Dienstag, 31. März 2015

Der ewige Stenz – Zum Tod von Helmut Dietl

Helmut Dietl, Monaco Franze und München


Denkmal an der Münchner Freiheit -
Helmut Fischer in seiner Rolle als 
Monaco Franze
Helmut Dietls schuf perfekte Unterhaltung. Seine Serien und Filme waren kurzweilig und humorvoll und trotzdem so ganz anders als die heutige Massenunterhaltung. Dietls Welt war nicht nur unterhaltend, sondern gleichzeitig von einer nachhaltigen Tiefe, deren Nachwirkungen Jahre, Jahrzehnte anhielten bzw. anhalten.
Der Monaco Franze war zunächst eine Kindheitserinnerung an selige Fernsehabende mit der Familie. Abende, an denen die Eltern an anderen Stellen gelacht haben als die Kinder, glückliche Abende, wenn man nicht vorher ins Bett musste.
Als Teenager vor allem Schtonk mit einer gewisssen Faszination die Mischung aus Hitler und einer nackten Veronika Ferres verfolgt. Mit Rossini und Late Night weniger anfangen können.
Und auf einmal, als Student, wieder dieser Monaco Franze. FH-Kino im Audimax der Fachhochschule. Die Exil-Bayern der Kinogruppe haben es sich in den Kopf gesetzt, dem Publikum den Monaco Franze näher zu bringen. Und auf einmal ist alles ganz klar: Ein bisserl was geht immer. Immer des Gschiß mit der Elli. Das ist unser Leben! Wir sind der ewige Stenz!
Monatelang läuft das Monaco Franze DVD Set auf und ab. Besonders während der Prüfungszeit und im Fasching. Der Monaco Franze als „Bro Code“ des bayerischen Stenz. Die Heilige Bibel des Dolce Vita Bavaria.
Zur selben Zeit etwa läuft im Kino „Vom Suchen und Finden der Liebe“. Also der melancholische Blick des Stenz auf das, worauf das Leben, die Liebe, nach ihrer Vollendung hinaus läuft. Nichts ist für die Ewigkeit und nichts ist so unnahbar wie die Vergangenheit, die einmal eine goldene Gegenwart gewesen zu sein schien. Der wehmütige Konjunktiv.
Der noch wehmütiger wird, als man – endlich- auch Kir Royal, die Münchner Geschichten und natürlich Rossini erneut zu Gemüte führt und nun, so alt wie Dietl war, als er zu Filmen begann, dessen Welt nicht nur besser versteht, sondern zurück sehnt.
Durch München flanierend, mit verträumten Blick und so zu tun, als sei man im Schwabing der Achtziger Jahre, das man selbst so nie kennengelernt hat. Ja, das hat alles Helmut Dietl verbrochen. Das Wissen darüber, dass Patrick Süskinds größtes literarisches Werk nicht das Parfum war, sondern das Drehbuch zum Monaco Franze.

Und nun die traurige Gewissheit, dass dieses Münchner Genie Helmut Dietl nie wieder einen Film machen wird. Siebzig Jahre. Da wäre noch einiges drin gewesen. München wird nicht mehr dieselbe Stadt sein. Anders gesagt: Dieses München, das die Stadt einst war, wird niemand mehr so wunderbar wiederaufleben lassen.

