Bernhard Straßer

Ja, die treuen Blogleser kennen diesen Autor bereits. Es bin ich. Dennoch denke ich, dass das Buch hier seine Berechtigung hat. Das Jahr, in dem meine Mutter starb war gleichzeitig eines der schönsten meines Lebens. Diesen Zwiespalt versuchte ich literarisch nachzuspüren. Es ist ein Roman entstanden über Hans, 26, der nach dem Studium ein neues Leben in einer neuen Wohnung samt neuen Job beginnt als er erfährt, dass seine Mutter an Krebs erkrankt ist. Zerrissen wischen dem Zwiespalt, einerseits für seine Mama und für seine Familie da sein zu wollen und den Verheißungen seines neuen Lebens, entscheidet er sich für Letzteres. Er stürzt sich ins Leben, lässt sich von einer unbändigen Lebenslust hinreißen, muss sich bald zwischen Ellis, die ihn liebt und Loni Schneider, in die er verknallt ist, entscheiden. Er tingelt von Wochenende zu Wochenende, von Festival zu Festival, während sich zu Hause der Gesundheitszustand seiner Mutter stetig verschlechtert.
Auf einem Trip nach Paris kommt es zum großen Knall zwischen Hans, Ellis und Loni Schneider. Als Hans nach Hause zurückkehrt und begreift, dass seine Mutter bald sterben könnte, ist sein Leben ein einziger Scherbenhaufen. "Ein Roman über die Liebe und den Tod. Aber nicht nur, es geht auch um die Mutter, die Familie, das Erwachsenwerden" hat eine Rezensentin treffend geschrieben.
Während ich das Buch schrieb, starb nicht nur mein Vater, sondern auch der Mann meiner Schwester erkrankte am oben erwähnten Glioblastom. Sterne sieht man nur bei Nacht erschien nur wenige Tage nach seiner Beerdigung...
Das Buch kann man auf Amazon bestellen oder hier:  https://www.chiemgauseiten.de/b%C3%BCcher/sterne-sieht-man-nur-bei-nacht/

Welche Bücher zum Thema Krebs haben Euch bewegt?

Bitte schreibt mir einen Kommentar!

Dienstag, 19. Juni 2018

Tyll Ulenspegel und die urdeutsche Katastrophe des dreißigjährigen Krieges

Buchbesprechung Daniel Kehlmann Tyll 

Klar ist Tyll ein lesenswertes Buch. Kehlmann kann schreiben, Kehlmann hat Humor. Der Stoff ist klassisch und brandaktuell zugleich. Und trotzdem war ich nach der Lektüre verhalten enttäuscht. Was einzig daran lag, dass ich 150 Seiten lang gedacht habe, Tyll sei eine meisterliche deutsche Mischung aus magischem Realismus und Haruki Murakami.
Sorry, mein Fehler. Sollte wohl künftig doch wieder Klappentexte lesen.
Ich war aus irgendeinem Grund völlig überzeugt, dass Kehlmann Till Eulenspiegel alias Tyll Ulenspegel als dämonische Weltenbrand-Entfacher Figur neu erfindet. Dass Tyll Ulenspegel den dreißigjährigen Krieg mit auslöst und bis  zum Ende auf diabolische Weise zutut, dass Deutschland mehr und mehr ins Chaos gestürzt und der Krieg am Köcheln gehalten wird. Eulenspiegel als moderner Trump-Putin Verschnitt im Narrenkostüm.
Was wäre das für ein großartiges Buch geworden! Und die ersten Kapitel lasen sich in der Tat so. Ulenspegel bringt ein den Krieg fürchtendes Dorf dazu, dass sich die Bewohner bis aufs Blut keilen und zusammenschlagen. Dann Schnitt in Ulenspegels Kindheit. Es geht um dunkle Magie, Glaube an Gott und Hexen. Und immer wieder ist vom kleinen Volk die Rede. 
Ich habe gejubelt! Kehlmann macht einen auf Haruki Murakami! Zwischen den Zeilen schwang etwas bedrohliches mit. In den nächtlichen Wäldern lauert das böse. Und als der kleine Ulenspegel nach einer Nacht, die er alleine im Wald verbringen muss, halb verrückt, mit Mehl bedeckt und einen blutenden, abgeschnittenen Rosskopf auf dem Kopf tragend, erwacht, hielt ich "Tyll" für ein wuchtiges, urmutiges Meisterwerk. 
Doch spätestens als Tyll von zu Hause flieht und die Geschichte aus vielerlei Perspektiven erzählt wird, verschwindet das Magische gänzlich. Auf einmal ist "Tyll" ein klassischer Kehlmann und erinnert eher an die "Vermessung der Welt". Sicher, das ist lustig, das ist voller Insiderwitze. Man lernt Geschichte, man wird verleitet, sich tonnenweise Sekundarliteratur zum dreißigjährigen Krieg zu kaufen, weil man wissen will, was damals wirklich passiert ist. Aber der Zauber des ersten Drittels ist dahin. 
Wer den Simplicissimus gelesen hat, dem erscheint auch die Idee, einen Narren durch die Hölle des dreißigjährigen Krieges zu schicken, nicht mehr ganz so genial und neu. Gibt es schon. Seit fast dreihundert Jahren. 
Und dennoch. Dann schickt uns Kehlmann nach Zusmarshausen zur letzten Schlacht dieses Krieges und vergnügt stellt man fest, dass der Erfolgsautor auch Action kann. 
Tyll Ulenspegel ist, so viel darf ich spoilern, nicht der Dämon den ich nach Lektüre der ersten Seiten erwartet hatte. Er ist ein hochtalentierter junger Mann, der nicht schlechter oder besser ist als seine Mitmenschen und der selbst zur Billiardkugel des Schicksals in einer wüsten, unübersichtlichen Zeit wird. 
Tyll war dennoch ein Leseerlebnis auch wenn man vielleicht noch mehr aus dem Stoff hätte ziehen können. Eine Welt aus den Fugen. Die Herrschaft der Unvernunft. Großmächte die Spannungen eskalieren lassen. Ein sehr aktuelles Thema. 
Wem die "Vermessung der Welt" schon gefallen hat, dem sei dieses Buch natürlich wärmstens empfohlen!

