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Samstag, 28. März 2020

Kritische, literaturerfahrene Testleser gesucht!

Testleser für meinen neuen Roman gesucht!

Kurz bevor dieser ganze Corona-Wahnsinn über uns hereinbrach, hatte ich noch einen goldenen Schriftsteller-Moment:
Benedict Wells missachtete die 1,5 Meter Infektionsschutz-Abstandsregel und antwortete auf meine Frage, wie ich als Autor besser werden kann:
Lass Dein Manuskript von jemanden lesen, der dir eine ehrliche, kritische, konstruktive Rückmeldung gibt.
Ich kenne kaum Top-Autoren, die freiwillig mein Manuskript lesen könnten, antwortete ich in der Hoffnung, dass er sich gleich freiwillig meldet.
Benedict Wells lächelte und meinte: Er selbst lasse seine Manuskripte beispielsweise von seinem ehemaligen Deutschlehrer durchgehen.
Ich solle überlegen, wer in meinem Umfeld viel liest, viel schreibt und so ehrlich ist, dass er die Mängel eines Manuskriptes exakt benennen kann.

Also mein Aufruf an Euch:
Ihr habt Germanistik studiert oder seid Deutschlehrer? Ihr habt den Zauberberg gleich zwei Mal gelesen, weil er so genial ist? Ihr schreibt selbst literarische Belletristik?
Und ihr habt so richtig Bock, mir aufzuzeigen, wo meine Schwachstellen als Autor sind? äh, ich meine, ihr habt Lust, mir mit einer konstruktiven Kritik am Perfektionieren meines Manuskriptes zu helfen?

Dann meldet Euch bei mir!

Warum es  im Roman eigentlich geht?


„Falko“ ist ein literarischer Jugendroman über zwei Jugendliche die, jeder auf seine Art, vor ihr maximal mögliches Worst Case Szenario gestellt werden und trotzdem versuchen, das beste darauf zu machen. Während der zurückhaltende Wolfgang überzeugt ist, dass seine Welt untergeht, weil er auch im zweiten Anlauf die Elfte Klasse nicht schafft, relativiert sich seine Angst, als bei seinem besten Freund ein Gehirntumor diagnostiziert wird. Falko heißt eigentlich Hansi Holzner und träumt seit längerem davon, ein geheimes, in Falcos Wiener Wohnung verstecktes Song-Manuskript zu finden. Nach der tödlichen Diagnose wird es zur fixen Idee, nach Wien zu reisen, um in die Wohnung einzubrechen. Doch bevor es soweit kommt, wird die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe gestellt. In Heidelberg verlieben sich beide in die angehende Krankenschwester Ines.