Montag, 30. März 2015

Traunstein und seine sagenumwobenen Felsen

Der Traunstein und der Klobenstein am Ufer der Traun


Der Traunsteiner Klobenstein
So einige Jahrhunderte ist es her, als, unabhängig voneinander, zwei Ritter ratlos am Ufer der Traun standen. Der eine, mit seinem Fuhrwagen auf Höhe Sparz unterwegs, war entnervt, weil er keine Furt fand, um den Fluss zur Stadt hin zu überqueren. 
Der andere, mehrere Kilometer flussabwärts, gehetzt und auf der Flucht vor berittenen Verfolgern. 
Beide Ritter sprachen in ihrer misslichen Situation Stoßgebete aus, die zum Leid des einen und zur Freude des anderen erhört wurden. 
Der Ritter auf der Flucht betete vor einem Bildnis der Mutter Gottes, wenig verwunderlich, darum, sie möge ein Wunder tun und ihm aus seiner ausweglosen Lage erretten. Er hörte bereits das wilde Wiehern der sich nähernden Verfolger, als plötzlich ein Fels vom Himmel fiel, wie aus heiterem Himmel, sozusagen, in zwei Teile zerbarst, zwischen denen der Ritter sich verstecken konnte. Er war gerettet. Der Klobenstein, in dem sich bis heute eine Marienkapelle befindet,  war entstanden und mit ihm die Sage. 
Der Traunstein bei Traunstein
Ähnlich ging es dem harrenden Ritter flussaufwärts am anderen Ufer der Traun. Der allerdings fluchte im Zorn, es solle doch gleich alles zu Stein werden. Im selben Moment läuteten in Haslach die Kirchenglocken und Reiter, Ross und Wagen verwandelten sich zu einem Felsen. Jenen Stein in der Traun, der Stadt und Landkreis seinen Namen gab und der eigentlich das Wahrzeichen Traunsteins sein könnte. 
Eigentlich. Denn der Wunsch des Ritters nach einer Furt in Stein ging im doppelten Sinne in Erfüllung. So haben sich auch Jahrhunderte Später die Traunsteiner Stadtplaner die Köpfe zerbrochen, wie man den immer stärker aufkommenden Verkehr um die Stadt herum leiten könne. Kurzerhand baute man die Umgehungsstraße dicht an den einst idyllisch im Fluss verweilenden Felsen und es ist fast ein Wunder, dass man den versteinerten Ritter nicht gleich ganz weggesprengt hat.
Der Traunstein samt Umgehungsstraße beim
Hochwasser 2013
Denn die "Blaue Wand Straße", wie sie genannt wird, ist viel befahren und benötigte mehr als zwei Spuren. Besonnene Köpfe retteten auch nach der letzten Straßenerweiterung zumindest halbwegs den ursprünglichen Charakter des verhinderten Wahrzeichens. 

Die Trauntalbrücke im Bau
Ähnlich erging es flussabwärts dem bis heute als Kraftort geltenden Klobenstein. Romantisch gelegen an einem der schönsten Flecken an der Traun, waren es erst lange Jahre Panzer, die durch die Nachbarschaft donnerten. Dann war es ein Jahrzehnt lang still, ehe auch hier die Bagger und Kräne auffuhren. Gottlob traf es den Klobenstein nicht unmittelbar. Aber wer heute oben, auf dem Plateau des Felsens steht, der kann hinüber schauen zur gewaltigen Trauntalbrücke. Auch hier haben die Straßenplaner nicht Halt gemacht. Es rauscht und brummt, wo einst nur das Plätschern der Traun und samstags das Rosenkranzgebet der Marienverehrer zu hören war.
Und so haben die beiden legendenbesungenen Felsen Traunsteins gemeinsam, dass beide, der eine mehr, der andere weniger, Opfer der Ortsumfahrungen geworden sind.


Mehr Geschichten und Sehenswürdigkeiten in und um Traunstein: 
http://www.chiemgauseiten.de/traunstein/

