Samstag, 14. Juli 2018

Das Leiden des jungen Strasser B. im (Fm4) Wortlaut

Die Erzählbände des zweitbesten Schriftstellers der Stadt

Im August 2004 wurde im allgemeinen Gemurmel einer Grillparty berichtet, dass einer der unseren, der angehende Zahnarzt Armin K. den "Wortlaut", den Fm4 Kurzgeschichten Wettbewerb gewonnen hatte. 
Unter die allgemeine Freude mischten sich auch Bedenken. Bedenken eines beleidigten 25-jährigen Möchtegernschriftstellers, der sein halbes Leben in der sicheren Überzeugung verbracht hatte, der beste, respektive einzige Jungautor weit und breit zu sein. 
An diesem Abend schwor sich der junge Strasser B. nicht mehr zu ruhen, ehe er selbst den Fm4 Wortlaut gewonnen und die Schmach des Jahres 2004 ausgemerzt hätte. 
Seitdem verlaufen die Jahre im selben Rhythmus:
März: Verkündung des Wortlaut Themas. Bretter. Wild. Grell. Sterne. Geil. 
April: Panisches Schreiben von Kurzgeschichten, die mindestens die beste aller Zeiten sein muss. 
Mai: Auf den allerletzten Drücker den halbwegs überarbeiteten Text an die Wortlaut Redaktion verschicken. Notfalls auch zwei, eine unter Fake Namen (Bernhard P. Paulini)
Juni/Juli: Banges Hoffen, Träumen, Warten. 
August: Irgendwann stolpert man zufällig über die Fm4 Homepage und liest, dass vor zwei Wochen der diesjährige Wortlaut Sieger gekürt wurde. 
Sein Name ist weder Bernhard P. Paulini noch Strasser B.
Entsetzen. Panik. Verzweiflung. Depression. Nie wieder schreiben wollen. 

Begonnen hat es 2005 mit dem Thema "Bretter". Armin K. saß als Vorjahressieger in der Jury, was mich zu der Überzeugung gelangen ließ, dass mir der Sieg mit ihm als Fürsprecher sicher sei. Vielleicht hätte ich ihm das auch mitteilen sollen.
Kann auch sein, dass meine weltbeste Kurzgeschichte aller Zeiten bei einem der anderen Juroren landete, die ihrerseits schon von ihren Freunden und Bekannten bestochen worden waren.
Es folgten Texte zum Thema Gold (Eurokrise), Wild (Erwachsenwerden), Fallen (Krebs, Verlust), Grell (Liebe der Gegensätze) und zuletzt Sterne (Yoga) 
Ich könnte eine eigene Kurzgeschichten Anthologie mit den ignorierten Wortlaut-Texten veröffentlichen. 
Versöhnt war ich ein wenig, dass es einer meiner Autorenkumpel, den ich selber sehr gerne lese, namens Matthias T. die letzten Jahre auf die Short- bzw. Longlisten geschafft hat. Also schreibe ich weiter die besten Geschichten aller Zeiten, die immer einen Tick schlechter sein müssen als die von Matthias, bis wenigstens er den Wortlaut endlich einmal gewinnt. 
Was ist eigentlich aus Armin K. geworden? Ein Zahnarzt natürlich!
Er hat den Wortlaut Sieg einmal verflucht, weil er seitdem nicht mehr schreiben konnte. Um sich von diesem Trauma zu erholen, macht er inzwischen mit mir Männeryoga. Meine letzte Wortlaut Geschichte handelt vom Männeryoga. Wenn es diesmal nicht klappt, flippe ich aus. Oder werde auch Zahnarzt. Oder mache weiterhin Yoga und schreibe solange, bis es beim Fm4 Wortlaut 2049 hoffentlich klappt!
Die besten erfolglosen Kurzgeschichten könnt Ihr hier nachlesen:
https://www.chiemgauseiten.de/buecher/literatur/
http://schreibboheme.blogspot.com/

Sonntag, 1. Juli 2018

Bücher und Romane über Krebs

Buchtipps zu Romanen für Angehörte und Erkrankte über das Thema Krebs

Das Thema Krebs und Umgang mit Krebserkrankten gleich wie den Angehörigen von Krebspatienten begleitet mich bereits seit vielen Jahren. Hilfreich waren für mich weniger Sachbücher sondern viel mehr Romane und Literatur über Menschen die an Krebs erkrankt sind. Weil diese nicht nur viele der unausgesprochenen Emotionen zwischen den Zeilen transportieren, sondern durchaus auch für (glückliche) Menschen die nicht mit dem Thema Krebs in Kontakt gekommen sind, eine lesenswerte Lektüre sein können, stelle ich die bewegendsten und lesenswertesten Bücher über Krebs hier zusammen. Die Liste ist noch nicht abschließend und kann von Euch gerne ergänzt werden:

Ein Buch über Teenager die an Krebs erkrankt sind:

Das Schicksal ist ein mieser Verräter - John Green

Der bereits verfilmte, äußerst bewegende Roman von John Green ist längst ein Klassiker der Krebsliteratur. "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" erzählt aus der Sicht von Hazel, einer an einer unheilbaren Krebsart erkrankten jungen Frau. Das Buch berichtet schonungslos, dabei aber stets humor- und gefühlvoll von Hazels Kampf gegen die Krankheit und die gleichzeitigen Widrigkeiten des Alltags. Sie verliebt sich in Gus, der seinerseits lange an Krebs erkrankt war. Der Zauber dieses Buch besteht nicht nur aus der herzzerreissenden Liebesgeschichte der beiden Teenager, sondern auch, dass es ein Buch für Buchliebhaber ist. John Green schreibt gleichzeitig spannend und literarisch. Das Buch ist durchzogen mit Literaturverweisen und Allegorien und kann es diesbezüglich mit manchem Thomas Mann Schinken aufnehmen. Wobei andersherum in Sachen Spannung und Romantik ein Thomas Mann gegen John Green chancenlos wäre.
Das Schicksal ist ein mieser Verräter ist ein Buch vor allem, aber bei weitem nicht nur für junge Menschen.
Das Buch kann man hier bestellen.

Das Tagebuch eines an Gehirntumor erkrankten Schriftstellers:

Arbeit und Struktur - Wolfgang Herrndorf

Ein Glioblastom ist nicht nur ein Gehirntumor, es ist die "Champions League" unter den Gehirntumoren. So sarkastisch kann man diese tödliche Diagnose beschreiben. 
Wolfgang Herrndorf war nicht nur irgendein Schriftsteller. Er hat mit "Tschick" eines der beliebtesten Jugendbücher der letzten Jahre geschrieben. Der späte Ruhm kam allerdings erst nach der tödlichen Diagnose. Wolfgang Herrndorf hat in seinem posthum als Buch erschienenen Blog "Arbeit und Struktur" ein bewegendes Tagebuch über das Leben mit einer unheilbaren Krebsart geführt. Arbeit und Struktur ist dabei gleichzeitig ein Zeitdokument über die Berliner Kulturszene, ein Sachbuch über das Leben mit Glioblastom, es ist ein "Making Of" der Romane Tschick und Sand. Und es ist gleichzeitig ein Roman. Denn so ernst die Lage für Herrndorf war, selbst seinen Blog hat er literarisch geschrieben. So viel sei leider gespoilert: Es gibt in diesem Buch kein Happy End.


Roman über einen jungen Mann dessen Mutter an Krebs erkrankt

Sterne sieht man nur bei Nacht - Bernhard Straßer

Ja, die treuen Blogleser kennen diesen Autor bereits. Es bin ich. Dennoch denke ich, dass das Buch hier seine Berechtigung hat. Das Jahr, in dem meine Mutter starb war gleichzeitig eines der schönsten meines Lebens. Diesen Zwiespalt versuchte ich literarisch nachzuspüren. Es ist ein Roman entstanden über Hans, 26, der nach dem Studium ein neues Leben in einer neuen Wohnung samt neuen Job beginnt als er erfährt, dass seine Mutter an Krebs erkrankt ist. Zerrissen wischen dem Zwiespalt, einerseits für seine Mama und für seine Familie da sein zu wollen und den Verheißungen seines neuen Lebens, entscheidet er sich für Letzteres. Er stürzt sich ins Leben, lässt sich von einer unbändigen Lebenslust hinreißen, muss sich bald zwischen Ellis, die ihn liebt und Loni Schneider, in die er verknallt ist, entscheiden. Er tingelt von Wochenende zu Wochenende, von Festival zu Festival, während sich zu Hause der Gesundheitszustand seiner Mutter stetig verschlechtert.
Auf einem Trip nach Paris kommt es zum großen Knall zwischen Hans, Ellis und Loni Schneider. Als Hans nach Hause zurückkehrt und begreift, dass seine Mutter bald sterben könnte, ist sein Leben ein einziger Scherbenhaufen. "Ein Roman über die Liebe und den Tod. Aber nicht nur, es geht auch um die Mutter, die Familie, das Erwachsenwerden" hat eine Rezensentin treffend geschrieben.
Während ich das Buch schrieb, starb nicht nur mein Vater, sondern auch der Mann meiner Schwester erkrankte am oben erwähnten Glioblastom. Sterne sieht man nur bei Nacht erschien nur wenige Tage nach seiner Beerdigung...
Das Buch kann man auf Amazon bestellen oder hier:  https://www.chiemgauseiten.de/b%C3%BCcher/sterne-sieht-man-nur-bei-nacht/

Welche Bücher zum Thema Krebs haben Euch bewegt?

Bitte schreibt mir einen Kommentar!