Donnerstag, 12. März 2020

Werkstattgespräch mit Benedict Wells in Regensburg

Benedict Wells bei "Regensburg liest ein Buch"


Benedict Wells sprach über sein Schreiben
Benedict Wells ist ein großartiger Schriftsteller, klar. Dass er auch noch ein feiner Kerl ist, ein wunderbar bodenständig gebliebener, supersympathischer junger Mann ist, durfte ich beim Werkstattgespräch von "Regensburg liest ein Buch" im Akademietheater erfahren. Benedict Wells zu treffen war einer meiner Neujahrs-Vorsätze für 2020. Dass es tatsächlich geklappt hat, grenzt ein klein wenig an ein Wunder. Denn wer fährt schon unter der Woche einfach mal so von Traunstein nach Regensburg. Und das auch noch in Zeiten der Corona. Wäre es nach der Bayerischen Staatsregierung gegangen, hätte die Veranstaltung gar nicht stattfinden dürfen, alle anderen Theater sind bereits geschlossen. Irgendwie gelang es Organisatorin Carola Kupfer, diese eine, letzte Veranstaltung vor dem Corona-
Studierende des Akademietheaters Regensburg performten einige der Szenen
Shutdown durchzusetzen. Benedict Wells hatte seinerseits die Lacher auf seiner Seite, als er gleich zu Beginn gestand, dass er die letzten Tage wegen einer Erkältung überwiegend im Bett verbracht hatte. Neben mir saß mein Autorenkollegen Fabian Bader und ich glaube, wir beiden waren diejenigen, die am eifrigsten Benedict Wells Tipps bezüglich Schreiben und Verlagssuche mitschrieben und aufsogen. Da außer uns kein Mensch auf eine trockene Werkstattveranstaltung gekommen wäre, wurde das Gespräch mit Benedict Wells mit szenischen Darstellungen abgerundet: Studierende der Schauspielakademie spielten einige Schlüsselszenen aus "Vom Ende der Einsamkeit" nach. Wie tickt Benedict Wells als Autor? Er befand, dass das Schreiben eines Buches schon eine seltsame Existenz
Mit Fabian Bader in Regensburg
sei, weil man dabei in zwei völlig verschiedenen Welten gleichzeitig lebte. Er beschrieb, wie seine aktuellen Romanfiguren ihn überall hin begleiteten und deutete in die Ecke des Akademietheaters: Dort sitzt gerade einer von ihnen. Auf die Frage, ob man über eine gewisses Alter, einen Reifegrad erreicht haben muss, um über gewisse Dinge schreiben zu können, meinte Benedict Wells, er erfinde durch sein Schreiben ja eine neue Realität - deren Wahrheit er nur durch schlechtes Schreiben als falsch beweisen kann. "Außerdem", so fügte er lächelnd an, "ist Alter doch Tagesform abhängig."
Benedict Wells ist ein gegeisterter Überarbeiter seiner Texte. Legendär die Geschichte, dass "Becks letzter Sommer" ursprünglich 1500 Seiten stark war. Auch scheut er sich nicht, den gesamten Text von der ersten Person in die dritte Person zuzuschreiben. Und - wenn es nicht funktioniert - dies wieder rückgängig zu machen. Er bezeichnet sich selbst als langsamen Autor und so dauert es manchmal 7 Jahre, wie "Das Ende der Einsamkeit", bis es fertig ist. Wobei - merkt er an - ist ein Buch jemals fertig? Uns Autoren am Anfang riet er aus seiner eigenen Erfahrung heraus, sich auf das zu konzentrieren, was wir beeinflussen können: Nie aufzugeben und am Buch weiter arbeiten. Alles andere wird sich
ergeben. Das Leben könne man nicht kontrollieren. Das Schreiben eines Buches schon.

Natürlich stand am Ende die Frage im Raum, was man von ihm als nächstes zu lesen bekäme. Sein aktuelles Projekt, ein coming of age Roman über den Sommer 1985 in Missouri, scheint in der Schlussphase zu sein. Danach wäre vielleicht ein zweiter Teil von Becks Sommer mit Fokus auf Rauli möglich. Oder - und da war ich dann extrem elektrisiert - eine Genre Mischung aus Krabat und Stranger Things...

Der Tag als die Kultur starb:

Folgende Kurzgeschichte ist über diese legendäre Nacht entstanden. Diese stellte ich 2 Jahre später beim Regensburger Kultursommer vor: https://www.chiemgauseiten.de/der-tag-als-die-kultur-starb/
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