Dienstag, 26. Dezember 2017

Der Jahresrückblick 2017

Die Highlights 2017 auf Chiemgauseiten und Lesenszeichen

Der Stift den ich im Büro geklaut habe,
den mir dann Takis Würger geklaut hat
Vom Geisterexperten im Radio bis zum Szenekneipenflaneur in Berlin - mein traditioneller Rechenschaftsbericht an meine Leser: 
Anfang des Jahres ging es recht beschaulich los. Es gab kein Buch zu promoten oder fertigzustellen. Dennoch fuhr ich wieder nach Leipzig zur Buchmesse. Und hatte diesmal meine Kinder dabei. Ein Riesenspass, sag ich Euch! Und wer mich kennt der spürt die Ironie zwischen den Lettern vibrieren. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass meine Kinder Martin Suter nicht mögen und Takis Würger, der Autor des fantastischen Romans "Der Club" ein super Kerl ist. Und unter Tausenden Messebesucher ausgerechnet meinem Literatur-Lehrmeister Arwed Vogel über den Weg zu laufen war natürlich das größte Highlight.
Da 2017 ein herrlich ambitionsloses Autorenjahr war, freute ich mich über Spontantreffen wie mit Fabian Bader in Würzburg beim Brückenschoppen und möchte an die bald legendäre Schreibbohéme erinnern, die auf Leser und Bohemien wartet. 
Carlos Ruiz Zafon schreibt nicht nur viele Bücher,
er unterschreibt sie auch noch alle.
Im Frühjahr standen Lesungen der Autorenkollegen im Mittelpunkt. In München lauschte ich Carlos Ruiz Zafon und Karl Ove Knausgard beim Vortrag aus ihren Werken. 
Erst im Sommer ging es wieder Schlag auf Schlag. Erst fand die Schreibwerkstatt auf der Rabenmoosalm statt. Dort dozierte ich über Allegorien in Thomas Manns Tod in Venedig. Wer sich danach nicht verzweifelt die Felsen hinunterstürzte, konnte noch den ungemein inspirierenden Austausch am Lagerfeuer mit den Autorenkollegen Meike K. Fehrmann, Michael Inneberger, Martin Trautwein und Armena Kühne genießen. Die Schreibalm war erneut eines der Jahreshighlights. Die darauf folgende Lesung im Nuts "Wie Literatur entsteht" war ebenfalls episch. Jedenfalls von der Länge her. Meinem bis dato mitreissendsten Bühnenvortrag hörten ganze 8 Gäste und eine Handvoll Chiemgau-Autoren zu. So bleiben die Chiemgauer Kulturtage vor allem für eine spannende Podiumsdiskussion in Erinnerung. Ach ja, in der Theaterstrickerei wurde Ronja von Rönnes Theaterstück aufgeführt und der Star war persönlich zugegen und las launisch und lustig aus ihrem Buch "Heute ist leider schlecht - Beschwerden ans Leben".
Meine einzige Solo-Lesung gab ich in Ingemar Maiers Kleidungsladen. Die dargebotenen Kapitel aus "Sterne sieht man nur bei Nacht" und aus dem Elterntagebuch wurden live auf Radio-Festung übertragen. Allerdings nicht in die Festung. Denn Udo schaltete das Gelaber kurzerhand ab. Anschließend gab es noch eine im Netz ausgetragene Debatte, ob dieser Bernhard Straßer tatsächlich der zweitbeste Schriftsteller Traunsteins sei. Zu meiner Enttäuschung ging die Debatte nicht darüber, ob er gar Traunsteins bester sei...
Überschattet war das Jahr aber von einer handfesten Schreibkrise, ausgelöst von den Kollegen der Schreibboheme. Allen voran Matthias Tonon, der wieder sagenhafte Texte vorlegte und folglich die Shortlist-Ränge bei Wortlaut und Open Mike besetzte. 
Den Medien war es Wurscht. An Halloween fragte Antenne Bayern an, ob sie mich über den Finstermann interviewen dürften. Ja mei, es gibt andere Themen zu denen ich lieber Stellung bezogen hätte, aber was soll man machen? Antenne Bayern ruft halt nicht jeden Tag an. So wurde ich Radiostar und Geisterexperte für einen Tag. Mein Kollege der an dem Tag zu Hause tapezierte, erzählte leicht genervt: "Bernie, ich hab dich sechs Mal im Radio gehört!" 
So ging es auch weiter als Andreas Auer vom Ladenbergen bei Achim Bogdahns "1 zu 1 Der Talk" eingeladen wurde. Da meinte ich, mich verhört zu haben, als sie plötzlich über den Popliteratur Autor Bernhard Straßer sprachen! 
Und dann wurden noch die großen Projekte 2018 vorbereitet: Eine Leseweisung bei der straffällige Jugendliche zusammen mit Meike K. Fehrmann und mir das Buch "Auerhaus" lesen. Wäre das Projekt nicht schon aufregend genug, meldet sich auf einmal Bov Bjerg, der Autor des tollen Romanes und bietet seine Unterstützung an. Eine Woche später kommt ein Paket vom Aufbau Verlag samt mehreren Exemplaren vom Auerhaus.
Da waren es schon 3
Gegen Ende des Jahres wurde letztendlich Buch Nummer drei veröffentlicht: Das Elterntagebuch - Die ersten Jahre! Erhältlich ab sofort auf Amazon und bei mir.
Im November durfte ich endlich die #chiemgaublogger kennenlernen. Ja, es gibt sie wirklich, die Blogger im Chiemgau!
Nicht zu vergessen ein verrauchter Abend in einer Berliner Kneipe. Ich meine mich zu entsinnen mit Tilman Rammstedt diskutiert zu haben. Dann war da noch ein Selfie mit Ronja von Rönne das wir Cornelius Reiber geschickt haben. Gibt es das Foto noch? War ich wirklich dabei? Falls ja, schickt es mir bitte! Ich weiß, Ihr lest das!
Aber sonst? Sonst war es 2017 ganz schön langweilig. 