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Donnerstag, 24. Mai 2018

Memento Mori im Alten Südfriedhof München

Mit Günter Schwanghart am Südfriedhof München



Einmal im Monat treffe ich mich mit Arbeitskollegen in München, um mich mit ihnen über Schwierigkeiten und Chancen in unserem Arbeitsalltag auszutauschen. Wie kreativ und inspirierend diese Treffen ablaufen können, faszinieren mich jedes Mal aufs Neue. Diesmal hat uns Günter Schwanghart – vielen bekannt als Allgäuer Studienberatungskoryphäe – in den Münchener Südfriedhof geschickt. Und ich glaube, er war selbst am meisten gespannt, was ein Spaziergang durch den Friedhof in uns auslösen würde.
Wer schon einmal im Arbeitsamt in München war der weiß, dass es bis zur Theresienwiese nicht weit ist und der Schlachthof, direkt hinterm Amt gelegen, gerne ein würziges Lüftchen in die Amtsstuben weht. Auch von einem Friedhof in der Nähe hatte ich schon gehört. Aber was ist schon besonders an einem Friedhof?
Die Aufgabe, die uns Günter Schwanghart stellte, lautete: Jeder sollte 20 Minuten durch den Friedhof wandeln und über seine berufliche und persönliche Rolle nachdenken.
Allerdings dachte ich letztendlich mehr über den Friedhof als über meine verschiedenen Rollen nach. Der Alte Südfriedhof ist nämlich nicht nur ein Friedhof, er ist ein stillgelegter Friedhof. Sozusagen ein Friedhofs-Friedhof. Ein Lost Place mitten in der Stadt. Seit 1944 und nach starken Beschädigungen durch die Bombardierungen wurde der Bestattungsbetrieb eingestellt. Auch so ein Gedanke, dass die Toten noch einmal bombardiert worden sind… Seitdem sind die Grabsteine dem Verfall preisgegeben und die Gräser und Pflanzen dürfen frei über das Gelände wuchern.
Ein Ort, der jahrhundertelang an die Sterblichkeit, an Vergänglichkeit gemahnte, nun selbst dem Verfall ausgesetzt. Mit so einer faszinierenden doppelten Symbolik hatte ich nicht gerechnet. Auch über berufliche und persönliche Rollen lud der Friedhof tatsächlich ein, nachzudenken: Wie die Menschen waren auch die meisten der Berufe, die auf verwitterten Lettern in die Grabsteine eingemeißelt waren, verschwunden. Königlich Bayerischer Glasveredelungs – Inspektor. Rittmeister der Schweren Kavallerie. So die Berufe der Männer. Kaum eine der Frauen hatte einen Beruf. Alle Frauen waren stets Infanterieleutnants – Gattin oder Professoren-Gattin. Oder Rentner-Witwe. Zwei Frauen hatten wir entdeckt die selbstbewusst einen eigenen Beruf im Titel führten: Eine Hofschauspielerin. Und eine Schriftstellerin.
Erstaunlich war, dass einige wenige Gräber bis heute gepflegt wurden. Bei den anderen hatten sich die Rosen und Farne in Wildpflanzen verwandelt. Mancher Grabstein hatte sich der Schwerkraft anheim gegeben. Und egal wie mächtig, wie reich oder berühmt all die Männer waren die hier einst mit der Spitze der Münchner Gesellschaft begraben wurden: Fast sind sie heute vergessen, niemand kümmert sich mehr um ihr Grab. Ebenso erstaunlich.
Schriftsteller habe ich gefunden. Aber keine Berufsberater
Nach dem Ausflug ins Reich der Vergänglichkeit bekamen wir noch eine weitere überraschende Erkenntnis mit auf den Weg: Die Frage, wie viel Prozent seiner Lebenszeit der durchschnittliche moderne Mensch in der Arbeit verbringt, beantworteten alle selbstbewusst mit „70 Prozent!“ „40 Prozent!“. Die tatsächliche Zahl relativierte die Bedeutung, die wir unserem Arbeitsalltag beimessen, ein wenig: Gegenüber der Zeiten die man als Kind, Schüler, Rentner, schlafend oder im Urlaub und im Wochenende verbringt, misst sich eine vergleichsweise mickrige Zahl heraus: Es sind nur 7 Prozent. Sicherlich, es sind entscheidende 7 Prozent. Sie sorgen für unseren Lebensunterhalt und unseren gesellschaftlichen und persönlichen Status. Aber dennoch: Nicht einmal jede zehnte Stunde unseres kurzen Lebens sitzen wir in der Arbeit. Fühlt sich natürlich genau umgekehrt an. Naja, dachte ich mir dann. Wenn für die sieben Prozent am Ende so ein fetter Grabstein samt Marmorbüste am Münchner Südfriedhof herausspringt, dann hat sich die sieben Prozent Plackerei zumindest gelohnt!