Sonntag, 22. Februar 2015

Der Friedhof der verlassenen Bücher

Der Bücherflohmarkt des Lions Club Traunstein


Beschaulich ruhig geht es am Sonntag zu
Einmal im Jahr organisiert der Lions Club Traunstein einen gigantischen Bücherflohmarkt in der Aula der Berufsschule. Drei Tage dauert der Bücherflohmarkt, ein wildes Festival der Literaturfreunde, ein Großereignis der Traunsteiner Schickeria, wenn es so etwas gibt, vor allem am Freitag zur Eröffnung. Aber auch, nach drei Tagen des gierigen Bücherraffens, auch ein beschauliches, nachdenkliches Ereignis am Sonntag, wenn es einlädt, über die Vergänglichkeit von Bücher nachzudenken. Außerdem trifft sich dort auch die hiesige Künstler- und Autorenszene. Ernst Jani ist immer da, auch Wolfgang Schweiger oder Willi Schwenkmeier. Nur ansprechen sollte man sie nicht, da sie, wie alle der Besucher, einen seltsamen Glanz in den Augen und ihren Tunnelblick nur auf die Bücher gerichtet haben.
Aber der Reihe nach: So, als gäbe es Tickets für die Bayreuther Wagner-Festspiele, drängen sich schon um Halb Zehn die Büchernarrischen und Großkopferten, die bisher noch nicht in den Lions Club aufgenommen oder zum Mithelfen eingeteilt wurden, vor den Türen der Berufsschule. Obwohl erst um Zehn Einlass ist, müssen die Tore eine halbe Stunde früher geflutet werden, damit es zu keinen Nervenzusammenbrüchen unter den Literaturversessenen Traunsteinern kommt.
Nach drei Tagen Flohmarkt kennt man die üblichen
Verdächtigen bereits. Wer erbarmt sich dieser Bücher?
Die Berufsschule wird gestürmt und eine Stunde lang reißen sich die professionellen Gebraucht-Bücherhändler und Flohmarktverkäufer alles unter den Nagel, was halbwegs verwertbar aussieht. Es herrscht ein Gedränge wie beim Starkbieranstich und fast hysterisch stapeln die Literatur-Aficionados die Bücher auf dem Reservierungstisch. Einer vom Lions Club schüttelt den Kopf: „Die kaufen den ganzen Schrott tatsächlich…“
Immerhin, es ist für den guten Zweck. Aber ein Körnchen Wahrheit steckt in diesem Satz schon: Denn die gebrauchten Bücher wurden immerhin von irgendjemand als nicht mehr würdig befunden, in seinem Buchschrank einen repräsentativen Platz einzunehmen. Die zigtausend Bücher des Flohmarktes sind nichts anderes als ein Friedhof der verlassenen Bücher. Bücher, die keiner mehr lesen will und andere, die garantiert nächstes Jahr wieder hier auf dem Bücherflohmarkt landen werden.
Am Sonntag geht es hier wesentlich ruhiger zu und, da die Lücken in den Bücherreihen ständig neu aufgefüllt werden, ist die Chance groß, doch noch etwas Interessantes zu entdecken.
Denn der Bücherfriedhof ist für Literaturkenner auch eine gigantische Wüste: Hunderte Bücher von Autoren, die vor Jahrzehnten einmal en vogue waren und nun auf dem Friedhof der verlassenen Bücher gelandet sind: Meterweise Heinz G. Konsalik, Johannes Mario Simmel und Marie Louise Fischer. Wer ist das eigentlich? „Das war früher die Rosamunde Pilcher“, erklärt mir jemand. Aha!
Auf einmal wird man ganz still und begreift, dass all diese Autoren hier einmal berühmt waren und gelesen wurden und heute sind ihre Werke das, was sie inhaltlich schon damals waren: Müll.
Diese Exemplare rettete ich vom Friedhof der verlassenen
Bücher
Soll man als Autor nun also flotte, unterhaltsame Literatur für die Masse der Gegenwart schreiben? Oder soll man etwas schaffen, das zeitlos, dicht und künstlerisch wertvoll ist? Wann werde ich mein eigenes Buch auf diesem Friedhof der verlassenen Bücher entdecken? Werde ich stolz sein, dass auch ich dort endlich vertreten bin? Oder werde ich traurig sein, dass ich nun auf einer Stufe mit Uta Danella gelandet bin?
Aber noch ist es nicht soweit. Vielleicht beim nächsten Bücherflohmarkt: Dem der Stadtbücherei Traunstein…