Freitag, 24. November 2017

Den Rucksack packen für die Arbeitswelt 4.0

Warum Schreiben und Lesen eine wichtige Rolle in der Arbeit der Zukunft spielen

Literarisches Lesen & Schreiben könnte eine gute
Vorbereitung auf die Arbeitswelt 4.0 sein!
Seit einigen Monaten geistern die Schlagworte „Digitalisierung 4.0“, „Industrialisierung 4.0“ oder zusammengefasst, „Arbeitswelt 4.0“ durch Medien und Politik. Gemeinsam kündigen sie eine umwälzende Veränderung in unserer (Arbeits)Welt an, die jeden einzelnen von uns erfassen wird: 
Die sich immer rascher entwickelnde Digitalisierung wird Industrie und Arbeiten in naher Zukunft massiv wandeln. Nur wie die künftige Arbeitswelt genau aussehen wird und wie man heute Schüler/innen und Arbeitnehmer/innen darauf vorbereiten kann – das weiß noch niemand.
Schulen und Bildungsträger grübeln seitdem, mit welchen Rucksäcken man die zukünftigen Experten für Robotik, 3D-Druck oder Programmierung  für die Reise in die Zukunft ausstatten soll. Die vhs Traunreut beispielsweise bietet in zahlreichen, der „MakerSpace“ Bewegung angelehnten Kursen einen spielerischen Zugang zu den Techniken der Zukunft: Dort haben Jugendliche die Möglichkeit, mit Minecraft zu programmieren oder das Microcontrollerboard ARDUINO auszuprobieren. 
Auch die Schulen beschäftigen sich mit der Frage, auf welche Fächer zukünftig ein Fokus gelegt werden soll wenn immer mehr Tätigkeiten künftig von intelligenten Maschinen übernommen werden. Denn: 70% der Tätigkeiten sind bereits durch Computer ersetzbar. Denkt man andersherum, ist die Frage zu stellen: Was hat der Mensch der Maschine noch voraus? 
Es sieht aktuell danach aus, dass künftig weniger Qualifizierung und Fachwissen gefragt sind – so ziemlich alles lässt sich im Internet nachschlagen – sondern Kompetenzen an Wert gewinnen: Problemlösungskompetenzen, soziale Intelligenz oder: Kreative Intelligenz! 
Verbunden mit den Grundkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen könnte künftig also ein Bereich an Wertigkeit gewinnen, der auf den ersten Blick verstaubt und veraltet anmutet: Neben Mathematik- und Programmieren könnten Schüler/innen auf die Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 vorbereitet werden, indem sie literarisches Lesen und Schreiben lernen. 
Literarisches Lesen fördert nicht nur die Kulturtechnik Lesen, sondern hilft Zusammenhänge zu verstehen, Informationen zu filtern, querzudenken und zwischen den Zeilen zu lesen. Wer im zweiten Schritt sich mit literarischem Schreiben beschäftigt, fördert seine Kreativität und aktiviert seine Problemlösungskompetenz. Der Rucksack für die Arbeitswelt 4.0 wäre also gut gepackt für die Herausforderungen der Zukunft.
Ob sich die Schulen dieser zugegeben ungewöhnlichen Vorbereitung auf die Digitalisierung 4.0 einlassen und ihre Schüler ebenso Literatur wie HTML lehren bleibt noch offen. Man kann also gespannt sein, ob der Trend zukünftig mehr in Richtung Programmieren gehen wird, oder ob die klassischen Kulturkompetenzen wie Lesen und Schreiben ihr früheres Gewicht zurückerlangen. 