Sonntag, 15. April 2018

Spurensuche Thomas-Mann-Villa in München

Eine Exkursion zu Thomas Manns Häusern in München

Die Thomas-Mann-Villa an der Poschinger Straße
Der mit Abstand bedeutendste bayerische Schriftsteller ist... Nein, es ist weder Ludwig Thoma noch Oskar Maria Graf. Es ist... Thomas Mann!
Wos??? Der Saupreiss soll a Bayer sein? 
Bis heute tut sich München schwer, das Andenken an seinen berühmtesten literarischen Bürger würdig zu begehen. Auch aus diesem Grund war selbst mir, als literarisch interessierten Bürger und Thomas-Mann-Leser lange Zeit nicht bewusst, dass Thomas Mann nicht nur ein, zwei Jahre eine Zweitwohnung in München hatte, sondern die Hälfte seines Lebens ein echter Münchener war. 
Thomas-Mann-Haus mit Gedenktafel
Natürlich, Thomas Mann verbindet man zunächst mit Lübeck. Thomas Mann hat so rein gar nichts mit bayerischer Volkstümelei, Weißwurst und Oktoberfest am Hut und vom Dialekt brauchen wir gar nicht erst reden. 
Trotzdem hat dieser Preusse fast 40 Jahre seines Lebens in der Landeshauptstadt des Freistaates gelebt. Vermutlich wären es wohl nochmal ein paar Jahrzehnte geworden, wenn ihn nicht der Nationalsozialismus ins Exil getrieben hätte. 
Für einen bayerischen Thomas-Mann-Fan ist der Gedanke zu schön, um wahr zu sein: Möchte man auf den Spuren des Zauberers wandeln, muss man nicht bis nach Pacific Island oder Lübeck fahren, sondern es reicht ein Ausflug nach München. 
Doch wo befinden sich die verschiedenen Häuser in denen Thomas Mann gelebt hat? So prominent beworben wie ein Weimarer Goethe-Haus wird die Thomas-Mann-Villa nicht. Man muss beinahe mit der Lupe suchen, um die Wohnhäuser der Familie Mann zu entdecken. Eine Radltour entlang der Isar bringt Gewissheit:
20 Jahre lang residierte die Familie Mann in exquisiter Lage in der Poschingerstraße. Wer die Serie "Die Manns" gesehen hat weiß, dass von der Original Villa nichts mehr übrig ist. Sie wurde im Krieg zerbombt und verwahrloste in den Nachkriegsjahren. Der spätere Bungalowbau hatte nichts mehr mit der originären Thomas-Mann-Villa gemein. 
Um so überraschter, geradezu begeisterter war ich, als ich auf meiner Radltour nach Bogenhausen in der ehemaligen Poschingerstraße, die heute immerhin "Thomas-Mann-Allee" heißt, eine hochaufragende Villa entdeckte, mit der aus Film und Fotos bekannten Fassade. Tatsächlich, die Thomas-Mann-Villa ist wiederauferstanden! Eine Gedenktafel erklärte, dass der alte Bungalow abgerissen wurde und ab 2005 das alte Thomas-Mann-Haus zumindest in der Fassade nach den Originalplänen wiederaufgebaut wurde. 
Der Neubau lässt erahnen, wie eindrucksvoll die Villa des Literaturgrossmeisters damals auf Passanten gewirkt haben muss. Prominent gelegen direkt am Isarufer. Auch heute beobachtete ich zahllose Jogger und Radfahrer, die sich nach der Villa umdrehen. Vielleicht weil sie wussten, dass die Mann Familie dort residiert hat. Vielleicht weil sie wussten, dass es Münchens teuerstes Wohnhaus ist. 
Denn leider hat nicht die Stadt München das Haus erworben. Bisher wurde es wieder und wieder versäumt, aus diesem historischen Ort eine literarische Gedenk- oder Begegnungsstätte zu machen. Stattdessen hat eine Privatperson die Luxusvilla für 30 Millionen Euro erworben. Das Kuriosum: Sein Name ist Thomas Manns. 
So stand ich lange mit zwiespältigen Gefühlen vor dem Haus. Ich hatte einen hässlichen Bungalow erwartet und war ergriffen davon, dass die bekannte Originalfassade wiederhergestellt wurde. Gleichzeitig bedauerte ich den Gedanken, dass es auf viele Jahrzehnte hin wohl unmöglich bleibt, dieses Grundstück, diese Stätte auch von innen zu besuchen. Der neue Besitzer Thomas Manns wird wohl wenig Interesse haben, dass Literaturfans durch sein Haus latschen und die Pools begutachten. 