Mehr über den Autor: www.chiemgauseiten.de


Dienstag, 17. Februar 2015

Warum Bücher sexy sind

Sexy Bücher und Schallplatten
Jonathan Franzen erwähnt in seinem Buch "Das Kraus Projekt", dass Bücher von Elektronik "an die Wand gedrückt werden, weil sie nicht als annähernd so sexy gelten."
Natürlich ist es naturgemäß nicht die Meinung des Schriftstellers, dass Bücher nicht sexy seien, aber gilt das auch für die normalsterblichen Leser?
Ein Buch ist sexy! Es ist kein Zufall, dass sich im Deutschen das Wort "Ebook" für die angeblich so sexy elektronischen Schriften durchgesetzt hat. Das deutsche Wort "Buch" wird immer etwas physisches, etwas auf Papier gedrucktes, beschreiben. Im Deutschen hält sich für das elektronische Buch der anglisierte Begriff "Ebook". Wer sich mit Sprache beschäftigt ahnt, dass dieses englische Wort als Bezeichnung für eine Neuerung, der der deutsche Kulturbürger traditionell mit Skepsis gegenübersteht, nichts mit amerikanischer Sexyness zu tun hat, sondern in ihm eine sprachlich scharfe Abgrenzung zum Hochkulturgut "Buch" mitschwingt. 
Das Ebook sei nicht verteufelt, im Gegenteil. Bietet es doch die einzigartige Möglichkeit für sämtliche sozialen Schichten, sich zahllose Literaturklassiker gratis aufs Handy etc. zu laden und zu lesen. Dennoch reduziert es einzigartige Werke zu einem virtuellen Gut, das  im Übermaß verfügbar scheint und dadurch im Wert geschmälert wird. 
So erging es andererseits auch der Musik. Die Schallplatte wurde von der CD ersetzt und CDs konnten bald ohne Qualitätsverlust als MP3 überspielt und getauscht  werden und heute ist praktisch die gesamte Musikgeschichte per Cloud und gestreamt überall verfügbar. 
Und durch genau diesen Werteverfall aufgrund des unübersichtlichen Überflusses feierte die Schallplatte ihr einzigartiges Comeback. Jede Platte ist ein Unikat, ihr Rauschen, selbst die komplizierte Mechanik, die es bedarf, um sie abzuspielen, haben die Schallplatte sexy gemacht. So sexy, dass sie selbst in Zeiten der Cloud wieder in die Regale der Musikläden zurückgekehrt ist. 
Und genau so wird es dem Buch ergehen. Jedes Buch ist ein unikat. Nach jedem Lesevorgang wird es sich verändert haben. Nie wird man eine .pub Datei so lieben können wie ein Buch, das man in den Händen hält. Ein Buch kann repräsentativ in den Schrank gestellt werden, es hat Gewicht und es duftet. Ein Buch wird bald so sexy sein wie es die Schallplatte wieder geworden ist.  Es wird aufgrund seiner Sexyness nie vom Ebook verdrängt werden können.

Mehr Lesenszeichen über Bücher und Lesen:

Lesen ist nicht gleich Lesen: Plädoyer für Fast Food Literatur

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Sonntag, 25. Januar 2015

Männeryoga - Die zweite Staffel

Foto: Wise Droid
Die gestandenen Kerle vom Männeryoga Osterloh haben es tatsächlich geschafft: Sie haben die ersten Monate Männeryoga nicht nur überlebt, sondern ohne äußerlich erkennbare Esoterikschäden wohlauf überstanden und sich nach dem grandiosen Staffelfinale sogar entschieden, eine weitere Season weiter zu machen: Männeryoga, die zweite Staffel!
Was bisher geschah: Eine Gruppe unerschrockener Männer aus Traunstein, Teisendorf und Umgebung mit Rückenschmerzen und Abenteuerlust, tat sich zusammen, um im Yoga-Mekka, besser gesagt, Ashram in Osterloh gemeinsam indisch angehauchte Gymnastik zu absolvieren, um Bandscheibenvorfälle vorzubeugen respektive auszuheilen. Und danach zum Wirt zu gehen.
Um den Segen ihrer Frauen zu erhalten, konspirierten sie unter dem Codenamen „Yoga“.
Doch der jungen, hübschen Yogalehrerin gelang es, die Kerle für das Männeryoga zu begeistern und die Männer machten derart ernsthaft sämtliche Übungen vom Krokodil über den Fisch bis zur wiehernden Krähe mit, dass sie teilweise sogar vergaßen, danach zum Wirt zu gehen.
Als die Männer auch noch erfuhren, dass die junge, hübsche Yogalehrerin in Wirklichkeit Jahrgang 1956 ist und Yoga offensichtlich jung hält, war klar: Wir machen weiter!
Zuletzt haben die Männer im Männeryoga die Kunst der yogischen Schnellatmung gelernt: Kapalabhati. Dabei muss man in einen nasalen Trommelwirbel rasch durch die Nasenflügel schnaufen. Was sie die schnupftabakerprobten Kerle ebenfalls gelernt haben: Dass Kapalabhati sehr gesund ist, vor allem, wenn man Schnupfen hat. Danach ist die nämlich Nase frei. Der Typ, der vor einem die Yogamatte ausgebreitet hatte, wird dies allerdings nie wieder tun. Gottseidank sind die Matten nur geliehen.
Im Mittelpunkt steht allerdings auch in der zweiten Staffel das Prana. Prana ist die Lebensenergie.  Und jeder der Kerle im Männeryoga weiß genau, wo die Lebensenergie zu holen ist:

Bei der Schlussmeditation, auf die freuen sich die Männer ganz besonders, bei der Schlussmeditation nämlich, wenn der Körper ganz entspannt ist, ist jeder mit dem Kopf bereits beim Prana. Und dann kann es schon einmal passieren, dass die Marita ihre entspannenden Worte spricht und auf einmal seufzt einer der Männer aus voller, entspannter Kehle: „Ich freu mich schon so auf den Prana-Wirt!“


Zu den Chiemgauseiten: www.chiemgauseiten.de

Donnerstag, 15. Januar 2015

Wie ich die Formel für den Weltfrieden fand

Die großen Weltprobleme, von denen täglich berichtet werden, welch Segen wäre es doch, wenn es eine einfache Formel gäbe, sie zu lösen. Die Formel für den Weltfrieden. 
Wie überrascht war ich, gestern beim Frühstück, diese Weltformel zu entdecken. Ausgerechnet ich! Ich weiß noch gar nicht, wo ich denn den Friedensnobelpreis hin hängen soll, geschweige denn, was ich mit der Kohle aus Stockholm schönes anschaffen soll!
Um es der Dankesrede vorwegzunehmen: Hier die amüsante Anekdote, wie ich auf die Formel für den Weltfrieden kam: 
Terroranschläge in Paris, ISIS, Boko Haram, Ukrainekrise, PEGIDA, es ist derzeit Bürgerpflicht, Zeitung zu lesen. Ich bevorzuge unter der von PEGIDA so betitelten Lügenpresse die Süddeutsche Zeitung. Beim Frühstück stolperte ich zunächst über einen Bericht, wonach Putin den Ukrainekrieg 2015 vorerst aus finanziellen Gründen eingestellt hat. Klartext: Wegen Finanzschwierigkeiten aufgrund Sanktionen, niedrigem Gaspreis etc. ist derzeit kein Geld zur Unterstützung der prorussischen Rebellen da. Das könnte natürlich Propaganda der Lügenpresse sein, aber die beinhaltete Schlussfolgerung scheint stimmig: Kein Geld – Kein Krieg. Das behielt ich mir im Hinterkopf.
Dann, wenige Seiten später, im Zusammenhang zu den Pariser Attentätern, die aus ärmsten Verhältnissen stammten, ein Zitat von Peter Ustinov: „Krieg ist der Terror der Reichen – Terror ist der Krieg der Armen“.
Was für ein spektakulärer Satz! Doch was bedeutet er? Der Satz stellt die These auf, dass Terror das letzte Mittel der Armen ist, um den Grund für ihre Armut zu bekämpfen: Also die Reichen. Löste man also das Problem der Armut auf der Welt, entzöge dies dem Terror den Nährboden. Aber das ahnten ja schon andere vor mir.
Zweite These, und nun fiel mir der Artikel über die Finanzierung der Ukrainekrise wieder ein: Hat ein Staat ausreichend finanzielle Mittel, um mit kriegerischen Mitteln seine Interessen durchzusetzen, da fallen mir gleich mehrere andere Staaten ein, wird er Krieg führen.
Ergo – voilá: Die Lösung aller Probleme auf der Erde: Nimmt man den Reichen das überschüssige Geld weg, das sie ansonsten in Kriegsführung investieren würden und gibt es den Armen, gäbe es weder genug Geld, um Kriege zu führen, noch genug Armut, um Terrorismus entstehen zu lassen.
So, jetzt wisst Ihr Bescheid, liebes Friedensnobelpreiskommittee. Preisgeld bitte auf mein Konto bei der Sparda München überweisen!