Sonntag, 23. Juli 2017

Mit den Chiemgau Autoren auf der Rabenmoosalm

Die Schreibwerkstatt auf der Alm


Sterne sieht man Nachts in der Stadt kaum mehr.
Außer man ist auf einer Alm!
Auf der Rabenmoosalm mit meinen Autorenkollegen Meike K. Fehrmann, Michael Inneberger, Armena Kühne, Monika Klinkenberg-Weigel und - dieses Jahr neu: Martin Trautwein. Vier Tage Schreibwerkstatt in den Bergen. Vier Tage zwischen Genie und Wahnsinn. Mit anderen Worten: Inspirierend und anregend wie schon im letzten Jahr!
Die Schreibwerkstatt der Chiemgau Autoren auf der Rabenmoosalm war letztes Jahr eine Entdeckung. Vier Tage auf einer Alm, ohne Internet und Handynetz inklusive inspirierende Zeit zum Schreiben und regen Austausch mit anderen Autoren. Die ersten werten Leser werden nun die Stirn runzeln: Eine Gruppe verkopfter Schriftsteller fünf Tage allein auf einer Alm? Wie funktioniert das? Werden die nicht verhungern? Glücklicherweise handelt es sich bei der Schreibalm um keine Hochalm. Es gibt Strom und fließend Wasser und die Autoren sind auch nicht darauf angewiesen, die Almkühe zu melken, um das täglich Überleben zu sichern. So viel Komfort bietet die Rabenmoosalm dann doch. 
Anders als im Artikel suggeriert wirkten diese
wandernden Autoren äußerst zielstrebig
Dennoch gab es auch dieses Jahr so manch Situationen in denen der uneingeweihte Wanderer sich fragte, was denn am Fuße des Zinnkopfs an diesem Wochenende wohl Verrücktes los ist. So wurde ein älterer Herr gesichtet, der durch die Wälder wanderte, nichts bei sich tragend außer einer Aktentasche, einem Regenschirm und einer Packung Windeln. Angesprochen, ob bei dem armen Mann alles in Ordnung sei, hätte dieser nur antworten müssen: "Ich bin einer der Chiemgau-Autoren." Es hätte nur ein erleuchtendes Nicken gegeben: "Ah!" 
Andere Wanderer sichteten eine Familie sich keine zehn Meter parallel des Weges durch das Dickicht des Fichtenwaldes kämpfen. "Wo ist denn der Zinnkopf?", rief der Familienvater verzweifelt. "Der ist ganz woanders. Wer seid ihr denn?" "Wir sind die Chiemgau-Autoren!" 

"Aah", machte der Mann und ließ die seltsame Familie weiter durchs Dickicht irren.
Ein anderer Mountainbiker berichtete, dass er an der Rabenmoosalm ein zweijähriges Kind mutterseelenallein am Lagerfeuer sitzen sah. Neben ihm ein scharfes Messer und eine Bierflasche. Erst wollte er das Jugendamt rufen. Dann sah er, dass dort eine Schreibwerkstatt stattfand. Der Chiemgau-Autoren. "Aaah!", machte er und fuhr weiter.
Auch unten im Tal in Ruhpolding wurde im Edeka erzählt, dass eine Gruppe für die Rabenmoosalm gerade massenweise Gurken, Joghurt und Apfelmus eingekauft hatte und die Küchenrolle an der Kasse liegengelassen hatte. "Was waren denn das für Vögel?" "Das waren die Chiemgau-Autoren." "Aaaah", machte die Kassiererin.
Aber auf der Rabenmoosalm passierte noch viel mehr: Es wurde wieder an Texten gearbeitet - über Intrigen auf einer polnischen Burg im 11. Jahrhundert, die Wahrheit über die Geburt von Christoph Kolumbus oder einen nach ruß riechenden Geist, der wiederum auf einer Schreibwerkstatt in der Toskana erscheint. Es gab Werkstattunterricht zu den Themen "Natur in der Literatur", "Metaphorik und Symbole in Thomas Manns Tod in Venedig" und "Darstellung von Massenszenen in der Literatur". 
Dass Literatur auch entsteht, wenn man Spaß hat, welche Rolle Natur dabei spielt und wie sich Geschichten weiter entwickeln, darüber werden die Autoren am kommenden Donnerstag, den 27. Juli im Nuts in Traunstein berichten. Dort lesen sie ihre Texte vor, an denen sie auf der Rabenmoosalm gearbeitet haben. Und ich bin auch dabei.