Die weiteren Thomas-Mann-Häuser

Thomas-Mann-Haus in der Feilitschstraße 5. Heute Wirtshaus Seerose
Auf der Webseite des Thomas-Mann-Forums enteckte ich die beiden weiteren Wohnhäuser Thomas Manns. Beginnend mit dem Haus in der Feilitzschstraße 5. Heute in einem etwas ruhigeren Fleckerl Schwabings gelegen, befindet sich im Gebäude inzwischen die Wirtschaft "Seerose". Auch hier berichtet eine Gedenktafel, dass hier Thomas Mann einige Jahre gelebt und dort auch den zweiten Teil der "Buddenbrooks" fertiggestellt hat.
Eine Enttäuschung ist allerdings die Weiterfahrt in die Franz-Joseph-Straße 2. Hier hatte Thomas Mann mit seiner Frau Katja Pringsheim eine Familie gegründet und hier waren die ersten vier Kinder zur Welt gekommen. Das Haus wird derzeit renoviert. Die Gedenktafel ist folglich entfernt, wird aber lt. dem Thomas-Mann-Forum München auch nicht wieder dort angebracht.
Eine kleine Entdeckung hatte ich aber doch noch gemacht:
Thomas-Mann-Villa in den Bavaria Filmstudios. Heute der "Fürstenhof"
Es gibt noch ein viertes Thomas-Mann-Haus in München. Und zwar genau dort, wo ich am Nachmittag meine Frau abholen musste: In den Bavaria Filmstudios.
Für die Dreharbeiten zu "Die Manns" wurde dort die Thomas-Mann-Villa beinahe originalgetreu nachgebaut. Lange Zeit musste man also zum Geiselgasteig fahren, um sich einen Eindruck von der Villa zu machen. 
Inzwischen hat sich die Thomas-Mann-Villa allerdings ein wenig verändert. Sie steht am Waldrand und hat - beinahe ähnlich des Original Thomas-Mann-Hauses einen neuen Besitzer: Und dieser hat es umfunktioniert zu einem Hotel. Die Thomas-Mann-Villa heißt inzwischen "Fürstenhof" und ist Kulisse für die Serie "Sturm der Liebe". So hätte man die Serie über die Familie Mann übrigens auch nennen können...
So gelang es mir, wie es der Zufall so wollte, an einem einzigen Tag alle vier Thomas-Mann-Häuser in München zu besuchen.