Mehr philosophische Lösungen:
http://lesenszeichen.blogspot.de/2014/08/mein-eigenes-kleines-walden-am-balkon.html


Mittwoch, 7. Januar 2015

Wanda, Amore, oder die Entdeckung einer Supergroup

Wie Wanda mit Tante Ceccarelli in unser Leben knallte


„Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen“ dröhnt es aus den Lautsprechern und sofort weiß man: Wow. Was für ein Lied. Was für eine neue Supergroup! Wer ist das, verdammt noch mal?
Oft passiert es nicht, dass man im Club, im Auto, im Radio einen Song hört, der einen völlig austicken lässt. Der einen zum DJ rennen lässt. Der einen im Müller Markt die Melodie vorsummen lässt. Der einen Freitag für Freitag in die Metro laufen lässt, bis man diesen einen Song endlich wiederhört. 

Das letzte Mal war dieses unfassbar neue, fantastisch melodiöse Lied, das mit einem Countdown, Kindergeschrei und der eingängigsten Synthesizermelodie aller Zeiten begann. Wie viele Leute im Club habe ich angeschrien: „Wer ist das? Wie, verdammte Scheiße, heißt dieses Lied?“ Bis jemand schulterzuckend brummte: „Kids. Von MGMG!“ „Von Ämtschibämtschi?“ „Von MGMT!“ „Ach, leck mich!“
Einige Jahre davor habe ich den DJ in einem Kellerloch auf der Reeperbahn so lange genervt, bis er mir „Favourite mistake“ von The Bravery verriet. Damals hatten gerade Franz Ferdinand, Muse und die Killers Placebo, Sublime und Pearl Jam als Supergroups abgelöst und jeder neue Song in diesem knallenden Sound ließ den Zuhörer aus der Haut flippen. In den Kleinstadtrebellen kann man diese legendäre Nacht nachlesen.
Jetzt also diese irren Typen aus Wien, die eine Attitüde wie Falco haben und alles richtig machen, was Heinz aus Wien nach ihren Anfangskrachern nicht mehr auf die Reihe gebracht haben.
„Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht!“ Was für ein Kracher! Keine Ahnung, was der Text bedeutet, aber wie die Rockstars aus Wien das vortragen, das ist sowas von phänomenal, dass man Gott wieder dankt, dass er FM4 bis nach Bayern ausstrahlen lässt.
Einen Tick lang war ich sogar sicher, dass Tante Ceccarelli in Bologna Amore mit dem eigenen Vater gemacht hat, was einen Sinn ergäbe, warum man quasi nicht mit seiner Cousine schlafen kann, aber das wäre der Genialität dieser Band dann doch einen Schuss zu viel Vorschusslorbeeren. Oder?


http://www.im-gruenen-festival.de/
Wer diese im besten Sinne größenwahnsinnige Supergroup demnächst in der Gegend live sehen will: Dem Im Grünen Team ist es gelungen, Wanda am 13.6.15 Kirchanschöring zu holen! Heiliger Scheißdreck, wird das geil werden!