Die Rabenmoosalm im Elterntagebuch: Hier klicken


Mittwoch, 14. Juni 2017

Der Schriftsteller und der Abgrund

Schreiben am Abgrund


Mancher Künstler schuf seine größten Werke, wenn er an der Klippe eines tiefen Abgrundes stand. Wenn Kleinigkeiten darüber entschieden, ob ein großes Werk geschaffen oder der Künstler vernichtet wird. Vor einem Jahr begann in meinem Leben eine schwer auszuhaltender turbulenter Monat. Es schien als habe die Zeit der Ernte begonnen. Mein großes Buch über das Sterben, an dem ich sechs Jahre gearbeitet hatte, stand kurz vor der Veröffentlichung. Ich war als einer der Kulturschaffende auf eine Podiumsdiskussion mit dem Bürgermeister eingeladen und stand mit Familie von Rönne in Kontakt, um Ronjas erste Lesung zu Hause zu organisieren. Zugleich wurde mein Debütroman gerade als Lektüre in einer Elften Klasse durchgenommen. Meine Laufbahn als Autor hatte eine faszinierende Dynamik angenommen und noch ahnte ich nicht, dass dieser Monat genügend Stoff für weitere schicksalhafte Romane bieten würde. 
Ronja von Rönnes Lesung zu Hause
Am 4. Mai sprach ich vor der Schulklasse der Hotel und Tourismusschule Traunstein und beantwortete alle Fragen zu den "Kleinstadtrebellen" Gegen Ende fragte mich ein Schüler, warum ich immer über den Tod schreibe. Ich war irritiert, weil mein erstes Buch nicht primär vom Tod handelte. Aber der Schüler hatte recht. Auch Peters Liebe zu den Kleinstadtrebellen wurde durch einen Schicksalsschlag ausgelöst. 
Mit der Frage im Kopf, warum ich stets über den Tod schrieb, kehrte ich zurück. Kurz darauf ein Anruf. Meine Schwester. Ihr Mann ist tot. 
Er war unheilbar krank. Dennoch taumelte ich, der ich eine Stunde zuvor noch ein ambitionierter junger Schriftsteller war, verstört und verzweifelt ins Krankenhaus. 
Wenige Tage nach der Beerdigung fuhr ich mit meiner Familie zur lang geplanten Literaturwerkstatt nach Barliano in der Toskana. Die Familie war gezeichnet, mein Schreiben verstummt. Nach einigen Tagen in dieser atemberaubend schönen Landschaft erholten wir uns langsam von den schicksalhaften Tagen und Wochen. Kaum begannen wir wieder zu lachen, der nächste lebensverändernde Anruf: mein kleiner Neffe, auf dessen Geburt wir uns alle freuten, würde tot zur Welt kommen. 
In Barliano kurz vor der nächsten Horrornachricht
Innerhalb weniger Sekunden stürzte das ohnehin fragile Leben erneut in sich zusammen. Mein Buch, Ronjas Lesung, die geplanten Auftritte - alles nichtig. 
Wir befanden uns mitten in einer Gemeinschaft, lebten auf engem Raum mit den anderen Autoren und die nächsten Tage wurden zur extremen Stressituation für die Familie. 
Anstatt zwanglos zu schreiben, kippte der Aufenthalt in Krisenmanagement. Das Unaussprechliche konnte nicht in Worte gefasst werden. Wie hätten die Mitbewohner auch nur im Ansatz verstehen können, was meiner Familie innerhalb von zwei Wochen passiert war?
Erst Monate später begann ich darüber zu schreiben. Und bald schrieb ich über nichts anderes mehr. Jeder einzelne Text beinhaltete entweder Barliano oder ein Glioblastom oder ein totes Kind. Oder alles zusammen. 

"Herr Strasser, warum schreiben sie immer über den Tod?"

"Weil der Tod mein Leben ist."

Sonntag, 19. Februar 2017

Falco – Wie der Wiener Superstar bis heute inspiriert

Die Kunst Falcos wirkt bis heute nach


Im Februar '98 beim Müller gekauft
Hans Hölzl, besser bekannt unter seinem Künstlernahmen Falco, wäre heute sechzig Jahre alt geworden. Beinahe zwanzig Jahre ist sein Tod her und es ist kaum zu fassen, wie sehr die Kunst dieses großen Musikers bis heute nachwirkt. Selbst für die Generation, die den Höhepunkt Falcos Karriere nur als Kindergartenkind erlebt hat. 
Falco, das war der Typ im Mozart-Kostüm, der im ORF Kinderwurlitzer rauf und runter gespielt wurde. „Rock me Amadeus“ konnte buchstäblich jedes Kind mitsingen. Und den Kommissar sowieso auch. Doch als die Kinder von damals größer wurden und sich für Musik zu interessieren begannen, war Falco nichts weiter als ein Relikt der Achtziger, dessen Songs auf der Fetenhits – NDW zu finden waren. Und es sollte noch schlimmer kommen: Auf dem Höhepunkt der Techno- und Eurodance – Welle hatte dieser Falco auch noch einen kleinen Hit in dem unfassbar schlechten Techno-Kracher „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“. Falco wäre vermutlich für meine Generation ein Phantom geblieben, ein abgestürzter Popstar der zwei Kinderfaschings-Hits gesungen hatte, wenn es nicht diesen tragischen Unfall in der Dominikanischen Republik gegeben hätte. Es gab weniger eine Massentrauer wie 2009 nach dem Tod von Michael Jackson, dafür war es schon zu lange still um Falco gewesen – es war eher eine Art Neugierde, die auch mich in den Plattenladen laufen ließ, um Falcos „Greatest Hits“ zu kaufen. Und so cruiste im Frühling 1998  ein Auto voller Teenager durch die Lande und lautstark wurde „Vienna Calling“ und „Coming Home“ gegrölt. Aber auf der CD war auch ein eher untypisches Falco-Lied, das mich mehr als all die Gassenhauer berührte: „Junge Römer“. Was war das denn? Singt der Latein? Dennoch blieb es „Jeanny“, das ich wochenlang anhörte. Und erstes Mal war Falco eine konkrete Inspiration. Ich schrieb kurze Texte im Stil von „Jeanny“. 
Schließlich wurde, nur drei Wochen nach seinem Tod, „Out oft he Dark“ veröffentlicht. Und es ist wohl nicht untertrieben zu behaupten, dass der Song einschlug wie eine Bombe. Es hatte weniger mit Falcos Tod zu tun, sondern damit, dass es ein wirklich starkes Stück Musik war. Und erst jetzt setzte sich eine feine Trauer fest: Was wäre das für ein Comeback gewesen. 
Aber Falco war tot und er verschwand auch aus meinem Leben wieder. Bis ich zum ersten Mal die Filmographie „Verdammt, wir leben noch“ sah. Es gibt wenige Filme deren Magie einen ganzen Lebensabschnitt prägt. Dieser hier war so einer. Ein erstes Mal lernte ich Hans Hölzl als Mensch und den ewig suchenden, ewig zweifelnden exaltierten Falco als Popstar kennen. Jahrelang ließ mich der Film nicht mehr los. Einen Fasching lang verwandelte ich mich zum Leidwesen meiner Frau sogar in Falco und nahm seine exaltierte Sprache an. In einigen Kurzgeschichten die ich schrieb, tauchte ein Hans auf, der sich wie ein Falco benahm. Bis in die Fingerspitzen inspiriert und begeistert von diesem Künstler, dessen Kunst ich erst jetzt begriff, ließ ich seine Musik auf mich wirken. Der Kinderfaschings-Sänger verwandelte sich in einen ekstatischen Musiker, der in Wiener Avantgarde-Bands gespielt hatte, dessen großes Vorbild David Bowie war und wenig mit dem Retorten-Popstar gemeinsam hatte, für den ich immer hielt. Natürlich zeigte auch der Film deutlich, dass Falco in den Achtziger Jahren in Flammen stand, viel zu schnell verglühte und als Künstler grandios gescheitert war. Aber diese Jahre, seine ersten drei Alben, waren noch größere Meisterwerke als ich es mir je erträumt hätte. Vor allem das „Junge Römer“ - Album haute mich regelrecht um. Beginnend mit dem Videoclip zu „Junge Römer“, der mich mehr berührt hat als alles was ich jemals zuvor auf MTV gesehen hatte. Das ganze Album ein noch heute modern wirkendes funk-lastiges Meisterwerk. Zum Lied für die Ewigkeit entwickelte sich der Titelsong. Noch heute, Jahre später, beginnt es in mir zu kribbeln, sobald es heißt „Der Lorbeerkranz, ein neuer Tanz schwingt Rhythmus in die Hüften der Stadt…“ Unzählige Texte habe ich in diesem Geist verfasst und keine Schreibblockade kommt an gegen dieses Lied, das ich zum inspirierendsten meines Lebens küren möchte.

Und natürlich noch Falcos Debüt, „Einzelhaft“. Fast jeder Titel hätte eine Singleauskopplung werden können. Lieblingssong darauf inzwischen „Zuviel Hitze“. Falcos Kokettieren mit Kokain. Und auf einmal macht selbst „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ wieder Sinn.
Sechzig Jahre wäre er heute alt geworden. Und längst betrauere ich seinen Tod. Anders als bei Michael Jackson, David Bowie und all den Stars die die letzten Jahre verstorben sind, ist in Falcos Fall zu vermuten, dass da noch ein großes Spätwerk gekommen wäre. So ganz überraschend – out of the dark.

Von Falcos Lyrics inspirierte Kurzgeschichten:



Die Kurzgeschichte "Junge Römer": Hier klicken

Dienstag, 12. April 2016

Wie alles begann

Oder: Ab wann ist man ein Schriftsteller?

Ist man Schriftsteller, wenn man auf der Bühne steht...?
Viele Autorenkollegen beginnen ihren Werdegang mit „Schon in der Grundschule schrieb ich meine erste Geschichte...“ Natürlich. Aber kann man den Erlebnisaufsatz aus der dritten Klasse schon als literarisches Werk einstufen?
Ab wann ist man eigentlich ein Schriftsteller? Ab den ersten Schreibversuchen? Dem Abschluss des ersten Buches? Oder erst dann, wenn man verlegt wird? 
Ist man etwa bereits ein Schriftsteller, wenn man es „in sich hat“? Oder Literatur studiert? John Irving hat mit seinem Garp
...oder auf der Titelseite...?
beispielsweise eine Figur ersonnen, die sich früh als Schriftsteller bezeichnete, ohne auch nur eine Zeile geschrieben zu haben
Und mit diesem ersten Roman, der meine gesamte damalige Welt auf den Kopf stellte, nannte ich mich auch Schriftsteller. Da war ich zwanzig. Ist irgendein Text, der damals in meinem Kopf herumspukte heute veröffentlichungswürdig? Um Gottes Willen!
Der junge Mann, den ich heute als Schriftsteller bezeichnen würde, der wurde ich erst zehn Jahre später. Und vielleicht wird mein heutiges Ich erst in zehn Jahren jemand sein, den man mit Fug und Recht als Schriftsteller bezeichnen kann. Oder vielleicht auch nie.
...oder mit coolen Kollegen auf dem
Plakat?
Das Gefühl, Schriftsteller zu sein. Wie Alles begann: 2009 stand ich ein erstes Mal auf einer Bühne. Im Publikum die 150 Autoren und Gäste der Schrobenhausener Literaturwerkstatt. Darunter Norbert Niemann und meine Dozentin Ursula Krechel. Sie hatte aus mir innerhalb weniger Tage die Erzählung "Paartanz" herausgekitzelt, die ich noch heute als einen starken Text gelten lasse. Im illuminierten Park des Schrobenhausener Pflegschlosses las ich in dieser Augustnacht ein erstes Mal öffentlich einen Prosatext. Ich stolperte danach betrunken durch die Stadt, anstatt mit den preisgekrönten Autoren zu fachsimpeln, aber verdammt, es fühlte sich nach Schriftsteller an!
Ein Jahr später stellte ich mich für das alternative Kunstfestival "Jung und Willig" auf die Bühne, diesmal mit Lyrik und in der Festung Traunstein. Ein Experiment. Einige Skinheads skandierten „Aufhören!“ Ich war stolz. Aber wieder weit weg davon, ein Schriftsteller zu sein. 
Eine zweite Teilnahme in Schrobenhausen brachte mich ebenso wenig weiter wie das „Lesen Lassen“ im Literaturhaus Salzburg. Ich wurde Zweiter, aber es fühlt sich nicht nach Schriftsteller an. 
Im Seniorenheim Aschau
Ab Herbst 2011 organisierte Michael Inneberger für die Chiemgau Autoren Lesungen im Seniorenheim Aschau. Etwas begann zu brodeln. Ich war drei Mal dabei, verdiente ein erstes Mal richtig gutes Geld als Autor und das bunte Ambiente war ein idealer Ort, um Erfahrung als Vorleser zu sammeln. Ich probiere alles aus. Die Pfalzreise. Die Kurzgeschichten. Sogar die Kleinstadtrebellen. Es sind Zuhörer unter 90 Jahren dabei. Es gibt Diskussionen und Fragen an den Autor. Es gibt einen Scheck vom Veranstalter. Fühlt es sich so an, Schriftsteller zu sein?
Der erste große Auftritt in Traunstein
Auf einmal ging es ganz schnell: Christa Fuchs lud mich ein, im Studio 16 zu lesen. Im Publikum saß eine Germanistin die mir anbot, die Kleinstadtrebellen zu lektorieren. Innerhalb weniger Monate wurde der Roman druckreif. Im selben Jahr hielt ich mein erstes Buch in der Hand. Es folgten Lesungen quer durch den Landkreis. Der erste Auftritt bei den Kulturtagen. Die Rückkehr nach Schrobenhausen, dorthin wo alles begann.

Diese Woche werden die Kleinstadtrebellen ein erstes Mal von einer Schulklasse gelesen. Die Reise ist noch nicht vorbei. Fühlt es sich nun nach Schriftsteller an? Zugegeben, ein bisschen!

Mehr zu lesen gibt es auf www.bernhardstrasser.de
Noch mehr Fotos hier: Impressionen

Freitag, 4. März 2016

Auf der Suche nach den anderen Autoren in der Stadt

Wie finde ich die Schriftsteller der Region?

Der Schriftsteller schreibt für sich allein, aber irgendwann möchte man sich dann doch mit anderen austauschen. 
Wie oft habe ich "Schriftsteller Traunstein" oder "Autoren Kirchanschöring" gegoogelt und nie zufriedenstellende Ergebnisse erhalten. Weder dieser Thomas Bernhard, noch diese Luise Rinser, damals ganz oben auf den Trefferlisten, ließen sich zwecks eines ungezwungenen Treffens kontaktieren. Klar, sie waren ja bereits tot. 
Es schien, als gäbe es im Chiemgau außer mir keine ambitionierten Autoren. Oder sie ließen sich einfach nicht finden.
Heute ist das anders. Ein junger Autor, der Anschluss an die Literaturszene in unserer schönen bayerischen Provinz sucht, muss nicht mehr nach München fahren, um dort das Glockenbachviertel zu durchsuchen. 
Inzwischen habe ich so viele Keywords quer durch das Internet gestreut, dass auch der ungeschickteste googelnde Schriftsteller aus dem Landkreis Traunstein früher oder später über die Chiemgau Autoren oder meine eigene Webseite stolpern muss. Überall im Internet streue ich Brotkrumen, damit junge Autoren aus Traunstein, Kirchanschöring und dem Chiemgau eine Anlaufstation finden, um sich mit anderen Schriftstellern zu vernetzen.
Das Netzwerk der Chiemgau Autoren beispielsweise trifft sich monatlich, bietet einen Austausch unter Schriftstellern und fördert junge Autoren. So ist auch die junge Literaturzeitung "Lizzy" entstanden, längst legendär, ein Who is Who der Chiemgauer Kulturszene. Die damals noch unbekannten Ralf Enzensberger oder Flo "Tonradoo" Falkenberg sind inzwischen fester Bestandteil der Chiemgauer Theater- und Musikszene. Matthias Tonon war vorher schon von Preisen überschüttet und bekam noch im selben Jahr den Traunsteiner Kulturpreis zugesprochen.
Sicher, der klassische Weg führt auch heute von Grassau über Hildesheim nach Berlin. Einem Nachwuchs-Autor, der es zu etwas bringen will, bleibt auch heute nichts anderes übrig, als Verlagsmenschen die Hände zu schütteln, Lektoren um den Hals zu fallen, oder auf die Buchmesse zu fahren. Aber zuvor ist es inzwischen auch in Traunstein möglich, seine literarischen Hörner abzustoßen, seinen Text vor erfahrenen Autoren zu lesen, sich kritisieren zu lassen und Tipps zu bekommen, was die nächsten Schritte Richtung Autorenkarriere sind.

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